Ein Mann auf einer OP-Liege: Aneurysma-Patient Kurt Teutschbein wird im OP-Saal auf die schwere Gehirnoperation vorbereitet (Foto: SWR, Verena Hussong)

Aneurysma-Patient zieht Bilanz

Schwere Gehirn-OP: Warum das Jahr 2021 für einen Ulmer ein Gutes war

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Verena Hussong/Christine Jahnke

Der Ulmer Kurt Teutschbein hatte ein Aneurysma im Kopf, das jederzeit platzen konnte. Nach einer schweren Gehirnoperation ist er geheilt - und kann dem Ganzen etwas Postives abgewinnen.

Das Jahr 2021 war ein richtig gutes Jahr - das werden wohl nicht ganz so viele Menschen in der Region sagen. Viele drücken Corona-Sorgen oder wirtschaftliche Nöte. Doch in Ulm gibt es einen jungen Mann, der sehr zufrieden auf dieses und auch auf das nächste Jahr schaut: Er hat 2021 am Uniklinikum Ulm eine schwere Gehirnoperation überstanden und muss nun keine Angst mehr haben, an einem Aneurysma, also einem erweiterten und geplatzten Blutgefäß im Kopf, zu sterben.

Kurt Teutschbein sitzt mittlerweile wieder an Fitnessgeräten, stemmt mit den Beinen 170 Kilo schwere Gewichte in die Höhe und freut sich: Darüber, dass er wenige Wochen nach seiner schweren Gehirnoperation endlich wieder trainieren darf und zwar in genau dem Neu-Ulmer Studio, in dem er selbst auch Trainer ist. "Es ist megaschön", berichtet er. "Ich muss natürlich gucken, dass ich keinen Druck auf den Kopf bekomme." Dabei helfe die Atmung, auf keinen Fall dürfe er pressen. Der 25-jährige Mann hat Geduld: "Ich baue das jetzt langsam auf. Ich habe es ja nicht eilig. Gesundheit geht vor."

Ein Mann trainiert an Fitness-Geräten - Aneurysma-Patient Kurt Teutschbein kann nach seiner Gehirn-OP schon wieder trainieren. (Foto: SWR, Verena Hussong)
Kurt Teutschbein kann nach seiner schweren Gehirn-OP schon wieder trainieren und hat große Pläne für die Zukunft. Verena Hussong

Aneurysma-Patient: Vorbelastung durch Erbkrankheit der Mutter


Rückblick: Ende September räumte Kurt Teutschbein seinen Schrank im Patientenzimmer in der Universitätsklinik Ulm ein. Im Kopf des 25-Jährigen steckt eine tickende Zeitbombe - ein Aneurysma. Diese Aussackung eines Blutgefäßes kann jederzeit platzen und ausbluten, mit dramatischen Folgen, der Patient könnte einen Schlaganfall erleiden oder sterben. Kurt Teutschbein ist durch eine Erbkrankheit seiner Mutter vorbelastet. Sie sitzt seit 23 Jahren im Rollstuhl.

"Für mich war von Anfang an klar, dass ich es operieren lasse, wenn ich es habe."

Nervös ist er trotzdem: "Ich bin natürlich ein bisschen aufgeregt, aber ich bin hier unter Profis, also wenn etwas sein sollte, ist man da am besten aufgehoben."

Auf dem Schädel eines Mannes werden mit einem Filzstift Markierungen für eine Gehirn-Op gesetzt - Aneurysma-Patient Kurt Teutschbein wird für die Gehirnoperation vorbereitet (Foto: SWR, Verena Hussong)
Aneurysma-Patient KurtTeutschbein wird für die Gehirnoperation vorbereitet. Verena Hussong

Gehirnoperation: Titanclip im Gehirn soll Aneurysma ausschalten

15 Stunden später, im OP 12 der Uniklinik Ulm. Kurt Teutschbein liegt in Narkose. Der Neurochirurg Thomas Kapapa hat seinen Schädel geöffnet und sich ganz langsam vorgearbeitet zum Aneurysma. Ein kleiner Titanclip soll die Gefäßaussackung verschließen. Das Setzen dieses Clips ist ein heikler Moment, doch es gelingt. Das Aneurysma kann nun nicht mehr platzen. Es war ein fieses Aneurysma, findet Professor Thomas Kapapa nach drei Stunden OP: "Weil die Oberfläche des Aneurysmas nicht ganz glatt war, sondern sie war gewölbt und auf der Oberfläche saßen noch Tochteraneurysmen."

Ein Arzt mit Mundschutz und Haube steht an einem OP-Gerät - Neurochirurg Kapapa bei einer schweren Gehirnoperation (Foto: SWR, Verena Hussong)
Gehirn-OP bei Aneurysma-Patient Kurt Teutschbein: Neurochirurg Thomas Kapapa von der Uniklinik Ulm beim Eingriff. Verena Hussong

"Wir wissen, dass solche Aneurysmen dazu neigen, irgendwann zu platzen."

Optimistisch nach Gehirn-OP: Kurt Teutschbein will 2022 Abitur nachholen

Kurt Teutschbein geht nach der Operation in eine Reha. Muss aber Anfang November noch einmal nach einem epileptischen Anfall in die Uniklinik. Im Kopf des 25-Jährigen hatte sich über Wochen Blut gesammelt und Druck ausgeübt. Eine Drainage schafft Abhilfe. Seinen Optimismus hat Kurt Teutschbein dadurch nicht verloren, ganz im Gegenteil, er fühlt sich richtig wohl und hat große Pläne für 2022: Er will sein Abitur nachholen.

"Man merkt halt einfach, dass man sich Wege freischlagen kann, wenn man den Mut hat, um diese Wege zu gehen."

Und auch wenn ein Weg mal nicht funktioniere, bedeute das ja nicht, dass das Ziel weg sei, sondern, dass man sich halt einfach einen neuen Weg dorthin suchen müsse. Für sich hofft er, dass das Kapitel Aneurysma nun abgeschlossen ist - dennoch: Er würde jederzeit wieder so handeln.

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