Auf der Suche nach einem künftigen Impfstoff gegen die Affenpocken sind laut Thomas Mertens noch viele Fragen offen. (Sujetbild) (Foto: IMAGO, IMAGO / Christian Ohde)

Ulmer Virologe Thomas Mertens

STIKO-Vorsitzender zu Affenpocken-Impfung: Es geht um bestimmtes Risikoverhalten

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Viele der Affenpocken-Fälle in Deutschland betrafen homosexuelle Männer mit wechselnden Partnern. Sie gelten daher als besonders gefährdet.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung gegen Affenpocken für Risikogruppen, vor allem aber bei einem bestimmten Risikoverhalten. Das erläuterte STIKO-Chef Thomas Mertens am Freitag im Interview mit dem SWR.

Am Donnerstag hatte die STIKO empfohlen, dass sich enge Kontaktpersonen von Infizierten impfen lassen sollen. Auch dem Personal in Laboren mit ungeschütztem Kontakt zu Proben wird die Impfung angeraten. Vor allem aber empfahlen die Expertinnen und Experten, dass sich homosexuelle Männern mit wechselnden Geschlechtspartnern mit einer Impfung schützen sollten.

"Es geht dabei nicht um die sexuelle Orientierung, sondern es geht um das Risikoverhalten innerhalb dieser Gruppe von Menschen. (...) Das ist natürlich nur eine kleine Gruppe innerhalb der homosexuellen Männer."

Der Grund ist laut STIKO, dass bislang alle 131 Fälle von Affenpocken-Infektionen in Deutschland diese Personengruppe betrafen. Insgesamt teilt der STIKO-Vorsitzende die Einschätzung, dass bei den Affenpocken keine weitere Pandemie drohe. Das hänge mit der viel schwierigeren Übertragung des Virus zusammen.

"Für die allermeisten Menschen in unserer Bevölkerung spielt das Virus mit einiger Sicherheit keine Rolle."

So wird gegen die Affenpocken geimpft

Für die Impfung stehe der in der EU zugelassene Pockenimpfstoff Imvanex zur Verfügung. Die Grundimmunisierung erfolgt mit zwei Impfstoffdosen in einem Abstand von 28 Tagen. Wer bereits in der Vergangenheit gegen Pocken geimpft wurde, braucht nur eine Dosis.

Der Impfstoff gegen die Affenpocken sei von einem ehemaligen Pocken-Impfstoff abgeleitetes Vakzin der sogenannten dritten Generation, so Mertens. Er sei viel verträglicher als frühere Pockenimpfstoffe. Die entsprechende Empfehlung der STIKO zur Impfung gegen Affenpocken ging zunächst in das vorgeschriebene Stellungnahmeverfahren.

Mehr als 130 Affenpockenfälle deutschlandweit

In Deutschland wurden dem Robert Koch-Institut zufolge bis zum Donnerstag 131 Affenpockenfälle aus zehn Bundesländern gemeldet. Affenpocken sind verwandt mit den Pocken, an denen jahrhundertelang jährlich Millionen Menschen starben, bis die Krankheit 1980 ausgerottet wurde. Die Affenpocken sind aber weitaus weniger gefährlich. Die meisten Erkrankten erholen sich innerhalb weniger Wochen wieder, ein tödlicher Verlauf ist selten.

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