Xaver Fuchs war Bürger in Neuler, bis ihn die Nationalsozialisten ins KZ verschleppten und ermordeten. Zum Gedenken an NS-Opfer sind jetzt auch in Neuler Stolpersteine verlegt worden. (Foto: SWR, Frank Polifke)

Zum Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus

Stolpersteine gegen das Vergessen erstmals auch in Neuler

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Frank Polifke (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)
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Carola Kührig
Carola Kührig (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Seit Montag erinnern Stolpersteine in Neuler und Lauchheim an weitere Opfer der Nationalsozialisten. Es geht um Menschen, die verfolgt, deportiert und ermordet wurden.

Nationalsozialisten verschleppten und ermordeten auch Menschen aus Neuler und Lauchheim im Ostalbkreis. An die Opfer sollen Stolpersteine erinnern. Die Betonquader mit Messingplatten sind am Montag in den beiden Kommunen verlegt worden, in Neuler zum ersten Mal.

Denunziert in Neuler, von den Nazis ermordet

Xaver Fuchs hatte Witze über die Nationalsozialisten und Adolf Hitler gemacht. Er wurde denunziert, verhört und als psychisch krank eingestuft. Dann wurde er in eine Heilanstalt eingewiesen.

Xaver Fuchs war Bürger in Neuler, bis ihn die Nationalsozialisten ins KZ verschleppten und ermordeten. Ein Stolperstein vor der Kirche in Neuler soll an ihn erinnern. (Foto: SWR, Frank Polifke)
Xaver Fuchs war Bürger in Neuler, bis ihn die Nationalsozialisten ins KZ verschleppten und ermordeten. Ein Stolperstein vor der Kirche in Neuler soll an ihn erinnern. Frank Polifke

Was zunächst vermuten lässt, dass Fuchs damit gerettet gewesen wäre, erweist sich als Trugschluss: Der 39-jährige Mann aus Neuler wurde als sogenannter "Sicherungsverwahrter" ins Konzentrationslager Mauthausen in Österreich gebracht und starb nach wenigen Tagen.

Opfer des Euthanasieprogramms

An Xaver Fuchs erinnert seit Montag ein Stolperstein gleich neben der katholischen Kirche von Neuler. Unweit davon gibt es eine weitere Messingplatte zur Erinnerung an seinen Bruder Gottfried. Auch er wurde von den Nazis ermordet, in der Tötungsanstalt Grafeneck im Kreis Reutlingen.

Ein ähnliches Schicksal erlitten Menschen auch in anderen Orten. Christine Mayer beispielsweise hatte einst in Giengen (Kreis Heidenheim) in der Kirchgasse 5 gelebt. Im Jahr 1931 wiesen Ärzte die psychisch kranke Frau in die Heilanstalt Schussenried (Kreis Biberach) ein.

Am 20. Oktober 1940 wurde sie ebenfalls nach Grafeneck verlegt und noch am selben Tag ermordet, ebenso vier weitere Frauen und Männer aus Giengen. Die Nationalsozialisten ermordeten bei der sogenannten "Aktion T4" mehr als 70.000 körperlich, geistig und psychisch behinderte Menschen.

Altbürgermeister recherchiert Schicksal der Opfer aus Neuler

Neulers Altbürgermeister Manfred Fischer hat das Schicksal der Opfer des Nationalsozialismus aus seiner Stadt recherchiert und öffentlich gemacht. Schon während seiner 32-jährigen Amtszeit interessierte er sich für dieses dunkle Kapitel der Ortsgeschichte. Auf Zeitzeugen konnte Fischer jedoch kaum noch zurückgreifen.

Er hat tief in Archiven gewühlt und zehn Nazi-Opfer aus Neuler ausfindig gemacht. Für vier von ihnen hat der Kölner Künstler Gunter Demnig die ersten Stolpersteine in der Gemeinde verlegt. Er ist Initiator der europaweiten Aktion Stolpersteine und will auch in Neuler noch weitere verlegen.

Xaver Fuchs war Bürger in Neuler, bis ihn die Nationalsozialisten ins KZ verschleppten und ermordeten. Zum Gedenken an NS-Opfer sind jetzt auch in Neuler Stolpersteine verlegt worden. (Foto: SWR, Frank Polifke)
Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat auch die Stolpersteine in Neuler verlegt. Er ist Initiator der europaweiten Aktion. Frank Polifke

Stolpersteine gegen das Vergessen - Opfer tauchen in Familiengeschichte nicht auf

Nicht nur der Mangel an Zeitzeugen macht die Recherche schwierig. Auch Nachfahren können oftmals nicht weiterhelfen, denn in mancher Familie wurde über die Opfer der Nationalsozialisten nie gesprochen.

So hat auch Edeltraud Unger, geborene Fuchs und Großnichte von Gottfried und Xaver Fuchs, erst sehr spät von ihren beiden Großonkeln erfahren und zwar durch ihren Jahrgangskollegen Manfred Fischer. Sie wusste nicht, dass sie von den Nazis ermordet wurden und zunächst nicht einmal, dass es diese beiden Menschen, ihre Verwandten, gegeben hat. Verdrängt, vergessen. Die Stolpersteine wollen das nicht zulassen.

Aktion Stolpersteine und ihr Initiator

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