Das Gebäude des neuen Logistikstandorts von Amazon in Heidenheim (Foto: GLP Germany Management GmbH)

Flächen nutzen, erneuerbare Energien ausbauen

Wieso auf dem Amazon-Gebäude in Giengen schon Photovoltaikanlagen sind und in Heidenheim nicht

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Unabhängiger werden von russischem Gas und Öl – erneuerbare Energien ausbauen. Das treibt die Politik auch im Landkreis Heidenheim an. Wie Bauherren in die Pflicht genommen werden.

Wer jetzt ein Haus bauen möchte, der muss auch eine Solaranlage auf dem Dach haben. Manche Gemeinden planen riesige Solarparks für die Energiewende auf landwirtschaftlichen Flächen. Zugleich bleiben manche gigantischen Dachflächen von Industriehallen leer. Ein Beispiel aus den benachbarten Städten Heidenheim und Giengen an der Brenz, zeigt warum.

Einmal mit, einmal ohne Solarmodule

Ein Unternehmen baut im Landkreis Heidenheim zwei große Hallen. Den Amazon-Logistikstandort in Heidenheim mit einer Größe von rund sieben Fußballfeldern und das Verteilzentrum in Giengen an der Brenz, das rund ein Fußballfeld groß ist. Der Unterschied ist aber nicht nur die Größe: In Giengen wird das Dach begrünt sein und Amazon baut eine Solaranlage. Das zeigt ein Entwurf des Gebäudes. In Heidenheim liegt die 53.000 Quadratmeter große Dachfläche auf dem fertigen Gebäude brach. Laut Heidenheims Oberbürgermeister Michael Salomo (SPD) liegt das am Bebauungsplan.

"Hier war die Besonderheit, dass der Bebauungsplan aus dem Jahr 1993 stammte, und die Festsetzungen das damals noch nicht vorgesehen haben."

Die Stadt Heidenheim wolle die Solarenergie vorantreiben, betont Salomo. In der Ortschaft Kleinkuchen soll ein 21 Hektar großer Solarpark auf bisher landwirtschaftlich genutzter Fläche entstehen. Das entspricht einer Fläche von 30 Fußballfeldern. Kritiker sehen unnütze Flächenversiegelung.

Als Stadt private Dächer zur Stromerzeugung zu nutzen, hält Salomo für schwer umzusetzen.

Neuer Amazon Logistikstandort in Heidenheim  (Foto: GLP Germany Management GmbH)
Mit 53.000 Quadratmetern ist es die größte Halle im gesamten Landkreis Heidenheim. GLP Germany Management GmbH

Zwar könne der Strom von den Dächern kommunal genutzt werden. Es könnte aber Probleme mit der Statik der Gebäude geben und auch personell sei es nicht leicht, städtische Anlagen zu betreiben.

"Da brauchen Sie als Stadt extrem viel Menpower, um das alles zu koordinieren."

Giengener Bürgermeister: Wer Fläche verbraucht muss ökologischen Ausgleich schaffen

In Giengen ist erst im vergangenen Jahr ein neuer Bebauungsplan in Kraft getreten mit dem Ziel, den neuen Industriepark möglichst ökologisch zu gestalten. Laut dem zweiten Bürgermeister, Alexander Fuchs, sei ein ökologischer Ausgleich auch bei dem Amazon-Gebäude besonders wichtig. 80 Prozent der Dachflächen müssten deshalb am Standort begrünt werden.

"Die Photovoltaik ist nicht im Bebauungsplan mit aufgenommen.  Hier haben wir den Passus drin, dass die Photovoltaikanlage zusätzlich zur Dachbegrünung zulässig ist."

Solaranlagen waren nicht explizit vorgeschrieben, können aber als Ergänzung zur Begrünung auf die Dächer. Den überschüssigen Strom könne beispielsweise Amazon dann ins Stromnetz einspeisen, so Fuchs.

Für neue industrielle Gebäude ist eine Solaranlage aber in Baden-Württemberg seit Jahresanfang Pflicht. Gleiches gilt für Privatpersonen, die seit Anfang Mai eine Anlage auf ihr Dach bauen müssen.

Diesen Neuerungen sei man in den neuen Baugebieten Reutenen-Süd und Baderhölzle in Heidenheim schon zuvorgekommen, betont Oberbürgermeister Salomo.  

Amazon: Wollen auch das Dach am Standort in Heidenheim für erneuerbare Energie nutzen

Beim Logistikstandort in Heidenheim hat sich Amazon eigenen Angaben zufolge selbst das Ziel gesteckt in drei Jahren ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien beziehen. Der Internethändler will laut einem Unternehmenssprecher ohnehin verstärkt auf Solaranlagen setzen – auch in Heidenheim. Das Dach des Logistikstandorts soll nachträglich noch eine Anlage bekommen. Wann genau sei aber noch unklar.

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