Ein Zettel mit einem blau-gelben Herzen und Herzlich Willkommen: für Flüchtlinge aus der Ukraine in Ulm (Foto: SWR, Sarah Umla)

Zwischen Traumata und Ankommen

Ukrainische Flüchtlinge in Ulm: Was sie beschäftigt und wo sie Hilfe brauchen

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Sarah Umla
Sarah Umla (Foto: SWR)

In einer Ulmer Gaststätte konnten am Freitag Geflüchtete aus der Ukraine mit Einheimischen ins Gespräch kommen. Sie erzählten, was sie bewegt und wo sie Hilfe benötigen. Eine Momentaufnahme:

Ein weißer Zettel mit einem blau-gelben Herzen hängt am Eingang einer Gaststätte in der Friedrichsau in Ulm. "Herzlich Willkommen" steht in deutsch und in ukrainisch unter dem Herz. An diesem Freitag tauschen sich hier Geflüchtete mit Einheimischen aus - und zwar über alles, was sie bewegt und wo sie Hilfe benötigen.

In der Gaststätte in Ulm waren viele Menschen gekommen. (Foto: SWR, Sarah Umla)
Die Gaststätte in Ulm war zum Austausch mit den Flüchtlingen aus der Ukraine gut gefüllt.

Eigentlich hat die ukrainische Gemeinde Neu-Ulm einen hinteren Bereich für das Treffen reserviert. Doch binnen einer halben Stunde ist die gesamte Gaststätte voll. Jeder Stuhl ist besetzt. Zwischen den Tischen stehen Menschen. Es ist verdammt eng. Fast 300 Gäste sind da. Fast alle tragen Namensschilder. Manche haben eine rote oder blaue Schleife um den Arm gebunden. Blau steht für Helfer, Rot für Übersetzer.

Betreuung von Flüchtlingen

Viele, die da sind, wollen einfach nur helfen. Unter ihnen ist Violetta Matichyn. Sie gehört zur ukrainischen Gemeinde in Neu-Ulm. Matichyn stammt selbst aus der Ukraine, hat viele Freunde noch vor Ort - etwa in der stark umkämpften Stadt Charkiw. Für sie war von Anfang an klar, dass sie helfen muss. "In der ersten Woche habe ich nur zwei Stunden pro Nacht geschlafen", erzählt sie. Mit anderen Mitgliedern der ukrainischen Gemeinde habe sie Hilfskonvois in die Ukraine organisiert. Jetzt kümmert sie sich um die Betreuung von Geflüchteten und eben darum, dass diese sich austauschen können.

"Vor allem für die Ukrainer ist es wichtig, sich auszutauschen. Für mich wurde deutlich, dass es zur Traumabewältigung gehört, angehört zu werden und diese dramatischen Erlebnisse schildern zu dürfen."

Die Stimmung ist schwierig. Nur wenige der Geflüchteten wollen ihre Geschichte teilen. Sie brauchen wohl noch Zeit, bis sie über das Erlebte sprechen können. Die Blicke sind teilweise scheu, teilweise neugierig, aber oft in sich gekehrt. Eine junge Mutter erklärt sich bereit, ihre Geschichte zu erzählen. Julia Krochak stammt aus Winnyzja. Als der Krieg ausbrach, war sie gerade in Polen. Ihr Kinder waren in der Ukraine. Sie mussten allein mit einer Freundin fliehen. "Es war sehr schwierig", erzählt sie. Krochak ist dankbar, dass sie sich nun in Deutschland befindet. Solche Treffen helfen, sich zu orientieren. Sie sei ohnehin überwältigt, mit wie viel Wärme die Ehrenamtlichen den Geflüchteten begegneten. "Ich bin unfassbar dankbar, dass die Kinder in Frieden schlafen können", sagt sie.

Eine  junge Frau, die aus der Ukraine nach Ulm geflüchtet ist, sitzt auf einem Stuhl.  (Foto: SWR, Sarah Umla)
Kristiana ist wegen des Krieges von Lviw nach Ulm geflüchtet.

Nur ein paar Meter weiter im Biergarten der Gaststätte sitzt Kristiana. Die 23-Jährige stammt aus Lviw. Sie wirkt sehr ruhig, aber auch traurig. Kristiana ist mit ihrer Familie nach Deutschland geflohen. Sechs Tage haben sie dafür gebraucht. Die Flucht sei kompliziert gewesen. Im überfüllten Zug ging es von Lviw über Krakau, Warschau, Berlin, München bis nach Ulm. "Es war unklar, wie es weitergehen soll", schildert die Ukrainerin. Eine Freundin der Mutter wohnt in Ulm. Hier haben sie auf Hilfe gehofft und bereits viel Unterstützung erfahren dürfen. "Die Unterstützung zeigt, dass man in dieser Situation nicht alleine ist", sagt sie. Kristiana fühlt sich wohl in Ulm, hofft, dass ihr Medizinstudium hier anerkannt wird und sie neu in Frieden beginnen kann.

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