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Immer mehr Unternehmen melden Durchbrüche bei Corona-Impfstoffen. Gesundheitsminister Spahn (CDU) peilt erste Impfungen bereits im Dezember an. Doch der Ulmer Virologe und RKI-Experte Thomas Mertens warnt vor einem Schnellschuss.

SWR: Herr Mertens, die Rede ist derzeit immer wieder von einer "Notzulassung" - das klingt in den Ohren eines Laien, als sei es riskant, dann so ein Medikament verabreicht zu bekommen. Wie sicher ist das für mich?

Thomas Mertens: "Notzulassung" bezieht sich eigentlich auf die Zeit und weniger auf die Qualität der Prüfung. Auch bei einer sogenannten Notzulassung müssen Unterlagen eingereicht werden. Jetzt im Augenblick geht es ja vor allen Dingen um die amerikanische Zulassungsbehörde. Und die müssen die gesamten Unterlagen zu den jetzt laufenden Phase-drei-Studien sehen. Und sie werden auf der Basis dieser Ergebnisse aus den Phase-drei-Studien entscheiden, ob eine solche Zulassung jetzt möglich ist oder nicht. Es geht also letztlich um ein beschleunigtes Verfahren. Die Impfstoffe müssen natürlich geprüft sein.

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Die Impfstoffe, von denen im Moment geredet wird, die versprechen eine Wirksamkeit von über 90 Prozent. Ein weiterer kam heute noch mal in den Medien hoch. Dieser hat rechnerisch eine Wirksamkeit von 70 Prozent. Reicht das?

Ja, 70 Prozent sind eigentlich auch schon ganz ordentlich. Außerdem sollte man die jetzt scheinbar großen Unterschiede nicht überschätzen. Sie müssen bedenken, dass alle diese Angaben eine Hochrechnung aus relativ kleinen Zahlen darstellen. Und insofern würde ich glauben, dass man für die Wirksamkeit - um die zu berechnen - noch eine ganze Weile braucht. Letztendlich geht es auch um die Erfahrungen, die man aus den Impfkampagnen gewinnen kann. Zusammengefasst würde ich die Zahlen im Augenblick auch nicht überschätzen hinsichtlich der Unterschiede, die sie scheinbar darstellen.

Sie haben ja bisher immer die Erwartungen an eine Impfung gedämpft. Hat sich da Ihre Meinung inzwischen geändert, jetzt, wo Sie mehr Einblick haben in die verschiedenen Daten?

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Es ging um die ungeheure Beschleunigung, die die Diskussion erfahren hat. Dass ein Impfstoff die einzige Lösung ist, ein Problem mit einer Infektionskrankheit wirklich lösen zu können, daran habe ich am allerwenigsten gezweifelt. Ich habe nicht an der Tatsache der Impfung gezweifelt, sondern ich habe versucht zu vermitteln, dass ich es für ungünstig halte, wenn man die Dinge allzu sehr beschleunigt.

Im Moment werden ja mehrere Impfstoffe entwickelt. Gerade wenn man dann bei dem Schritt ist, dass man so weit ist, die allgemeine Bevölkerung zu impfen, kann ich dann als normaler Patient erfahren, welchen Impfstoff ich verabreicht bekomme? Oder habe ich sogar vielleicht eine Wahl aus den verschiedenen Impfstoffen, die es dann wahrscheinlich auf dem Markt gibt?

Erfahren müssen Sie das, daran kann kein Zweifel bestehen. Die Auswahlmöglichkeit wie im Geschäft, dass Sie sagen können: Ich möchte lieber diesen oder jenen Artikel, das werden Sie wohl nicht haben. Das wird sich gar nicht einrichten lassen. Außerdem ist es ja auch wichtig, dass man die Impfstoffe aufgrund ihrer Charakteristika zuteilt. Viel wichtiger ist es, dass wir genau wissen, welcher Impfstoff zum Beispiel in welcher Altersgruppe die beste Wirkung zeigt. Dann sollte natürlich die entsprechende Altersgruppe auch diesen Impfstoff erhalten.

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