Der Ulmer Hochschuldozent ...Adelmann hält Photovoltaik für lohnenswerter, als viele annehmen.

Interview mit Photovoltaik-Experte Peter Adelmann von der TH Ulm

"Hausbesitzer mit Photovoltaik haben Kostenvorteile"

Stand

Er ist Photovoltaik-Experte und setzt sich für mehr Sonnenenergie ein: Peter Adelmann, Professor an der Technischen Hochschule Ulm (THU). Hausbesitzern rät er, sich selbst mit Strom zu versorgen.

Peter Adelmann hat unter anderem in Afrika, Asien und Lateinamerika Dörfer mit kleinen Solarsystemen mit Strom versorgt. Seit Jahren setzt sich der Experte dafür ein, die Sonnenenergie mehr zu nutzen. Das hat, so seine Überzeugung, vor allem auch Kostenvorteile.

SWR Aktuell: In Baden-Württemberg muss bei Neubauten eine Photovoltaikanlage aufs Dach. Auch bei Altbauten wird eine Pflicht diskutiert. Wird Stromversorgung zur Privatangelegenheit?

Peter Adelmann: Ja, zum Teil schon. Und ich halte das für sehr sinnvoll. Man baut heutzutage auch viele Anlagen auf die grüne Wiese. Aber es ist schade, wenn wir Grünland opfern, solange noch viele Dächer frei sind.

Der Staat zieht sich aus seiner Verantwortung zurück und die Bürger, vor allem Haus- und Wohnungsbesitzer, müssen die Energiewende voranbringen und zahlen?

Adelmann: Ich denke, die Hausbesitzer haben einen großen Vorteil, weil der selbergemachte Strom kostet erheblich weniger als wir für den Strom derzeit aus der Steckdose bezahlen. Und daran wird sich auch nichts mehr ändern. Die Hausbesitzer, die bereit sind, selber ihren Strom zu erzeugen, haben erhebliche Kostenvorteile.

Aber es kostet mich erst mal Geld, und das bei Inflation und langen Wartezeiten auf Handwerker. Was empfehlen Sie denn am Haus zu machen, ohne dass ich mich gleich in Schulden stürze?

Adelmann: Das hängt davon ab, in welchem Zustand ihr Haus ist. Wenn das Haus gut isoliert ist, dann können Sie auch gleich mit der Photovoltaik versuchen, in die Heizungstechnik reinzugehen. Wenn das Haus einen älteren Standard hat, wie zum Beispiel mein eigenes Haus, dann müssten Sie vielleicht erst mal schauen, wie Sie den Energieverbrauch runterbringen.

"Wissen Sie, das ist nichts Neues, das erzähle ich jetzt schon seit 39 Jahren hier in Ulm."

Ich muss Ihnen noch in einem Punkt widersprechen. So sehr lange dauert die Amortisationszeit nicht. Vor allen Dingen, wenn wir an die Strompreise denken, die momentan aufgerufen werden, da amortisiert sich so eine Anlage oft wesentlich schneller, als Sie denken. Wir reden da von wenigen, einzelnen Jahren.

Was bräuchte ich zum Beispiel für ein ganz normales Einfamilienhaus? Was würde mich das kosten? Und wie schnell macht sich das bezahlt?

Adelmann: Ja, das ist die falsche Frage. Wissen Sie, wenn Sie einen Stromanschluss legen lassen, dann entscheiden Sie hinterher, wie viel Strom Sie verbrauchen. Aber wenn Sie ein vorhandenes Einfamilienhaus haben, dann sollten Sie Ihre Solaranlage nach dem Verbrauch ausrichten. Wir müssten erst mal den Verbrauch ermitteln und dann schauen, wie viel Photovoltaik Sie brauchen, ob Speicherung sinnvoll ist oder nicht. Vielleicht sind auch im Haus schon versteckte Speicher vorhanden. Sehr häufig haben Leute beispielsweise einen vorhandenen Heizungspufferspeicher, der allerdings nur Wärme speichern kann, keinen Strom.

Generell würden Sie sagen, Handeln ist jetzt angesagt?

Adelmann: Ja, natürlich. Aber wissen Sie, das ist nichts Neues, dass erzähle ich jetzt schon seit 39 Jahren hier in Ulm. Ich musste mich für lange Zeit nach Afrika zurückziehen, für die Arbeit. Weil die Photovoltaik in Afrika auch schon vor über 30 Jahren hochgradig wirtschaftlich war, in Konkurrenz zu Stromnetzen, die dort nicht vorhanden waren. Mittlerweile haben wir aber den glücklichen Umstand, dass die Photovoltaik in den Preisen derart weit heruntergegangen ist, dass wir auch eine ganze Menge, eigentlich schon fast alles, hier in Deutschland machen können.

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