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Wenn es Probleme im Schulalltag gibt, vertrauen sich Schüler am liebsten Schülern an. Am Lessing-Gymnasium in Neu-Ulm ist seit drei Jahren eine Streitschlichtergruppe im Einsatz.

Bereits 26 Schülerinnen und Schüler haben sich inzwischen bei Andrea Rausch in einer Schul-AG dafür ein ganzes Schuljahr lang ausbilden lassen und helfen dort, wo es Differenzen gibt. "Und die gibt es im Schulalltag immer wieder", erzählt die Gymnasiallehrerin. "Kinder haben Probleme untereinander, sie haben auch Probleme mit Lehrern und da sind die Streitschlichter sehr hilfreich, weil sich Schüler eher Schülern anvertrauen, man geht auf Augenhöhe ganz anders miteinander um."

Konfliktlösung im Rollenspiel

"Das Wichtigste ist, sich erstmal auszusprechen”, erzählen Yasmin Kamaci und Sarah Danci. Die beiden Elftklässlerinnen haben schon häufig Betroffene in Streitsituationen an einen Tisch gebracht und eine Aussprache arrangiert, bei der sie selbst dabei waren. Wie man so ein Gespräch begleiten kann, haben sie vor allem in Rollenspielen gelernt, in denen ihnen eine Streitsituation vorgegeben wurde. "Natürlich gibt es am Anfang auch ein bisschen Theorie zur Streitschlichtung, aber dann gehen wir schnell in die Praxis, damit die Schülerinnen und Schüler ihre Techniken als Mediatoren üben können, so Lehrerin Andrea Rausch, die sich am Religionspädagogischen Zentrum in Heilsbronn fortgebildet hat, um ihr Wissen an die Gruppe von Streitschlichtern weiterzugeben.

Das Lessing-Gymnasium in Neu-Ulm (Foto: SWR, Katja Stolle-Kranz)
Das Lessing-Gymnasium in Neu-Ulm Katja Stolle-Kranz

Dem anderen die Hand reichen

Ungelöste Differenzen Einzelner können manchmal das Miteinander einer ganzen Schulklasse belasten. "Es gab mal zwei, drei Mädchen, die haben sich sehr oft beleidigt. Wir konnten nicht mehr richtig Unterricht machen, weil das gestört hat. Dann ist die Lehrkraft auf uns zugekommen. Und wir das geklärt", berichtet Yasmin Kamaci. Den anderen verstehen, das ist das Ziel einer Streitschlichtung. Damit das klappt, gibt es dabei ein paar Regeln: "Niemand darf den anderen während der Aussprache beleidigen oder ihm ins Wort fallen", erklären die beiden Schülerinnen. Meistens komme es aber schnell zu einer Lösung, mit der beide Parteien gut leben können.

Das Angebot der Streitschlichter wird übrigens gerne angenommen. "Man muss ja nicht als Freunde auseinander gehen, aber es ist wichtig, eine Differenz aus der Welt zu schaffen. Dann geht es einem auf jeden Fall besser", da sind sich die beiden einig.

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