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Die abgespeckten Feierlichkeiten am Ulmer Schwörmontag sind bislang ohne größere Zwischenfälle verlaufen. Vor allem die Biergärten an der Donau und im Stadtpark lockten viele Besucher an.

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Auf die Dianawiese im Stadtpark Friedrichsau kamen schon am Nachmittag viele Familien zusammen und packten große Picknickkörbe aus. Die Biergärten füllten sich am frühen Abend, dort durften unter Beachtung der Corona-Regeln Live-Bands auftreten. Am Donauufer boten Jogger, Radfahrer und Spaziergänger den Anblick eines ganz normalen Sommerabends.

Der Ulmer Stadtfeiertag begann traditionell am Vormittag mit der Schwörrede. Zu Beginn seines Rechenschaftsberichts ging Oberbürgermeister Gunter Czisch (CDU) auch auf die Flutkatastrophe ein. "Hoffen wir, dass die richtigen Lehren aus dieser Katastrophe gezogen werden, damit sich so etwas nicht wiederholt."

Platz (Ulmer Weinhof) mit Stuhlreihen  (Foto: SWR, Hannah Schulze)
Der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch (CDU) hielt in diesem Jahr die traditionelle Schwörrede auf dem Ulmer Weinhof vor 650 geladenen Gästen. Hannah Schulze

OB Czisch: Dank für Arbeit während der Corona-Pandemie

Czisch dankte zudem Pflegekräften, Ärztinnen und Ärzte sowie Beschäftigten in den Krankenhäusern und im Impfzentrum für ihre Arbeit während der Corona-Pandemie. Viele von ihnen waren unter den 650 geladenen Gästen.

Plakat an der Gänstorbrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm zur Nabada-Absage auf der Donau (Foto: SWR, Peter Köpple)
Corona-Pandemie und dann noch zu viel Wasser - da geht beim diesjährigen Nabada auf der Donau gar nichts. Peter Köpple Bild in Detailansicht öffnen
Wenigstens für Familie Schwan ist Nabada - und sie hält sich zudem noch ganz korrekt nicht auf der Donau auf, die ja in diesem Jahr für Boote und Schwimmer tabu ist. Hannah Schulze Bild in Detailansicht öffnen
An Donauufer, wo sich sonst Tausende Nabada-Fans tummeln, entspannen sich am Montagnachmittag ein paar Sonnenhungrige - und die Polizei patroulliert. Peter Köpple Bild in Detailansicht öffnen
Ein Gastronom in der Innenstadt hat für die Schwörmontagsgäste trotzdem kuschelige Plätzchen vorbereitet. Peter Köpple Bild in Detailansicht öffnen
An der Friedrichsau wirkte der Schwörmontag wie ein ganz normaler Sommertag - zum Beispiel mit Volleyball... Walter Notz Bild in Detailansicht öffnen
... mit schwäbischem Essen,... Walter Notz Bild in Detailansicht öffnen
...oder natürlich im Biergarten. Walter Notz Bild in Detailansicht öffnen

Schwörrede: Corona-Krise "als Lehrmeister"

Das Thema Corona zog sich wie ein roter Faden durch die gesamte Schwörrede. Der Ulmer OB machte dennoch Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zur Normalität. Er sei der Überzeugung, dass Gesellschaft und Staat gestärkt aus der Krise hervorgehen werden, so Czisch. Die Pandemie gehe an die Substanz vieler, daher sei eine solidarische Gesellschaft wichtiger denn je. Die Krise müsse als Lehrmeister genutzt werden, "um Chancen zu ergreifen und neue Wege zu gehen".

