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Seit zwei Monaten ist die Sonderausstellung "Spaces" im Schloss Untergröningen bis auf den letzten Pinselstrich fertig. Gesehen hat sie noch niemand. Doch das ändert sich jetzt.

So ganz fertig wirkt die Ausstellung auf den ersten Blick nicht. Der Vorraum zum etwas schäbig wirkenden Aufzug wird gerade noch gestrichen. Farbkübel, Rolle und Gitter stehen mitten im Weg. Doch wer den Aufzug nutzen will, erlebt sein blaues Wunder. Öffnen lässt sich die Tür zu ihm nämlich nicht. Sie ist nur aufgemalt, denn im Schloss Untergröningen gibt es gar keinen Fahrstuhl.

Die begehbare Installation der Sonderausstellung "Spaces" im Schloss Untergröningen (Foto: SWR, Frank Polifke)
Bei der Sonderausstellung "Spaces" im Schloss Untergröningen gibt es auch eine begehbare Installation. Frank Polifke Bild in Detailansicht öffnen
Kuratorin Heidi Hahn steht neben einem scheinbar schwebenden Sicherungskasten. In Wirklichkeit steht er auf den Kabeln. Bild in Detailansicht öffnen
Auch 3D-Drucke der zwei bekannten Droiden aus Star Wars - C-3PO und R2-D2 - sind in der Sonderausstellung "Spaces" zu sehen. Frank Polifke Bild in Detailansicht öffnen
Der Eindruck täuscht: Hier sind keine Alltagsgegenstände zu sehen - sondern Kunstobjekte. Frank Polifke Bild in Detailansicht öffnen
Auch dieses Objekt führt in die Irre: Im Schloss Untergröningen gibt es keinen einzigen Fahrstuhl Frank Polifke Bild in Detailansicht öffnen
Dieses Kunstwerk wird andauernd weitergemalt. Denn dieser Industrieroboter mal während der kompletten Ausstellungsdauer und zwar... Frank Polifke Bild in Detailansicht öffnen
... die Oberfläche des Mars. Frank Polifke Bild in Detailansicht öffnen

Der Schein trügt. Hier ist ein bestimmte Art Realismus zu sehen, erläutert Kuratorin Heidi Hahn. Aber nicht aus dem Ei gepellt, wie bei anderen Künstlern. Sondern mit deutlichen Spuren der Handwerker, so, als hätten sie gerade Pause oder Feierabend. Realismus von dem Regensburger Maler Stefan Bircheneder. Er hat sich auf Industriekultur spezialisiert.

"Sie nehmen die Arbeit anders auf, wenn die Arbeit unperfekt ist. Wenn die Arbeit ein perfekter Aufzug wäre, dann würden Sie einmal hinfassen und dann wäre die Sache erledigt. So haben Sie den ganzen Bausteincharakter noch drumherum. Das irritiert auf eine andere Art und Weise und damit beschäftigen Sie sich viel länger."

In der Ausstellung "Spaces" - auf deutsch "Räume" - sind etliche der dargestellten Räume gar nicht vorhanden, oder täuschen eine bestimmte Wirklichkeit vor. Eine Lichtinstallation füllt den ganzen Raum mit dreidimensionalen geometrischen Formen, zimmerhohe harfenähnlichen Gebilden aus bunten Laserstrahlen.

Die Besucher durchwandern die Installation wie eine Traumwelt, irgendwann täuschen die eigenen Sinne, sie schweben beinahe durch den Raum. Eine Schweizer Künstlerin entführt uns in eine Atmosphäre aus Neonlicht und Spiegeln. Auch hier verliert man das Vertrauen in die eigenen Sinne. Das ist auch die Absicht, sagt Kuratorin Hahn: "Jeder Schritt kann der falsche, jeder Schritt der letzte, jeder Schritt in den Abgrund sein."

Kunstwerke aus 14 Ländern

Kuratorin Hahn hat Werke von 40 Künstlerinnen und Künstler aus 14 Ländern für die neue Sonderausstellung organisiert. Unter den derzeitigen Bedingungen ein nervenaufreibendes Unterfangen. Da wurden fest zugesagte Bilder oder Skulpturen auch mal kurzfristig zurückgezogen, weil ein Käufer gefunden wurde. Auch mit dem Transport aus dem Ausland war es diesmal so eine Sache. Viele Künstler hätten sich zum Beispiel nicht getraut, während der Pandemie überhaupt anzureisen und ihre Kunstwerke zu bringen.

Eine Installation aus dem spanischen Baskenland verursachte besonders viel Arbeit. Das sechs Meter lange Werk besteht aus Hasenstall-ähnlichen Zellen, in denen einsame Menschen aus Beton sitzen. Da der Künstler Isaac Cordal wegen Corona nicht reisen durfte, konnten nur die Figuren verschickt werden. Die Zellen hat Heidi Hahn kurzerhand selbst nachgebaut. Ergebnis: "Jetzt gefällt es ihm besser als sein Eigenes in Spanien und das freut uns natürlich auch sehr", sagt Hahn.

Kunstwerk entsteht vor Ort

Während der Ausstellung entsteht außerdem live ein Kunstwerk. Ein Industrieroboter malt die gesamte Oberfläche des Planeten Mars auf Papierblätter. "Der Roboter wird am Ende der Ausstellung die ganze große Wand in diesem Raum mit Bildern bestückt haben. Er malt etwa eine Woche an einem", erläutert Hahn.

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