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Wie der Schneider von Ulm sollen sich Besucher auf dem Berblinger Turm fühlen. Frei, wankend - wie im Flug. Der wackelige Turm soll an den gescheiterten Flug des Schneiders von Ulm vor 250 Jahren erinnern.

20 Meter hoch soll der Turm in Form einer weiß-roten Wendeltreppe in den Himmel ragen. Direkt am Rand der Stadtmauer an der Donau.

Vor 250 Jahren ist von diesem Punkt der Schneider von Ulm mit seinen weiß-roten selbstgebauten Flügeln abgesprungen und in die Donau gestürzt. Dieses Bauwerk soll daran erinnern.

Würden sich die Ulmer aber überhaupt auf so einen wackeligen Turm trauen? Die Meinungen gehen auseinander. Das Spektrum reicht von: "auf keinen Fall" bis "interessant, das Gefühl des Schwebens mal zu erleben".

Und genau um dieses Gefühl geht es, sagt Baubürgermeister Tim von Winning. Die Höhe, das Wackeln und die schiefe Lage des Turms gehören zum Kunstwerk.

"Die Absicht ist, dass durch die Schrägstellung und durch das 'Über-die-Stadtmauer-Hinaustreten' eben tatsächlich so ein Gefühl von Schwindel und Unsicherheit stattfindet, um das Moment des Scheiterns nachvollziehbar zu machen."

Baubürgermeister Tim von Winning

Für die Sicherheit sorge ein Drehkreuz, das die Personenzahl auf dem Turm begrenzen soll. Maximal 30 dürfen hoch, so der Baubürgermeister. Neben der Sicherheit haben die Ulmer aber noch ein anderes Problem mit dem Turm.

"Das ist Geld kaputtgemacht, wo man es an anderer Stelle besser bräuchte." - "Mit dem Turm verbinde ich nicht den Schneider von Ulm" - "Eine Infotafel hätte gereicht" - "Ich finde es Quatsch, so viel Geld für diesen Turm auszugeben".

Stimmen von Ulmer Bürgerinnen und Bürgern
Historisches Gemäuer, freigelegt an einer Baustelle am Donauufer (Foto: SWR, Maren Haring)
Noch ist nur ein tiefes Loch zu sehen. Bald soll dort der schwankende Berblinger Turm errichtet werden - an jener Stelle, von der aus der Schneider von Ulm seinen legendär-tragischen Flugversuch über die Donau startete. Maren Haring

Ursprünglich waren für den Turm Kosten von 500.000 Euro geplant. Daraus wurden 750.000 Euro. Die Zusatzkosten kommen daher, dass Baustatiker die Kosten neu berechnen mussten, um die Stabilität zu garantieren. Für den Baubürgermeister sind die Kosten aber ein geringes Problem. Das werfe die Stadt nicht aus der Bahn. Von Winning ist sicher, dass der Turm schnell zum Stadtbild von Ulm gehören wird.

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