Jetzt hat auch im Großraum Ulm ein Run, unter anderem auf Kaminholz, begonnen. (Foto: SWR)

Auf Klopapier folgen feste Brennstoffe

Pellets, Brennholz und Kohle: Nachfrage rund um Ulm steigt

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Jürgen Klotz

Hamsterkäufe gibt es immer wieder. Zuletzt war Klopapier in der Corona-Pandemie sehr begehrt. Jetzt hat auch im Großraum Ulm ein Run auf feste Brennstoffe begonnen.

Bei Alexander Schell im Büro von Brennstoffe Ludwig in Blaustein (Alb-Donau-Kreis) steht das Telefon seit Tagen nicht mehr still. Hunderte Kundinnen und Kunden rufen an und wollen feste Brennstoffe bestellen, also Brennholz, Pellets oder Kohle. Die Zahl der Anrufe ist auf das Zwanzigfache normaler Tage gestiegen. So etwas hat die Branche seit Jahrzehnten nicht erlebt, sagt Schell.

Alexander Schell erhält am Telefon eine Nachfrage zu Pellets und Brennholz (Foto: SWR)
Brennholz, Pellets oder Briketts: Die Nachfrage bei Alexander Schell explodiert gerade.

"Die Menschen haben Angst, dass ihnen das Gas abgestellt wird. Sie wollen mit festen Brennstoffen irgendwas in der Hinterhand haben."

Brennholz vor dem Haus beruhigt

Zu den Kunden von Alexander Schell gehört Hubert Liebhardt aus Ulm. Er hat zwei Raummeter Brennholz gekauft. Sein Brennholz-Vorrat vor dem Haus ist aufgebraucht, eigentlich hätte er erst vor dem nächsten Winter frisches Brennholz gekauft. Doch der Ukraine-Krieg hat ihn dazu gebracht, jetzt schon zu kaufen. Liebhardt will möglichst autark sein, sollte sich die Situation rund um Energieprodukte weiter zuspitzen. Dass da eine Menge Psychologie im Spiel ist, weiß der Familienvater.

"Es fühlt sich besser an, wenn das Brennholz vor der Tür steht, damit man im 'Worst Case' autark ist. Es fühlt sich besser an, ist aber komisch."

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Kein Grund für Hamsterkäufe von Pellets und Kohle

Alexander Schell will die Gemüter beruhigen. Es gebe keinen Anlass für Hamsterkäufe, sagt der Verkäufer. Feste Brennstoffe gebe es ausreichend, das bestätigt auch Karl Bühler. Er betreibt in Laupheim (Kreis Biberach) einen Brennstoffhandel. In einer großen Lagerhalle sind bei ihm die Holzpaletten bis unter die Decke gestapelt. Sie zeitnah auszuliefern ist derzeit das größte Problem. Auch bei Karl Bühler gehen die Aufträge im Minutentakt ein. Sein Eindruck ist, dass sich viele Kundinnen und Kunden vor weiter steigenden Preisen fürchten. Deshalb kaufen sie jetzt und wollen nicht bis zum Herbst warten.

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Preisentwicklung ist völlig offen

Bei der Entwicklung der Preise für feste Brennstoffe sind sich die Experten nicht einig. Bei Ludwig Brennstoffe in Blaustein geht man derzeit nicht davon aus, dass die Preise für Brennholz oder Pellets weiter steigen. Karl Bühler aus Laupheim ist sich da nicht so sicher. "Eine Prognose ist unmöglich. Wie sich die Preise entwickeln, weiß niemand." Sicher scheint dagegen, dass auch in den nächsten Tagen die Telefone bei Brennstoffhändlern weiterhin nicht still stehen werden.

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