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Die Stiko bleibt trotz der abweichenden Stellungnahme der EU-Arzneimittelbehörde bei ihrer Empfehlung. In Deutschland gebe es eine andere Situation, so der Ulmer Virologe Mertens.

Nach der Entscheidung der EU-Arzneimittelbehörde (EMA) zum Impfstoff von Astrazeneca am Mittwoch bleibt die Ständige Impfkommission (Stiko) bei ihrer Empfehlung, das Vakzin weiter nur bei Menschen über 60 einzusetzen. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Professor Thomas Mertens, erklärte dies am Donnerstagmorgen im ZDF-Morgenmagazin.

"In Deutschland haben wir eine etwas andere Situation, weil wir nicht so abhängig sind vom Astrazeneca-Impfstoff", sagte Mertens. "Wir können Impfstoffe verschieben und können damit erreichen, dass wir den gleichen Effekt haben, aber letztendlich das Risiko für diese schweren Nebenwirkungen in einer bestimmten Altersgruppe doch stark reduzieren oder sogar ausschließen können."

Andere europäische Länder verfahren bei Corona-Impfung ähnlich

Die EMA hingegen bewerte den Impfstoff auf der Grundlage der Frage, was für die gesamte Bevölkerung der EU von Vorteil sei. "Und da kommt sie zu dem sicherlich richtigen Ergebnis, das die Impfung positiv zu bewerten ist", so der Ulmer Virologe.

Mertens verwies darauf, dass andere europäische Länder ähnlich verfahren würden. Erst am Mittwoch entschied die spanische Gesundheitsministerin, Astrazeneca nur noch an Menschen über 60 zu verabreichen. Italien und die Niederlanden verfahren wie Deutschland - und in Belgien und Frankreich ist die Altersgrenze inzwischen bei 55 angesetzt.

Corona-Impfstoffe Biontech und Moderna für Jüngere

Die Stiko empfiehlt Menschen unter 60, die bereits eine Erstimpfung mit Astrazeneca bekommen haben, auch weiter eine Zweitimpfung mit einem MRNA-Impfstoff, nämlich die Vakzine von Biontech oder Moderna. "Viele glauben, dass dann zwei Impfstoffe im Körper um die Wette arbeiten", erklärte Mertens, "aber das ist nicht so." Vielmehr sei der eigentliche Impfstoff schnell aus dem Körper verschwunden. "Was bleibt, ist die Immunantwort."

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Auf die Frage, warum andere Länder schneller impfen als Deutschland, sagte Mertens: "Der wichtigste Grund ist, dass wir zu wenig Impfstoff haben." Zudem hätten andere Länder zentralisierte Gesundheitssysteme, welche eine flächendeckende Impfung vereinfachen würden.

Russischer Impfstoff Sputnik: Mertens optimistisch

Den russischen Impfstoff Sputnik, zu dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag mit Russland Gespräche ankündigte, bewertete der Stiko-Chef positiv: Die publizierten Daten sähen sehr gut aus. "Wenn der Impfstoff geprüft und zugelassen wird, hätte ich persönlich nichts gegen den Einsatz des Impfstoffes einzuwenden", so Mertens.

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