Die Gänstorbrücke über die Donau aus der Luft (Foto: SWR)

Dringend nötige Sanierungen und Neubau

Marode Brücken in Ulm und die Konsequenzen

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Viele Brücken in Ulm und auf die andere Seite der Donau nach Neu-Ulm müssen saniert oder neu gebaut werden. Die Baustellen werden sich auch auf den Straßenverkehr massiv auswirken.

Um viele Brücken in Ulm ist es schlecht bestellt: die Gänstorbrücke, die Adenauerbrücke, die Ludwig-Erhard-Brücke, und das sind nur die größten Brücken in der Stadt. Während an der Ludwig-Erhard-Brücke bereits geflickt wird, heißt es für die anderen beiden wichtigen Verkehrstrecken: Abriss. Das bedeutet aber auch: Auf die ohnehin schon baustellengeplagten Autofahrer in Ulm rollen weitere Großbaustellen zu.

"Ein Brückenneubau ist kaum unter drei bis vier Jahren zu schaffen, sodass wir über mehrere Jahre relevante Einschränkungen haben werden: zum Teil reduziert auf die Hälfte der Leistungsfähigkeit."

Da dürfte es Autofahrerinnen und Autofahrer wenig trösten, dass diese Baustellen nicht nur diejenigen treffen, die durch Ulm müssen: Solche Mammutbaustellen stehen in allen größeren Städten mit Brücken- und Straßeninfrastruktur an, erklärt Tim von Winning. Das Problem des Sanierungsstaus besteht bundesweit.

Ulms Baubürgermeister Tim von Winning erklärt vor der maroden Gänstorbrücke, was auf die Autofahrer in Ulm zukommt. (Foto: SWR)
Ulms Baubürgermeister Tim von Winning erklärt vor der maroden Gänstorbrücke, was auf die Autofahrer in Ulm zukommt.

Brücke am Blaubeurer Tor wird durch Tunnel ersetzt

Doch es lohnt, einen Blick auf das zu werfen, was die Baumaßnahmen bringen. Zumindest am Blaubeurer Tor entsteht eine Veränderung, die vielen Menschen in Ulm gefallen dürfte: Die Brücke über das Blaubeurer Tor soll ersatzlos gestrichen werden. Stattdessen wird ein Tunnel gebaut - die Kosten für diese Pläne sind nach Angaben von Baubürgermeister Tim von Winning sogar etwas geringer.

Durch den Tunnel soll der Blaubeurer Ring aufgebrochen und das Tor deutlich zugänglicher für Bürgerinnen und Bürger werden. Nicht nur mit Blick auf die Landesgartenschau 2030 sei das eine attraktive Veränderung für viele. So sieht es auch Andrea Röhrer, Leiterin des Sachgebiets Ingenieurbau Ulm: Der Umbau sei eine Chance, das Blaubeurer Tor als Wahrzeichen und Denkmal wieder sichtbar zu machen.

Blick aus der Luft auf das Blaubeurer Tor (Foto: SWR)
Die Brücke am Blaubeurer Tor ist so baufällig, dass sie abgerissen wird. Stattdessen soll ein Tunnel her.

Geköpftes Blaubeurer Tor - heute eine Bausünde

Einiges hat sich geändert seit dem Bau der Brücken. So ist man heute auf manches nicht mehr so stolz wie damals, kurz nach dem Bau der Überführung über das historische Blaubeurer Tor. Ein historisches Tor, geköpft von einer Bundesstraße – aus heutiger Sicht ist das eine schlimme Bausünde, die mit den neuen Plänen rückgängig gemacht werden soll.

Auf Ulms Chefingenieurin Andrea Röhrer und ihr Team kommt einiges zu. Denn große Brücken komplett neu zu bauen – das müssen sie in Ulm gleich an mehreren Stellen gleichzeitig. Noch komplizierter ist der Komplettumbau des Verkehrsknotenpunktes rund um das Blaubeurer Tor mit mehreren, miteinander verbundenen Brücken. Allein dieser Umbau wird rund 130 Millionen Euro kosten.  

Die Gänstorbrücke über die Donau aus der Luft (Foto: SWR)
Die Gänstorbrücke über die Donau zwischen Ulm und Neu-Ulm gehört zu den Brücken, die abgerissen und neu gebaut werden müssen.

Neubau von Großbrücken: auch Gänstorbrücke dabei

Damit kein Unglück passiert, prüfen die Experten regelmäßig den Zustand der Ulmer Brücken. An der Gänstorbrücke sind die Schäden besonders sichtbar. Wasser ist ins Gemäuer eingedrungen. Der Stahl ist zerfressen vom Rost. Nach Aussage von Andrea Röhrer muss es einen Neubau geben, der die marode Brücke ersetzen soll.

"Hier sind wir tatsächlich in einem Zustandsbereich, wo man handeln muss. In den Sommerferien ist es vorgesehen, dass wir hier bauen."

Andrea Röhrer am Blaubeurer Tor (Foto: SWR)
Andrea Röhrer, Leiterin Sachgebiet Ingenieurbau Ulm - sie ist die Expertin für die Brücken in Ulm.

Ein grundsätzliches Problem sei die Bauweise. Viele Brücken seien zwischen 60 und 70 Jahre alt. Korrosion, Durchfeuchtung, der Chlorid-Eintrag durch Streusalz, aber auch die Verkehrsbelastung, die enorm zugenommen habe - das alles habe zu der aktuellen Situation beigetragen. 

Die Gänstorbrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm ist da nur ein Beispiel. Inzwischen wurden aus vier Spuren zwei. Dadurch wird verhindert, dass Lastwagen über die Donaubrücke fahren. Denn die Brücke hält schweren Fahrzeugen nicht mehr Stand. Die neue Brücke soll 2026 sie fertig sein. Der Umbau am Blaubeurer Tor ist bis 2030 geplant - pünktlich zur Landesgartenschau in Ulm.

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