Virologe Professor Thomas Stamminger von der Universität Ulm (Foto: Pressestelle, Universität Ulm)

Wichtig: Impfen und Maske tragen

Ulmer Virologe Stamminger: Das erwartet uns im Corona-Winter

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INTERVIEW
Carola Kührig
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Sarah Umla
Sarah Umla (Foto: SWR)

Im Ostalbkreis, im Stadtkreis Ulm und auch im Kreis Donau-Ries steigen die Corona-Inzidenzen. Was diese Infektionen bedeuten und was uns im Winter erwartet, erklärt der Ulmer Virologe Thomas Stamminger im Interview.

SWR: Herr Prof. Stamminger, wie ist die aktuelle Corona-Situation in der Region?

Prof. Thomas Stamminger: Es ist nach wie vor so, dass Corona schwerwiegende Infektionsverläufe hervorrufen kann. Und das betrifft aktuell vor allem diejenigen, die nicht geimpft sind.

Es gibt aber auch Menschen, die sind drei Mal gegen Corona geimpft und waren danach schon zwei Mal mit Corona infiziert. Ist das eher die Ausnahme oder nicht?

Nein, das ist momentan sehr häufig. Das ist dadurch verursacht, dass die Impfung selbst gegen die Ursprungsstämme des Coronavirus gerichtet ist und in der Zwischenzeit neue Varianten kursieren, die durch den Impfstoff nicht mehr effizient neutralisiert werden. Aber Achtung: Die Impfung bietet nach wie vor einen sehr guten Schutz gegen schwere Infektionsverläufe, wenn sie vollständig durchgeführt worden ist.

Müsste es dann nicht so sein, dass man neue Impfstoffe entwickelt und jetzt auch versucht, möglichst viele Menschen impfen zu lassen?

Auch da ist es leider so, dass die Entwicklung ein bisschen hinterherhängt. Die Impfstoffe sind gegen die Anfangsvariante von Omikron entwickelt worden und da schützen sie sehr gut. Jetzt haben wir schon wieder ganz neue Varianten und da wirken sie ein bisschen schlechter, sind aber immer noch besser wirksam als der Ursprungs-Impfstoff. Wir hoffen alle, dass im September dann neu adaptierte Impfstoffe zugelassen werden. Gerade die, die besonders gefährdet sind, sollten jetzt die Zeit nutzen, um sich noch ein Mal impfen zu lassen. Denn es hat sich eindeutig gezeigt, dass eine zweite Booster-Impfung den Schutz vor schweren Infektionen auf jeden Fall noch einmal deutlich erhöht.

Gibt es denn Prognosen für den Herbst, wenn die Inzidenzen jetzt schon so hoch sind?

Es ist wirklich extrem schwer vorherzusagen, wie sich das Ganze jetzt in der kommenden Saison entwickeln wird, wenn eine ganze Reihe anderer Atemwegsinfektionen auch noch dazukommt. Ich gehe mal davon aus, dass wir nicht mehr so strikte Abstandsregeln erhalten werden und auch das Maske tragen nicht so konsequent wie im vergangenen Winter durchgeführt werden wird. Deswegen ist eher damit zu rechnen, dass wir neben Covid-19 auch noch andere Infektionserreger haben, die jetzt wieder eine Rolle spielen werden - wie zum Beispiel Influenza. Das kann dann ziemlich rasch dazu führen, dass Intensivstationen überlastet werden.

Welche Maßnahmen sind aus Ihrer Sicht für die kommenden Monate sinnvoll?

Sich impfen lassen, vor allem diejenigen, die gefährdet sind, weil sie älter sind, weil sie Vorerkrankungen haben. Maske tragen ist auf jeden Fall extrem empfehlenswert. Eine wirklich sorgfältig getragene Maske schützt effizient vor einer Infektion.

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