Die Figur des Melchior steht im Ulmer Münster. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)

Debatte um rassistische Darstellung

Ulmer Münster: Umstrittene Krippe geht an Stifterfamilie zurück

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Carola Kührig
Carola Kührig (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)
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Rainer Schlenz
Rainer Schlenz (Foto: Spiesz-Design/Sabine Weinert-Spieß)

Die Ulmer Münstergemeinde gibt die Krippe mit den umstrittenen Figuren der Heiligen Drei Könige an die Stifterfamilie zurück. Der Beschluss des Kirchengemeinderates dazu war einstimmig.

Die sogenannte Scheible-Krippe im Ulmer Münster hat im Jahr 2020 für zum Teil hitzige Diskussionen gesorgt. Jetzt gibt die Münstergemeinde die Krippe an die Erbengemeinschaft zurück. Münsterpfarrer Peter Schaal-Ahlers sagte dazu im SWR: "Nachdem wir ja nicht mehr die Krippe ausstellen können und wollen, ist es, glaube ich, eine gute Lösung".

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Warum die Krippe im Ulmer Münster umstritten war

"Wird dort eine Krippe gezeigt, soll diese zur Meditation und zum Lob Gottes anleiten und nicht Menschen durch die Darstellung einzelner Figuren herabsetzen."

Melchior-Figur der Weihnachtskrippe im Ulmer Münster (Foto: SWR, Volker Wüst)

Besonders die Figur des schwarzen Königs Melchior ist umstritten. Mit stark überzeichneten Lippen und Federkopfschmuck bediene sie Klischees. Sie sei bis ins Groteske überzeichnet und aus heutiger Sicht rassistisch, so der Kirchengemeinderat. Gleichzeitig betont das Gremium: "Nie wurde vom Kirchengemeinderat der kunstgeschichtliche Wert der Scheible-Krippe in Zweifel gezogen".

Rassismus-Debatte: Krippe wurde im Museum eingelagert

Die Krippe mit den Heiligen Drei Königen war vor mehr als 100 Jahren vom Ulmer Bildhauer Martin Scheible für einen privaten Auftraggeber aus Ulm geschnitzt worden. Mehr als 20 Figuren gehören zur Krippe. Die Erbengemeinschaft übergab sie 1992 ans Ulmer Münster. Allerdings wurde sie im Zuge der Rassismus-Debatte seit 2020 nicht mehr im Münster gezeigt, sondern im Museum Ulm eingelagert.

Die Debatte um die Krippe wurde phasenweise sehr hitzig geführt. Der damalige Dekan und heutige Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl erhielt zahlreiche Hassmails. Später wurde die Krippe Gegenstand einer kunsthistorischen Auseinandersetzung. Das Museum Ulm erforschte die Rolle des Künstlers, der die Krippe schnitzte: Martin Scheible.

Stifterfamilie reagiert entspannt

Die Erbengemeinschaft reagierte auf die Ankündigung der Münstergemeinde, die Krippe zurückzugeben, mit Gelassenheit: Albrecht Wittmann, der Vertreter der Mössner-Erben-Gemeinschaft, schrieb an den Kirchengemeinderat: "Für uns aus der größeren Mössner-Schmid Familie war es eine Freude und ein besonderes Geschenk, jedes Jahr am 1. Advent 'unsere Krippe' im Ulmer Münster sehen zu können und uns dann zu einem Familientreffen zusammenzufinden. Dafür danken wir der Münstergemeinde!"

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