40.000 Euro Preisgeld für weitere Forschung

Krebsforschung: Ulmer Uni-Mediziner erhält Tierschutzpreis

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Der Ulmer Uni-Mediziner Dr. Michael Melzer ist mit einem Tierschutzpreis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet worden. Er erforscht Bauchspeicheldrüsenkrebs ohne Tierversuche.

Dr. Michael Melzer arbeitet als Assistenzarzt an der Klinik für Urologie und Kinderurologie des Universitätsklinikums Ulm. Außerdem forscht der 28-Jährige im Bereich Bauchspeicheldrüsen-Krebs, und zwar am Institut für Molekulare Onkologie und Stammzellbiologie der Universität. Er geht der Frage nach, wie Bauchspeicheldrüsen-Krebs entsteht. Dabei verwendet er stammzellbasierte Modelle, mit denen sich die Tumorbildung nachvollziehen lässt. Unter anderem kommen dabei Versuchsmäuse zum Einsatz, denen Krebsvorläuferzellen eingepflanzt werden.

Dr. Michael Melzer wurde der Ursula M. Händel-Tierschutzpreis verliehen (Foto: Pressestelle, Universität Ulm, Foto: Peter Leßmann, Uni Münster)
Dr. Michael Melzer (Mitte) wurde beim Tierschutztag in Münster der Ursula M. Händel-Tierschutzpreis durch Prof. Brigitte Vollmar und Prof. Axel A. Brakhage verliehen. Pressestelle Universität Ulm, Foto: Peter Leßmann, Uni Münster

Als Alternative zu Tierexperimenten und der Verwendung von Basalmembranmatrizes, für deren Herstellung Mäuse verwendet werden, arbeitet der Ulmer Uni-Mediziner mit einem Organkulturmodell aus Schweineharnblasen. Diese stünden als Beiprodukt der Fleischverarbeitung in ausreichendem Maße zur Verfügung, teilte die Universität Ulm weiter mit. Melzer hat demnach bereits zeigen können, dass sich der tierversuchsfreie Ersatz für die Krebsforschung eignet: Bauchspeicheldrüsenkrebs-Organoide, also eine Art Mini-Tumoren im Reagenzglas, wachsen problemlos auf einer Schweineharnblase an. Damit entwickelte der Ullmer Wissenschaftler ein Modellsystem für Bauchspeicheldrüsenkrebs, das Tierversuche an Mäusen reduziert und ersetzt.

"Tierschutz ist mir eine Herzensangelegenheit. In der Entwicklung meines Modells verbindet sich Tierschutz mit technischer Innovation."

Mit dem Preisgeld tierexperimentierfreie Forschung weiter vorantreiben

Mit dem Preisgeld von 40.000 Euro möchte Michael Melzer seine Forschung zu tierexperimentfreien Alternativen weiter vorantreiben: "Das Modell soll weiterentwickelt und auch für andere Tumorarten und stammzellbasierte Systeme eingesetzt werden", so Melzer. Zudem würden Innovationen wie zum Beispiel Bioprinting, also 3D-Druck mit organischen Substanzen, eine Rolle spielen.

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