Winterschlussverkauf in Corona-Zeiten (Foto: SWR, Frank Polifke)

Coronavirus und der Einzelhandel

Wie ein Textilhändler aus Aalen unter dem Lockdown leidet

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Wegen des Lockdowns bleiben viele Einzelhändler auf ihren Waren sitzen. Einer von ihnen ist Claus Albrecht. Bei dem Herrenausstatter aus Aalen stapelt sich die Winterware immer noch im Lager.

"Erschrecken Sie nicht", warnt Claus Albrecht. Der Seniorchef des Herrenausstatters Saturn in Aalen führt durch sein Sortiment. "Sie sehen hier Winterware ohne Ende", sagt er. Und tatsächlich - das Untergeschoss quillt über vor flauschigen Hemden, Jacken und warmen Wintersakkos. Und das ist nicht alles. Auch im Lager sieht es nicht anders aus. Auf Kleiderständern hängen immer noch Winterjacken und Kartons mit Waren stapeln sich meterhoch.

Frühjahrskollektion braucht auch Platz

Die Waren seien fast unberührt, erzählt Albrecht , "weil niemand einen Bedarf hat in diese Richtung und weil wir nicht offen haben." Und nicht nur auf der Winterware bleibt der Herrenausstatter sitzen. In den Regalen im Verkaufsraum liegt auch schon die Frühjahrskollektion bereit. Und die braucht eigentlich noch mehr Platz. Doch wohin mit den warmen Pullis und Jacken?

Winterschlussverkauf in Corona-Zeiten (Foto: SWR, Frank Polfike)
Geschlossen: Der Herrenausstatter Saturn aus Aalen hat wie alle Textilhändler zurzeit wegen des Lockdowns geschlossen. Frank Polfike Bild in Detailansicht öffnen
Einiges an Ware wurde nicht mal vollständig ausgepackt und ist nahezu unberührt. Frank Polfike Bild in Detailansicht öffnen
Auf mehreren Stockwerken präsentiert der Herrenausstatter seine Kollektionen. Frank Polifke Bild in Detailansicht öffnen
Das Lager quillt vor Winterware über, zeigt Seniorchef Claus Albrecht. Frank Polifke Bild in Detailansicht öffnen
Diese Kleidung hat es nicht mal aus den Kartons geschafft. Meterhoch stapelt sich die Ware. Frank Polifke Bild in Detailansicht öffnen
Claus Albrecht zeigt, es ist kaum noch Platz im Lager: Alles voll mit Kisten und Kleidungsständern. Frank Polifke Bild in Detailansicht öffnen
Etliche Anoraks und Jacken hat er vorrätig. Ware, die wegen Corona nicht verkauft werden konnte. Frank Polifke Bild in Detailansicht öffnen

Einen Schlussverkauf wird es nicht geben. Ein Aufkäufer wird ihm die Winterware wahrscheinlich für "einen Appel und Ei" abnehmen, sagt Albrecht. "Wenn Sie für ein Produkt 100 Euro Einkaufspreis bezahlt haben, dann gibt Ihnen der Aufkäufer vielleicht noch fünf oder zehn Euro", schildert er.

Herrenausstatter: Ausgaben und kaum Einnahmen

Platz ist dann zwar wieder da, aber der ist nur ein Teil des Problems. Denn die Bekleidungshäuser finanzieren die Frühjahrskollektionen vor und zwar mit dem Geld, das sie eigentlich mit der Herbst- und Winterware verdient haben. Doch das fehlt.

Allein beim Winterwaren-Umsatz fehlt dem Herrenausstatter 40 Prozent. Die Frühjahrsware wurde aber vor einem Jahr bestellt und muss jetzt bezahlt werden. Albrecht spricht von einem Dominoeffekt: "Wenn unsere Kreditlinien zu Ende sind, dann haben wir keine Chance, überhaupt die Rechnungen zu bezahlen. Was zum Ergebnis führt, dass es der Industrie genauso an den Kragen geht."

Corona-Hilfen für den Einzelhandel

Die Regierung hat dem Handel Hilfen zugesagt. Wann diese kommen und wie diese aussehen, sei aber noch unklar. Claus Albrecht hat nachgerechnet und ein Modell entwickelt: Nach Abzug verschiedener Posten wäre eine Überbrückungshilfe von 24 Prozent des Inventurwerts von Ende Dezember notwendig. Bei Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) liegt Albrechts Vorschlag schon auf dem Tisch. Eine Antwort sei bisher noch nicht gekommen, sagt er.

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