Gedenken Pogromnacht 1938 (Symbolbild) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Axel Heimken/dpa)

Novemberpogrome jähren sich zum 84. Mal

Reichspogromnacht: Gedenken und Mahnwachen

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Rainer Schlenz
Rainer Schlenz (Foto: Spiesz-Design/Sabine Weinert-Spieß)

Am 9. November jähren sich die Novemberpogrome zum 84. Mal. In Ulm und in Ostwürttemberg sind mehrere Veranstaltungen geplant. In Heidenheim wurde an den Widerstandskämpfer Georg Elser erinnert.

Die Städte Ulm, Schwäbisch Gmünd und Laupheim planen Veranstaltungen und Mahnwachen anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht. In Aalen und Heidenheim gab es bereits am Dienstagabend Veranstaltungen.

Deutsch-Israelische Gesellschaft Ulm/Neu-Ulm lädt auf den Weinhof

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) Ulm/Neu-Ulm lädt am Mittwochabend zu einer Gedenkveranstaltung anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht in Ulm auf den Weinhof. Dort will die DIG der 212 Ulmer Jüdinnen und Juden gedenken, die von 1933 bis 1945 Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden.

"Die Opfer von Antisemitismus, Judenhass und Rassismus in der Zeit der Nazi-Herrschaft mahnen uns heute, gegen Antisemitismus, Unmenschlichkeit und Tyrannei einzustehen."

Die Gedenkstunde wird von der Geigerin Gisela Czech Whitson und dem Pianisten Josef Kelemen musikalisch umrahmt. Beginn der Veranstaltung auf dem Weinhof, direkt neben der Ulmer Synagoge, ist am Mittwoch um 19 Uhr.

Auch Schwäbisch Gmünd gedenkt der Opfer der Reichspogromnacht

In diesem Jahr wird in Schwäbisch Gmünd an den Gmünder Rechtsanwalt David Heimann erinnert. Er verlor aufgrund seiner jüdischen Herkunft 1938 seine Zulassung, wurde in Dachau inhaftiert und konnte 1941 gerade noch in die USA emigrieren. Die gleichgeschaltete NS-Finanzverwaltung raubte ihm jedoch sein Haus und sein gesamtes Mobiliar. Der Historiker Martin Häußermann schildert Heimanns Enteignung und seine Bemühungen um Entschädigung nach 1945. Dabei wird insbesondere die diensteifrige Haltung des Gmünder Finanzamts bei der Einziehung von Heimanns Vermögen 1941 beleuchtet.

Außerdem werden Werke der Textilkünstlerin, Malerin und Bildhauerin Gudrun Müsse Florin gezeigt. Sie erinnert mit einer Art Fischschuppenhaut mit Namen der Opfer an die Opfer des Nationalsozialismus. Im Beisein der Künstlerin wird mit dieser Installation an das dunkle Kapitel der deutschen Vergangenheit erinnert. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Innenhof des Kulturzentrums Prediger.

Schalomtage: Gedenken in Laupheim (Kreis Biberach)

Das gemeinsame Gedenken an die Zerstörung der Laupheimer Synagoge in der Reichspogromnacht 1938 steht im Zentrum der Laupheimer Schalomtage. Gestaltet wird der Abend des 9. Novembers durch die Konfirmandinnen und Konfirmanden der Evangelischen Kirchengemeinde und den Arbeitskreis Schalomtage. Die Veranstaltung findet ab 18 Uhr auf dem Ernst-Schäll-Platz beim Jüdischen Friedhof statt.

Ein Archivbild in schwarz-weiß des Widerstandskämpfers aus Hermaringen Georg Elser (Foto: dpa Bildfunk, dpa Bildfunk)
Georg Elser wurde 1903 in Hermaringen im Kreis Heidenheim geboren (Archivbild) dpa Bildfunk

Mahnwache am Georg-Elser-Platz in Aalen

In Aalen hatte das "Netzwerk für Demokratie" bereits Dienstagabend zu einer Mahnwache für die von den Nationalsozialisten aus Aalen ins Vernichtungslager Treblinka verschleppten Fanny Kahn gedacht. Zunächst mit Texten und Musik in der Oesterleinstraße vor dem ehemaligen Wohnhaus Kahns - von dort ging ein Schweigemarsch mit Lichtern zum Georg-Elser-Platz. Dort erinnerte das Theater Aalen mit einem Gedicht an den Widerstandskämpfer Georg Elser.

Die Bürgermeisterin Simone  Maiwald aus Schnaitheim (Kreis Heideheim) bei der Gedenkfeier für den Hitler-Attentäter Georg Elser aus Königsbronn. (Foto: Pressestelle, Stadt Heidenheim)
Die Bürgermeisterin Simone Maiwald aus Schnaitheim (Kreis Heideheim) bei der Gedenkfeier für den Hitler-Attentäter Georg Elser aus Königsbronn. Pressestelle Stadt Heidenheim

Gedenkfeier für Georg Elser in Heidenheim

Ebenfalls am Dienstag hat die Stadt Heidenheim zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern am Gedenkstein in den Georg-Elser-Anlagen im Teilort Schnaitheim an den Widerstandskämpfer aus Königsbronn erinnert. Elser hatte 1939 in München einen Anschlag auf Adolf Hitler verübt, dem Hitler nur durch Zufall entging. 1972 wurde das Denkmal für Elser in Schnaitheim errichtet. Schülerinnen und Schüler der Hirscheckschule und das Bläserensemble des Musikvereins Schnaitheim gestalteten die Gedenkfeier.

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