Czisch verurteilt Brandanschlag auf Synagoge

Czisch ging im Rechenschaftsbericht über seine Arbeit des vergangenen Jahres auch auf den Brandanschlag auf die Ulmer Synagoge ein: Für eine funktionierende Gesellschaft bedürfe es Toleranz und Respekt. Der Ulmer OB verurteilte den Brandanschlag erneut und betonte: "Jüdisches Leben gehört zu Ulm." Extreme Positionen würden niemanden weiterbringen. Der anerkannte Weg, Interessen auszugleichen, sei die Demokratie. Umso wichtiger sei es, diese zu schützen.

Kritik an Abstimmung während Corona-Pandemie

Kritik äußerte Czisch an der Abstimmung von Bund und Ländern während der Pandemie. Unter anderem die unterschiedlichen Regelungen in Ulm und der Schwesterstadt Neu-Ulm hätten sich ihm nicht erschlossen, so Czisch weiter. Auch wichtige Themen der kommenden Jahre sprach der Ulmer Oberbürgermeister an, etwa die Digitalisierung der Schulen, den Ausbau des Nahverkehrs sowie verstärkten Klimaschutz. Die Landesgartenschau 2030 bezeichnete Czisch als das große Zukunftsprojekt Ulms. 

Ulmer OB Czisch erhebt Hand zum Schwur bei traditioneller Schwörrede auf dem Ulmer Weinhof (Foto: Ralf Zwiebler)
Der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch (CDU) erhebt am Ende seiner Schwörrede die Hand zum Schwur. Ralf Zwiebler

Schwur zum Klang der Schwörglocke

Seine Rede beendete das Ulmer Stadtoberhaupt zum Klang der Schwörglocke mit denselben Worten wie schon sein Vorgänger im Jahr 1397:

"Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein in den gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen ohne allen Vorbehalt."

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Corona-Folgen: Wasserumzug Nabada fällt aus

Wie die Schwörfeier auf dem Weinhof, wurde der gesamte Schwörmontag coronabedingt in kleinem Format gefeiert. Viele Veranstaltungen wurden im Vorfeld abgesagt, allen voran der traditionelle Wasserumzug Nabada. Iller und Donau waren zum Baden und Befahren zwischen dem Ulmer Stadtteil Wiblingen und dem Kraftwerk Böfinger Halde gesperrt, Polizei und Wasserrettungskräfte kontrollierten. Doch auf den kalten, braunen und sehr schnell fließenden Fluss hatte sich bis zum Abend niemand getraut. 

Polizeiboote auf der Donau (Foto: SWR, Uli Zwerenz)
Nabada am Schwörmontag in Ulm abgesagt: Polizeiboote kontrollieren das Verbot von Booten auf der Donau. Uli Zwerenz

Virtuelles statt feucht-fröhliches Nabada

Zumindest digital konnten Bürgerinnen und Bürger die Boote über die Donau fahren lassen. Die Robert-Bosch-Berufschule hatte ein "Virtuelles Nabada" programmiert.

Digitale Lichterserenade auf der Donau

Die Lichterserenade, die eigentlich traditionell samstags am Schwörwochenende stattfindet, wurde ebenfalls ins Netz verlegt. Auf den Social-Media-Kanälen der Stadt Ulm wurden Bilder und Videos der vergangenen Jahre hochgeladen.

Schwörkonzert und Schwörgottesdienst im Ulmer Münster

Zwei Traditionsveranstaltungen fanden im Ulmer Münster statt, mit begrenzter Gästezahl und Hygienekonzept: Am Samstagabend das Schwörkonzert, mit Orgelmusik, dem Motettenchor der Münsterkantorei und dem Philharmonischen Orchester der Stadt Ulm. Die künstlerische Gesamtleitung lag beim Ersten Organisten und Münsterkantor Friedemann Johannes Wieland.

Am Sonntagmorgen folgte dann der traditionelle Schwörgottesdienst. Den Orgelpart übernahm der scheidende Generalmusikdirektor des Ulmer Theaters, Timo Handschuh. Dekan Ernst-Wilhelm Gohl bedankte sich für die jahrelange Zusammenarbeit mit einem Geschenk aus der Münsterbauhütte.

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