Eine Person wird zum vierten Mal mit dem Corona-Impfstoff geimpft (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg)

Kritik am Gesundheitsministerium

Ulmer STIKO-Chef widerspricht Lauterbachs Empfehlung zur vierten Corona-Impfung

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STIKO-Chef Thomas Mertens aus Ulm kritisiert die Impfempfehlung von Bundesgesundheitsminister Lauterbach (SPD). Er kenne keine Daten, die solch einen Ratschlag rechtfertigten.

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, hält nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" an der Empfehlung einer vierten Corona-Impfung für Menschen über 70 Jahren fest. Er kritisiert damit die Aussage von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), jüngeren Menschen zu einer weiteren Impfung zu raten. "Ich halte es für schlecht, medizinische Empfehlungen unter dem Motto 'Viel hilft viel' auszusprechen", sagte Mertens.

Thomas Mertens - Chef der STIKO aus Ulm äußert sich zur vierten Corona-Impfung (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka)
Der STIKO-Chef Thomas Mertens kritisiert die Empfehlung von Gesundheitsminister Lauterbach. picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka

Dass die EU-Gesundheitsbehörde ECDC und die EU-Arzneimittelbehörde EMA die Altersgrenze auf 60 festsetzten, sei aber vertretbar, so Mertens weiter. "Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für einen schweren Verlauf. Es ist nicht einfach, hier einen genauen Cut beim Alter zu machen." Allerdings könne nicht jedes Jahr die gesamte Bevölkerung geimpft werden. Die dreimalige Impfung mit den verfügbaren Impfstoffen würde gut vor schweren Verläufen schützen, so Mertens: "Aber die Übertragung des Virus wird nur gering beeinflusst."

Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Lauterbach

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hatte zuvor auch Menschen unter 60 Jahren zu einer vierten Corona-Impfung geraten. Diese sei im Hinblick auf den Sommer sinnvoll, sagte er dem "Spiegel". Mit einer Viertimpfung "hat man einfach eine ganz andere Sicherheit", begründete Lauterbach seinen Vorstoß. Auch das Long-Covid-Risiko reduziere sich um einige Monate. Lauterbach geht damit über die Empfehlungen von EU und Ständiger Impfkommission hinaus.

Ein Sprecher Lauterbachs sagte, es könne keine grundsätzliche Empfehlung für eine Viertimpfung geben. Dies solle jeweils im Einzelfall mit dem Arzt besprochen werden. Der Minister habe deutlich gemacht, dass im Herbst ausreichend Impfstoff zur Verfügung gestellt wird.

Kritik auch von Virologe Kekulé

Der Virologe Alexander Kekulé übte ebenfalls Kritik an Lauterbach. "Wenn der Gesundheitsminister eigene Empfehlungen gibt, die von denen der Ständigen Impfkommission abweichen, verspielt er damit das Vertrauen der Bevölkerung", sagte er der "Welt am Sonntag".

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