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Wie lange darf eine Sau in einen Metallkasten eingesperrt werden? Tierwohl ist am Freitag ein Thema im Bundesrat. Ein Beispiel aus Dornstadt zeigt, wie alternative Schweinemast funktionieren kann.

Alternative Schweinehaltung in einem Stall in Dornstadt (Alb-Donau-Kreis) (Foto: SWR, Doris Riemüller)
Alternative Schweinehaltung in einem Stall in Dornstadt (Alb-Donau-Kreis) Doris Riemüller

"Jedes Tier wird bei uns am Morgen angestupft und aufgeweckt, da sieht man gleich, was los ist", sagt Landwirt Jürgen Stolz aus Dornstadt-Böttingen (Alb-Donau-Kreis). 1.000 Tiere mästet er in seinem Stall.

"Mir ist einfach wichtig, dass es mir gut geht und dass es auch den Tieren gut geht".

Landwirt Jürgen Stolz aus Dornstadt

Seine Tiere - jeweils 24 Schweine - leben sozusagen in Wohngemeinschaften. Dort haben sie einen Platz zum Schlafen, zum Fressen und Rumrennen und natürlich einen für ihre Hinterlassenschaften. Diese Form der Schweinehaltung, das sogenannte Nürtinger System, kostet den Bauern und seine Familie mehr Platz und mehr Zeit als ein Riesenstall für alle Schweine.

Fehlende Planungssicherheit

Hans-Benno Wichert ist Präsident des baden-württembergischen Schweinezuchtverbandes. Er hat in Oberdischingen (Alb-Donau-Kreis) einen Zuchtbetrieb mit 120 Muttersauen. Die Hälfte der Tiermütter darf bei ihm frei laufen, auch wenn er den sogenannten Kastenstand für die Besamungszeit und nach der Geburt für hygienischer und sicherer hält.

Nach seiner Darstellung gibt es inzwischen einige Schweinehalter, die sich besonders um innovative und praktikable Lösungen bemühen. Dass größere Ställe mit mehr Platz für die Tiere oft an fehlenden Baugenehmigungen scheitern, ist für Wichert eine Zukunftssorge. Eine andere ist die fehlende Planungssicherheit. Immer neue Ideen würden die Landwirte hindern, mehr zu investieren, sagt er.

Immer weniger Schweinezüchter

Die Stolzens aus Dornstadt wirtschaften seit 30 Jahren zum Wohl ihrer Tiere, auch wenn der Mehraufwand nur teilweise über den Preis wieder reinkommt. Und Ferkelzüchter werden rar: Gab es vor zwanzig Jahren in Baden-Württemberg rund 20.000 Schweinehalter, sind es jetzt noch 2.000, das ist nur noch ein Zehntel.

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