Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wollen in UIm und Neu-Ulm über einen gemeinsamen Weg beim Thema Wasserstoff sprechen (Archivbild). (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Sven Hoppe (Archivbild))

Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft

Söder und Kretschmann kündigen in Neu-Ulm Wasserstoff-Allianz an

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Die Ministerpräsidenten Kretschmann und Söder haben am Montag im Neu-Ulm die Gründung einer Wasserstoff-Allianz angekündigt. Auch politisch rücken sie enger zusammen.

Kretschmann und Söder einig gegenüber Ampelkoalition
Wasserstoff-Allianz - engere Zusammenarbeit geplant
Brennstoffzelle für große Lastwagen
Baden-Württemberg will mit Wasserstoff-Technologie an die Spitze
Brennstoffzellen sollen günstiger werden
Forderung nach einer Pipeline

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Baden-Württemberg und Bayern dringen darauf, dass der Süden Deutschlands bei den Planungen für ein Wasserstoffnetz nicht abgehängt wird. Beide Bundesländer setzen auf Wasserstoff als nachhaltigen Energieträger der Zukunft. Auch bei anderen Fragen bekannten sich beide Länder zur sogenannten Südschiene.

Kretschmann und Söder einig gegenüber Ampelkoalition

Beim Treffen mit seinem bayerischen Amtskollegen Markus Söder (CSU) in Neu-Ulm sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), im Bund und den anderen Ländern dürfe nicht der Eindruck entstehen: "Wir sind reich und uns kann man einfach nur schröpfen. Die Mentalität ist weit verbreitet."

Bei den geplanten Entlastungen wegen der sprunghaft gestiegenen Energiepreise warnten Kretschmann und Söder die Ampel aus SPD, Grünen und FDP vor Entscheidungen auf Kosten der Länder. "Wir werden nur Dingen zustimmen, die nachhaltig durchgerechnet und finanziert sind", sagte der Grünen-Politiker.

Wasserstoff-Allianz - engere Zusammenarbeit geplant

Die beiden Länderchefs kündigten am Montag in Neu-Ulm die Gründung einer Wasserstoff-Allianz an. Dies markiere einen Meilenstein in der Zusammenarbeit beider Bundesländer, erklärte der baden-württembergische Ministerpräsident.

Wasserstoff müsse da ankommen, wo er besonders gebraucht werde. Der Bedarf werde rasant wachsen. Wasserstoff gelte als das zentrale Element der globalen Energiewende, sagte Kretschmann im Anschluss an eine Besichtigung im Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) in Ulm.

Gemeinsame Wasserstoffstrategie: Die Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und Markus Söder besuchen das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung (ZSW) in Ulm. (Foto: SWR, Christian Hammer)
Die Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und Markus Söder haben sich am Montag am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung (ZSW) in Ulm zu Gesprächen getroffen. Christian Hammer

Ziel der Allianz sei, Kräfte gemeinsam zu bündeln, hieß es weiter. Beim Wasserstoff müsse man heute schon die entscheidenden Weichen stellen.

"Wir werden die Förderaktivitäten verschränken. Unsere beiden Wasserstoff-Cluster H2 Bayern und H2 Baden-Württemberg mit ihren Partnern werden wir vernetzen."

Brennstoffzelle für große Lastwagen

Mit Wasserstoff können beispielsweise Züge, Busse und Lastwagen angetrieben werden, die nur schwer auf Elektroantrieb umzustellen sind. Die Energie lässt sich speichern und über Pipelines transportieren.

Ein Wasserstoff-Lkw könne sehr weit fahren, er schaffe bis zu 1.000 Kilometer und könne dann in zehn Minuten betankt werden, erklärte ZSW-Vorstand Professor Markus Hölzle. Bei Batterien gebe es dagegen ein Problem mit Gewicht und Reichweite. Große Lastwagen auf großen Strecken - die Brennstoffzelle sei da die bessere Lösung, so Hölzle.

Baden-Württemberg will mit Wasserstoff-Technologie an die Spitze

Die baden-württembergische Landesregierung hat es sich zum Ziel gesetzt, in der Wasserstoff-Technologie einen Platz auf dem Weltmarkt einzunehmen. So soll nicht nur das Klima geschützt werden, sondern es sollen auch Arbeitsplätze entstehen.

Will man aber grünen Wasserstoff erzeugen, braucht man grünen Strom. Genau das sei das Problem, erklärte ZSW-Vorstandsmitglied Professor Markus Hölzle am Montag (Audio). Denn Wasserstoff werde aus Wasser mittels Elektrolyse hergestellt, dazu werde Strom benötigt.

ZSW-Chef Markus Hölzle zur Sorge, dass Süddeutschland abgehängt werden könnte:

30 Jahre lang sei Strom aus Kernkraft gewonnen worden, so Hölzle. Atomkraftwerke werden jetzt planmäßig abgeschaltet. Das bedeute, es gebe zu wenig Strom, um ausreichend Wasserstoff herzustellen.

Brennstoffzellen sollen günstiger werden

Die Forschungsfabrik für Wasserstoff und Brennstoffzellen, kurz HyFaB, des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung in Ulm wird vom Land Baden-Württemberg bereits seit 2019 gefördert.

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Dort wird daran gearbeitet, Brennstoffzellen für den Antrieb mit Wasserstoff industriell und damit deutlich günstiger zu produzieren. Bisher gibt es nur wenige Fahrzeuge mit Wasserstoff-Antrieb auf dem Markt und die sind zudem vergleichsweise teuer.

Forderung nach einer Pipeline

Politiker in der Region Ulm/Neu-Ulm hatten vor dem Treffen der Ministerpräsidenten eine Anbindung der Region an eine Wasserstoff-Pipeline gefordert. Das geht aus einem gemeinsamen Schreiben hervor, das die Landräte der Kreise Neu-Ulm und Alb-Donau, Thorsten Freudenberger (CSU) und Heiner Scheffold (parteilos), und die Stadtoberhäupter von Ulm und Neu-Ulm, Gunter Czisch (CDU) und Katrin Albsteiger (CSU), veröffentlichten.

Sie schlagen vor, Erdgasleitungen für Wasserstoff zu nutzen oder eine neue Leitung entlang der A8 zu bauen. Wasserstoff sei ein Entwicklungsmotor für die Region. Er gilt als klimafreundliche Energiealternative zu Kohle, Öl und Erdgas in Industrie und Verkehr. Die Produktion von grünem Wasserstoff ist aber derzeit noch teurer im Vergleich zu fossilen Energieträgern und es gibt kaum Leitungen für die Einfuhr.

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