Die Ulmer CDU-Bundestagsabgeordnete Ronja Kemmer strebt nach einem Platz im Präsidium. (Archivbild) (Foto: IMAGO,  IMAGO / Christian Spicker)

Interview vor dem Parteitag

Ulmer CDU-Abgeordnete Kemmer: Partei muss unter Merz "klare Kante zeigen"

STAND
INTERVIEW
Arne Wiechern
ONLINEFASSUNG
Volker Wüst
Volker Wüst (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Die CDU will sich auf ihrem Parteitag neu aufstellen. Auch die Ulmer Abgeordnete Ronja Kemmer strebt nach einem Platz im Präsidium - und das, obwohl sie gegen Friedrich Merz gestimmt hatte.

Im Interview schildert die 32-jährige Bundestagsabgeordnete für Ulm und den Alb-Donau-Kreis, wie sie sich eine Zusammenarbeit mit Merz vorstellt, obwohl sie bei der Wahl zum Parteivorsitzenden für dessen Konkurrenten Norbert Röttgen gestimmt hatte. Und sie sagt, warum die CDU jetzt auch mal klare Kante zeigen müsse.

SWR: Sie kommen möglicherweise ins CDU-Präsidium, haben aber zumindest bei der Mitgliederbefragung nicht für Friedrich Merz gestimmt. Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit einem Parteivorsitzenden vor, von dem sie selbst nicht überzeugt sind?

Ronja Kemmer: Ich glaube, das ist kein Widerspruch an der Stelle, im Gegenteil. Es ist jetzt wichtig, dass wir die unterschiedlichen Strömungen und Flügel in der Partei zusammenführen. Und ich bin da wirklich auch sehr positiv angetan, wie Friedrich Merz das bisher zum Parteitag hin gemacht hat. Von daher freue ich mich, sollte es klappen, sehr auf die Zusammenarbeit.

Sie hatten sich beim letzten Mal dann für Norbert Röttgen ausgesprochen, der ja vor allem großen Wert auf Modernisierung und Klimaschutz gelegt hat und sich auch intensiv für mehr Frauen in der Führungsetage der Partei eingesetzt hat. Was erwarten Sie in diesen Punkten von Friedrich Merz?

Ich glaube, dass er diese Themen tatsächlich auch auf die Tagesordnung gepackt hat. Wenn man gerade das Thema 'Beteiligung von jungen Frauen', 'Sichtbarkeit im Präsidium, auch im Bundesvorstand' betrachtet, sind wir auf einem sehr, sehr guten Weg. Es kandidieren wirklich viele neue Gesichter. Es wird an diesem Parteitag ein Generationenumbruch werden und von daher bin ich ganz positiv gestimmt.

"Es war ein Riesenproblem im Wahlkampf, dass viele Leute einfach gar nicht mehr wussten, wofür wir genau stehen."

Sprechen wir trotzdem mal über Inhalte: Merz gilt als alter Hase in der Partei. Seine politischen Ansichten könnte man auch als klassisch bezeichnen. Gleichzeitig kündigte er an, die Partei zu erneuern. Nehmen Sie ihm diese Kehrtwende wirklich ab?

Ich glaube, dass es bei vielen Themen auch einen guten Mittelweg braucht. Es hat sich in den 16 Jahren Regierungsverantwortung unglaublich viel geändert. Wir brauchen ein neues Grundsatzprogramm, wo wir ganz grundsätzlich auch über Themen wie Zukunft der sozialen Sicherungssysteme und anderes diskutieren müssen. Auf der anderen Seite wird es aber auch darum gehen, ab und zu mal klare Kante zu zeigen. Es war ein Riesenproblem im Wahlkampf, dass viele Leute einfach gar nicht mehr wussten, wofür wir genau stehen. Und von daher glaube ich schon, dass er das auf sich vereinen kann und diese Punkte am Ende erfüllen kann.

"Gerade beim Thema Klimaschutz haben wir unglaublich viel im Angebot."

Gerade für junge Menschen sind die Themen Klimawandel und eben auch Gleichberechtigung sehr wichtig. Wie kann es denn Merz mit seinem künftigen Kurs gelingen, gerade auch bei den jungen Menschen Wähler zu gewinnen, die im Moment oft lieber die FDP wählen, wie die letzten Umfragen zeigen?

Es geht zum Teil um auch eine inhaltliche, programmatische Erneuerung. Stichwort Grundsatzprogramm. Aber ist geht eben auch um moderne Kommunikation. Gerade beim Thema Klimaschutz haben wir unglaublich viel im Angebot. Aber das Problem war, dass wir die Botschaft irgendwie nicht an die Leute gekriegt haben. Und deswegen ist das Stichwort 'moderne Kommunikation' ganz entscheidend.

Schauen wir uns noch mal kurz die Zahlen an: Mehr als 62 Prozent der Partei waren für Merz. Das heißt aber auch, dass 38 Prozent der Parteimitglieder ihn nicht als Favoriten hatten. Merz ist jemand, der immer klare Kante zeigt, aber eben auch polarisiert. Trotzdem klingt das jetzt den Zahlen nach nicht nach einer breiten Unterstützung, die sich ein Parteichef ja eigentlich wünschen würde. Droht uns da vielleicht schon bald die nächste Zerreißprobe in der CDU?

Da muss ich ganz ehrlich sagen, das sehe ich anders: Bei einer sehr starken Beteiligung der Mitglieder war das doch ein eindeutiges Ergebnis. Wir hatten auf den vergangenen Parteitagen immer Ergebnisse knapp über 50. Da ist jetzt eine deutliche Sprache gesprochen worden, das ist ein starkes Mandat. Auch im Nachgang gab es im Vergleich zu anderen Parteitagen oder Wahlen keine Nachwehen mehr.

Mehr zum Thema

Ulm

Erste Mitgliederbefragung in der CDU CDU-Abgeordnete aus Ostwürttemberg und Ulm begrüßen Wahl von Merz zum CDU-Chef

Friedrich Merz soll neuer Vorsitzender der CDU werden. Das haben die Parteimitglieder entschieden. CDU-Bundestagsabgeordnete aus der Region versprechen sich einen "richtigen Neustart".

Baden-Württemberg

Erste Mitgliederbefragung CDU stimmt für Merz als Bundes-Parteivorsitzenden - Positive Reaktionen aus Baden-Württemberg

Friedrich Merz soll neuer CDU-Parteivorsitzender werden, so haben es gut 62 Prozent der Mitglieder entschieden. Die CDU Baden-Württemberg begrüßt das deutliche Ergebnis.

STAND
INTERVIEW
Arne Wiechern
ONLINEFASSUNG
Volker Wüst
Volker Wüst (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)