"Kein Vergeben- kein Vergessen" -unter diesem Motto hatte in Ulm ein Bündnis zur Gedenkveranstaltung an den Hanau-Anschlag aufgerufen. (Foto: SWR, Walter Notz)

Ulm

Gedenken in Ulm an Opfer des Hanau-Anschlags

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"Kein Vergeben, kein Vergessen" - unter diesem Aufruf haben am Samstag in Ulm rund 300 Menschen eine lückenlose Aufklärung des Anschlag von Hanau vor zwei Jahren gefordert.

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Ein Bündnis von Gewerkschaften, Jugendorganisationen bis zu türkischen Verbänden hatte zu der Kundgebung am Samstagnachmittag aufgerufen. Auf dem Münsterplatz wurden zunächst die Namen der Anschlagsopfer verlesen, dann zog der Demonstrationszug durch die Ulmer Innenstadt.

Demo gegem Rassismus und die Einzeltäter-Theorie

Die Demonstranten forderten nach dem offiziellen Ende des Ermittlungsverfahrens eine weitere Aufklärung der Ursachen solcher Anschläge. Die Theorie von einem Einzeltäter könne nicht aufrecht erhalten werden. Es gebe Mittäter, auch in der Politik und in Behörden, die durch Schüren von Rassismus oder Fehlverhalten solche Taten befördern, hieß es. Ähnlich wie bei den NSU-Morden seien auch beim Anschlag von Hanau noch viele Fragen offen, erklärte Duran Enhas von der türkischen Arbeitervereinigung DIDF in Ulm.

Rund 300 Menschen beteiligten sich in Ulm an der Kundgebung zur Erinnerung an den rechsextremen Anschlag in Hanau vor zwei Jahren. (Foto: SWR, Walter Notz)
Rund 300 Menschen beteiligten sich in Ulm an der Kundgebung zur Erinnerung an den rechsextremen Anschlag in Hanau vor zwei Jahren. Walter Notz

Psychisch-kranker Rechtsextremist tötete neun Menschen

Am 19.Februar 2020 hatte ein 43-jähriger psychisch-kranker Rechtsextremist in Hanau (Hessen) in und vor einer Shisha-Bar, einer weiteren Bar und einem Kiosk neun Menschen mit Migrationshintergrund erschossen. Danach tötete der Rechtsextremist seine Mutter und nahm sich selbst das Leben. Mit der Aufarbeitung der Tat befasst sich derzeit ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss des hessischen Landtags, der vor allem der Frage nachgeht, ob es vor, während oder nach dem Anschlag zu einem Behördenversagen kam. So soll das in der Tatnacht eingesetzte Spezialeinsatzkommando der Polizei zum Teil aus rechtsextremistisch-gesinnten Beamten bestanden haben.

Gedenken auch in Schwäbisch Gmünd

In Schwäbisch Gmünd hatte die islamische Gemeinschaft IGMG schon beim Freitagsgebet an die Opfer des Anschlags in Hanau erinnert. Dabei verurteilten die Gläubigen jede Form von Rassismus und Hetze. Bundesweit gab es am Samstag Gedenkveranstaltungen. An der zentralen Gedenkfeier auf dem Zentralfriedhof in Hanau nahm auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) teil. "Dieser Anschlag kam nicht aus dem Nichts", so Faeser. Nährboden sei "ein Klima der Menschenverachtung, das gewaltbereite Extremisten anstachelt und im schlimmsten Fall zur Tat schreiten lässt".

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