Sven Plöger spricht über Nachhaltigkeit und Klimawandel (Foto: SWR)

Klimawandel und Unwetter

Ulmer Wetterexperte Sven Plöger: Was die Alpen für unser Klima bedeuten

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Carola Kührig
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Sarah Umla
Sarah Umla (Foto: SWR)

Die Auswirkungen des Klimawandels werden von Jahr zu Jahr deutlicher und extremer - vor allem in den Alpen. Wieso das so ist, erläutert der Ulmer Wetterexperte Sven Plöger im Interview.

SWR: Am Marmolata-Gletscher in den Dolomiten hat vor gut einer Woche eine Lawine elf Menschen in den Tod gerissen. Der Gletscher war abgebrochen, mehr als zehn Grad hatte es an jenem Tag in diesem Teil der Alpen. Es war dort um diese Jahreszeit so warm wie noch nie. Herr Plöger, war diese Katastrophe vorhersehbar?

Sven Plöger: Vorhersehen wird schwer sein, aber man muss sich dessen bewusst sein, dass diese Dinge immer mehr passieren. Dass man noch mehr darauf aufmerksam macht, dass bei entsprechenden Temperaturen das Gehen dort grundsätzlich gefährlich ist. Das sind, glaube ich, die Dinge, die man tun muss. Wir werden in Zukunft mehrere dieser Unglücke erleben. Das ist sehr, sehr sicher, würde ich behaupten.

Die Berge, zumal die Alpen, haben großen Einfluss auf das Wetter. Ihr Buch, das vor kurzem erschienen ist, heißt "Die Alpen und wie sie unser Wetter beeinflussen". Nun kennen wir hier in der Region beispielsweise Föhnwind oder auch Saharastaub. Was ist denn aus dieser Wetterküche Alpen noch zu erwarten?

Die Wetterküche Alpen gibt es, und wir haben damit zu tun, dass die Alpen sich übermäßig erwärmt haben. Wenn man beispielsweise von Ulm aus zum Nordpol wandert, dann legt man etwa 5.000 Kilometer zurück und durchquert dabei sämtliche Vegetationszonen: Laubwald, die Tundra und irgendwann ist man dann im Eis. Und wenn man diese 5.000 Kilometer jetzt senkrecht stellt und macht aus 5.000 Kilometern 5.000 Meter, dann hat man im Prinzip die Alpen. Die Alpen ragen nochmal heraus in Sachen Erwärmung und dieses extremere Wetter. Das führt dann zu diesen schrecklichen Ereignissen, wie wir das jetzt mit diesem Eissturz am Marmolata-Gletscher gesehen haben. Ein zeitlich eigentlich sehr langsamer Prozess wie der Klimawandel kann plötzlich zu einem schlagartigen Unglück mit Todesfällen führen. Und das schockiert uns.

Und sind diese Veränderungen schon nicht mehr naturgemäße Auswirkungen, sondern eher menschengemachter Klimawandel aus ihrer Sicht?

Man kann ganz klar sagen: Ja. Natürlich hat sich das Klima dieser Welt immer schon geändert. Das ist ja nichts Neues, aber die Geschwindigkeit dieser Änderung, das, was früher Jahrtausende oder Jahrzehntausende benötigte, das passiert jetzt in 20 bis 30 Jahren. Wir stehen vor einer riesigen Herausforderung. Ich glaube, wir müssen aus dem Klimaschutz ein Jahrhundertgeschäft machen. Wir müssen im Prinzip die Marktwirtschaft ertüchtigen, dass sie auf ihrem sozialen und ökonomischen Auge nicht mehr blind ist. Wir müssen es doch schaffen, dass die Rahmenbedingungen so sind, dass jemand, der die Umwelt verschmutzt, nicht reicher werden kann als jemand, der sie sauber hält.

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