Ricarda Lang steht am Rednerpult im Deutschen Bundestag und hält eine Rede (Foto: imago images, IMAGO Future Image)

Interview mit der Abgeordneten aus dem Wahlkreis Backnang/Schwäbisch Gmünd

Ricarda Lang will an die Spitze der Grünen

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Weder vom Skandal um Bonuszahlungen noch von einer Coronavirus-Infektion will sie sich ausbremsen lassen: Ricarda Lang aus dem Wahlkreis Backnang/Schwäbisch Gmünd möchte an die Spitze der Grünen.

Ricarda Lang gilt als die aussichtsreiche Kandidatin für die neue Grünen-Doppelspitze, die am Samstag auf dem Parteitag gewählt wird. Neben Lang geht der Außenpolitiker Omid Nouripour ins Rennen. Die bisherigen Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck geben wegen des Wechsels in Regierungsämter den Grünen-Vorsitz ab. Im SWR-Interview verrät Lang, wie ihre Anfänge in der Partei waren und wie sie mit dem Skandal um Bonuszahlungen umgeht.

SWR: Sie wollen am Samstag zusammen mit dem Außenpolitikexperten Omid Nouripour antreten, bei der Wahl zum neuen Bundesvorstand der Grünen. Und das trotz des Skandals um die Corona-Bonuszahlungen an den Parteivorstand. Haben Sie eigentlich kurz mal überlegt, die Bewerbung wieder zurückzuziehen?

Ricarda Lang: Nein. Für mich ändert das nichts an der Situation. Der Sachverhalt ist schon länger bekannt, die Gelder sind zurückgezahlt. Jetzt wird es noch mal durchleuchtet von der Staatsanwaltschaft. Dann gehe ich davon aus, dass sich das auch bald geklärt hat.

Um an die Parteispitze gewählt zu werden, braucht es Unterstützung. Haben Frau Baerbock oder Herr Habeck Sie dazu ermutigt?

Wir sind zum Glück keine Partei, in der man sich seine eigene Nachfolge aussucht. Aber es gab natürlich Gespräche und auch Ermutigungen. Und ich glaube, auch die beiden freuen sich jetzt, dass es neue Parteivorsitzende gibt, die sehr gut mit ihnen zusammenarbeiten können. Das haben wir in den letzten Jahren schon bewiesen.

Sie haben in ihrer Bewerbungsrede gesagt, Sie wollen Politik auch für diejenigen machen, die die Grünen nicht gewählt haben, und wollen vor allem den Kampf gegen die Armut ins Zentrum der Politik stellen. Wie soll das gelingen? Die Energiepreise steigen. Die Inflation steigt. Die Menschen haben de facto weniger Geld in der Tasche.

Wir müssen sehen, dass die steigenden Energiepreise im Moment insbesondere vom fossilen Hunger abhängen, der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und die Energiewende gerade dazu führen kann, dass wir billigere Strompreise und Energiepreise haben. Gleichzeitig ist aber auch klar: Weder Klimapolitik, noch Agrarpolitik, noch irgendetwas anderes kann eine gute Sozialpolitik ersetzen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen mehr verdienen und dass sie besser abgesichert sind. Zum Beispiel durch die Kindergrundsicherung, die dafür sorgt, dass wir Millionen von Kindern aus der Armut holen und durch den Mindestlohn, durch den jeder von seiner Arbeit leben kann.

"Ich bin natürlich sehr traurig, dass ich nicht vor Ort sein kann."

Sie sind coronabedingt ein bisschen ausgebremst und können nicht persönlich bei der Wahl antreten.

Ich bin natürlich sehr traurig, dass ich nicht vor Ort sein kann. Weil unser alter Bundesvorstand verabschiedet wird - da wäre es schön, mit auf der Bühne zu stehen. Aber so geht es auch Hunderten von Delegierten, die von Zuhause aus zugeschaltet werden müssen. Und ich glaube, gerade erleben sehr viele Menschen diese Situation, wie frustrierend es sein kann, wenn Pläne durch die Quarantäne umgeschmissen werden. Damit muss ich umgehen. Ich freue mich trotzdem sehr auf den Parteitag.

Schmälert das ihre Chancen?

Davon würde ich nicht ausgehen. Ich denke, unsere Partei wählt danach, wer eine gute Idee und gute Inhalte für die Zukunft hat und nicht, wer zufällig an welchem Ort steht.

Wie wie schätzen Sie selber ihre Chance ein?

Im Moment gibt es keine Gegenkandidatinnen. Da hat man ganz gute Chancen, gewählt zu werden. Es ist eher die Frage, ob man großes Vertrauen aufbauen kann. Und das ist jetzt mein Ziel.

"Ich habe gemerkt, ich muss die Welt um mich herum nicht einfach so hinnehmen wie sie ist, sondern ich kann sie auch verändern."

Sie sind, das darf man ausnahmsweise sagen, erst 28 Jahre alt, also noch recht jung. Ihre Karriere ist wirklich blitzartig gestartet und gelaufen. War der Bundesvorsitz von Anfang an ihr Ziel?

Nein, gar nicht. Als ich angefangen habe, mich bei den Grünen zu engagieren, war ich einfach nur als Ehrenamtliche dabei. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht. Ich habe die Partei als einen Ort der Selbstwirksamkeit erlebt. Ich habe gemerkt, ich muss die Welt um mich herum nicht einfach so hinnehmen, wie sie ist, sondern ich kann sie auch verändern. Und irgendwann kam der Moment vor zwei Jahren, als ich gedacht habe: 'Hey, ich kann mir auch wirklich vorstellen, das Fulltime zu machen und mich da komplett reinhängen.' Aber es ist nicht so, dass ich vor zehn Jahren in diese Partei eingetreten bin mit dem Ziel: 'Irgendwann werde ich mal Parteivorsitzende.'

Die ARD-Dokumentation "Bundesregierung: Eine neue Generation drängt an die Macht" hat auch Ricarda Lang begleitet.

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