Überbrückungshilfen sorgen für Chaos

Steuerberaterin aus Ulm wegen Corona am Limit

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Gastronomen und Soloselbstständige leiden unter der Coronakrise. Finanzielle Hilfen können sie nur über "prüfende Dritte" wie bei Steuerberatern beantragen. Doch diese stoßen an ihren Grenzen, wie eine Steuerberaterin aus Ulm erzählt.

Steuerberaterin Susanne Mack hat während Corona alle Hände voll zu tun.  (Foto: SWR, Sarah Umla)
Steuerberaterin Susanne Mack hat während Corona alle Hände voll zu tun. Sarah Umla

Susanne Mack aus Ulm hat seit Corona keine ruhige Minute mehr. Fast ununterbrochen klingelt bei der Steuerberaterin das Telefon. Anrufe von Menschen, deren Umsätze in den vergangenen Wochen und Monaten nahezu oder komplett eingebrochen sind.

Vor allem Soloselbstständige beantragen die Coronahilfen und gehören zu den Mandaten der 59-Jährigen. Sie habe zum Beispiel einen Künstler, der seine Lebensversicherung wegen der Krise auflösen musste. "Der hat überhaupt keine Rücklagen mehr und bekommt jetzt bei der Novemberhilfe 466 Euro. Bei der Dezemberhilfe, wenn ich Glück habe, wieder 466 Euro. Davon kann man nicht leben", sagt Mack.

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Es sind Schicksale, die nicht nur finanziell, sondern auch psychisch Unterstützung fordern. Jeder Tag sei für die Steuerberaterin aufs Neue emotional, stressig und gehe an ihre Substanz. Urlaub habe es im vergangenen Jahr keinen gegeben. Und damit sei sie nicht alleine, erzählt Mack.

Als Vizepräsidentin der Steuerberaterkammer Stuttgart steht sie mit vielen Kollegen eng in Kontakt. "Privatleben gibt es bei uns sicherlich nicht", sagt sie. Es sei eine sehr schwierige Zeit für die Betriebe. "Die Summe aller Anforderungen bringt uns an unser Limit und das haben wir seit Wochen erreicht."

Psychische Belastung für Steuerberater

In ihrer Kanzlei hat sie vier Angestellte. Im vergangenen Jahr habe sie diese stark gefordert. "Ich beanspruche die Mitarbeiter auch psychisch so stark und muss sie bitten, ihre Kontakte privat so zu reduzieren, dass wir eben keinen Corona-Fall haben."

So viel wie jetzt zur Coronakrise habe die 59-Jährige noch nie zu erledigen gehabt. Das liege nicht nur an der Summe der Anträge. Ständig ändere sich etwas bei der Bearbeitung der Corona-Hilfen. Und auch die Technik, sagt sie, sei ein einziges Fiasko."Hier gibt es für jede Hilfe neue Felder zum Ausfüllen. Und die sind zum Teil widersprüchlich. Wir haben da schon noch sehr viel Sand im Getriebe", sagt Mack.

"Überbrückungshilfe 3 sorgt nicht für Erleichterung"

Das Arbeitspensum werde sich in den kommenden Wochen und Monaten wohl nicht ändern. Mit der vom Staat angekündigten Überbrückungshilfe 3 für die Unternehmen erwartet die Steuerberaterin keine Erleichterung. Zwar soll diese unbürokratischer sein, daran glaubt Mack aber nicht. "Sie könnten nicht eine Einzelfallgerechtigkeit herstellen und einen Missbrauch verhindern und gleichzeitig noch die Bürokratie abschaffen", meint Mack. Das sei ein Widerspruch an sich. Es werde weiter kompliziert sein und bleiben. "Da brauchen wir uns nichts vorzumachen."

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