Mitarbeiter des Schlachthofs Ulm direkt an der Schlachtlinie. (Foto: SWR, Frank Wiesner)

Interview mit Stephan Lange

Geschäftsführer von Ulms Schlachthof: "Schweinefleisch muss teurer werden"

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Schweinefleisch wird immer billiger. Landwirtschaftsminister Özdemir (Grüne) würde es dagegen lieber teurer machen, um Bauern zu unterstützen. Wie kommt das im größten Schlachthof Süddeutschlands in Ulm an?

Das einst so beliebte Schweineschwitzel kommt immer seltener auf den Tisch. Die Deutschen essen immer weniger Schweinefleisch, der Preis ist im Sinkflug. Besonders betroffen der "Schweinegürtel" rund um Ulm, wo Landwirte häufig Schweine halten und wo Süddeutschlands größter Schlachthof sitzt. Wenn es nach Landwirtschaftsminister Cem Özdemir geht, muss Schweinefleisch teurer werden, damit Bäuerinnen und Bauern unterstützt werden. Darum geht es auch beim Agrarkongress in Berlin. Geschäftsführer Stephan Lange vom Schlachthof "Ulmer Fleisch" im Donautal verrät im Interview, warum er sich ernsthaft Sorgen macht und warum sein Unternehmen Ferkelerzeuger unterstützen muss.

SWR: Was halten Sie von der Ansage des Ministers, Schweinefleisch teurer zu machen, Herr Lange?

Stephan Lange: Das halte ich persönlich für einen sehr guter Ansatz. Das Schweinefleisch von hier, aus Bayern und Baden-Württemberg, das von uns geschlachtet, zerlegt und produziert wird, ist mehr wert und muss auch seinen Preis erfahren. Das ist für die Zukunft der Landwirte und auch für das Produkt allemal überfällig.

"Da ist es absolut richtig, wenn der Minister betont, dass Schweinefleisch teurer werden muss."

Bei Ulmer Fleisch werden ja pro Jahr 150.000 Rinder geschlachtet, dazu kommen 1,8 Millionen Schweine beim süddeutschen Schweinefleischzentrum in Ulm. Das Unternehmen gehört in Teilen ja auch zu Ihnen. Was bedeutet die im Moment die geringere Nachfrage an Schweinefleisch?

Dass die Landwirte und wir für die Produkte weniger Geld bekommen. Und alle Produkte, die wir nicht sofort vermarkten, sind ein erhebliches Risiko für uns. Die müssen wir einlagern. Das ist aber nicht kostendeckend. Und da ist es absolut richtig, wenn der Minister betont, dass Schweinefleisch teurer werden muss und der jetzige Schweinepreis nicht akzeptabel ist.

Der Deutsche Bauernverband fordert aktuell vier Milliarden Euro für die Umrüstung der Ställe, für das Tierwohl mehr Platz für die Schweine. Das ist natürlich schon viel Geld und es stellt sich die Frage, ob das politisch durchsetzbar ist.

Es ist aber notwendig. Man kann nicht von den Landwirten verlangen, dass sie die Ställe umbauen, wenn man gleichzeitig historisch niedrige Schweinepreise hat. Gesellschaft und Politik müssen die Landwirtschaft auch mitnehmen. Man sollte gemeinsam die Tierhaltung verbessern, zum Wohle der Tiere, der Endverbraucher und der Landwirte, damit die eine Perspektive haben.

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Wenn Schweinefleisch immer weniger beliebt ist, könnten Sie nicht einfach auf mehr Rinder umsteigen?

Die Rindersituation ist zurzeit preislich eine ganz andere. Dort wird die Haltungsform aber auch diskutiert. Alle Tierhalter müssen sich auf strengere Anforderungen und Investitionen in ihren Stallungen vorbereiten.

"Die Ferkelerzeuger steigen bei diesem Preisniveau aus der Produktion aus."

Aber Einschränkungen bei der Produktion gibt es nicht?

Doch, die gibt es sehr wohl. Die Schweinepreise werden bis zu den Ferkelerzeugern durchgereicht. Derjenige, der Muttersauen hält und Ferkel erzeugt, bekommt für seine Ferkel nur noch die Hälfte als vor einigen Monaten. Wir honorieren die regionale Erzeugung deutlich höher als früher. Wir haben in den letzten Monaten bewusst aus eigenen Mitteln einen süddeutschen Regionalpakt finanziert. Wir können dadurch nicht den ganzen Schweinepreis retten. Wir haben aber dem Ferkelerzeuger Boni bezahlt, wenn die Ferkel aus Bayern oder Baden-Württemberg kamen. Denn die Ferkelerzeuger steigen bei diesem Preisniveau aus der Produktion aus.

Gibt es denn viele Schweinebetriebe in der Region, die schon am Existenzminimum sind oder aufgeben?

Es haben eine ganze Reihe von Schweinemästern, aber auch Ferkelerzeuger, einfach die Ställe leer gelassen. Die Erzeugung muss unterstützt werden sonst fehlt uns der Rohstoff. Dann kann man den Rohstoff irgendwann von irgendwoher nehmen. Aber der Einfluss auf diesen Rohstoff ist dann weg.

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