Eine Schülerin streckt ihre Hand einem Zeugnis entgegen.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod)

Modellprojekt an vier Schulen

Deswegen verzichten Ulmer Grundschulen bald auf Noten

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Isabella Hafner
Isabella Hafner (Foto: SWR)
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Carola Kührig
Carola Kührig (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Die großen Ferien haben am Mittwoch begonnen. Die Schulzeugnisse sind ausgehändigt. Nach den Ferien soll es an vier Grundschulen in Ulm ohne Noten weitergehen. Was steckt dahinter?

Ab dem nächsten Schuljahr werden die Kinder an vier Grundschulen in Ulm keine Noten mehr bekommen, die jetzt in die 1. und die 2.Klasse starten. Der Schulversuch an den Grundschulen beginnt im September. In Baden-Württemberg machen fast 40 Grundschulen mit.

Erst Freude - dann Frust bei vielen Schulkindern

Der Schulleiter der Ulmer Spitalhof-Grundschule hat nach eigener Aussage bei der Schulabschlussfeier am Mittwoch wieder gedacht: "Gut, dass meine Erst- und Zweitklässler ab September keine Noten mehr bekommen." Die Erstklässler freuten sich immer so sehr auf die Schule, sagt Martin Felber. Und im Oktober, wenn die erste Mathearbeit geschrieben sei, weinten manche über die Drei, die sie bekämen. Das sei auch für die Lehrer schrecklich, solche Situationen immer wieder miterleben zu müssen.

Zeugnisse zum Ferienbeginn in Baden-Württemberg (Foto: SWR, Kristina Priebe)
Auch die Kinder an der Friedrichsau-Grundschule in Ulm haben am Mittwoch ihre Zeugnisse bekommen. Kristina Priebe

Künftig an vier Grundschulen Gespräche statt Schulnoten

Nach den Sommerferien wird die Spitalhof-Grundschule zusammen mit drei weiteren Grundschulen in Ulm an einem Modellprojekt teilnehmen. Mitmachen wollen auch die Regenbogen-Schule in Ulm-Wiblingen, die Adalbert-Stifter-Grundschule am Ulmer Eselsberg und die Grundschule Ermingen.

Sie wollen testen, was an Hochschulen längst als erfolgsversprechend gelehrt und an skandinavischen Schulen praktiziert wird: Statt Schulnoten werden die Kinder regelmäßig ausführliche Gespräche mit ihren Lehrerinnen und Lehrern haben. Dabei sollen sie erfahren, was sie schon gut können und wo noch Luft nach oben ist. Solche Gespräche gibt es beispielsweise schon an Montessori-Schulen.

Schulangst bei Kindern, Aufregung bei Eltern

Diesem Modell liegt eine Grundüberzeugung zugrunde: Der Mensch komme neugierig auf die Welt. Diese Neugier werde aber durch Noten ausgetrieben, erklärt der Neu-Ulmer Montessori-Experte Ulrich Steenberg. Statistiken zeigten, dass die Freude, ein Schulkind zu sein, vier Monate halte. Danach folgten oft Schulangst, Aufregung bei Eltern und Zukunftsangst, so Steenberg.

"Wir verteilen die Eintrittskarte für diese Gesellschaft schon mit der Grundschule."

Ziel: Lebenslang lernen wollen

Laut Steenberg sollten Lehrerinnen und Lehrer darauf schauen, wo der einzelne Schüler gestartet ist. Denn die Jungen und Mädchen erschließen sich die Welt in unterschiedlichem Tempo. 

Viele Pädagoginnen und Pädagogen sind sich einig: Das Wichtigste ist, dass man gelernt hat, sich Wissen und Kompetenzen zu erschließen. Dass man weiß, welche Schritte man zum gesteckten Ziel gehen muss. Dass man lebenslang Neues lernen "will".

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