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Bislang nahm das Leben einiger Rehkitze ein tragisches Ende: Nachdem sie im Mai zur Welt kamen und von den Muttertieren im hohen Gras gebettet wurden, kam plötzlich ein Mähdrescher. Im Kreis Neu-Ulm werden sie jetzt gerettet.

5 Uhr morgens, am Rand eines Feldes in der Nähe von Weißenhorn: Drei Jäger, ein Förster und dessen Familie beobachten, wie eine Drohne in die Lüfte steigt. Sie haben eine Mission: Sie wollen Rehkitze retten. Dafür müssen sie schnell sein, denn die Drohne sucht das Feld mit einer Wärmebildkamera ab. Das klappt nicht, wenn die Sonne draufscheint.

Der Landkreis Neu-Ulm hat für die Rettung von Rehkitzen eine Drohne angeschafft (Foto: SWR, Isabella Hafner)
Ungefähr 50 Jungtiere haben die Helfer innerhalb des ersten Monats mit der Drohne schon gerettet. Isabella Hafner

Jäger und Drohnenpilot Patrick Kastler verfolgt das Ganze auf einem Display und erklärt: "Wenn hier ein Kitz läge, wäre das ein heller weißer Punkt mit einer rötlichen Umrahmung."

Auch dieses Kornfeld könnte den Rehkitzen zum Verhängnis werden. Raubtiere können sie zwar nicht durch ihren Geruch aufspüren, von Mähdreschern werden sie allerdings schlichtweg überrollt. Denn wenn Gefahr droht, ducken sich die Tiere lediglich weg.

Der Landkreis Neu-Ulm hat für die Rettung von Rehkitzen eine Drohne angeschafft (Foto: SWR, Isabella Hafner)
Immer mehr Bauern rufen neuerdings an, bevor sie mähen wollen. Dann rücken die freiwilligen Kitzretter an. Isabella Hafner

50 Rehkitze im ersten Monat gerettet

Wie viele Tiere jedes Jahr verletzt werden oder sogar sterben, kann Jägermeister Christian Liebsch nicht sagen. Was er aber sicher weiß: Ungefähr 50 Jungtiere haben die Helfer innerhalb des ersten Monats mit der rund 10.000 Euro teuren Drohne schon gerettet. Und das spreche sich herum. Immer mehr Bauern riefen neuerdings an, bevor sie mähen wollen. Dann rücken die freiwilligen Kitzretter an.

Der Landkreis Neu-Ulm hat für die Rettung von Rehkitzen eine Drohne angeschafft (Foto: SWR, Isabella Hafner)
In der Kiste: ein kleines Etwas, mit gesprenkeltem Fell und dunklen, großen braunen Rehaugen. Isabella Hafner

Patrick Kastler ist mit seiner Drohne mittlerweile schon in der Mitte des Feldes angekommen und sieht einen weißen Punkt auf dem Display. Dann geht alles ganz schnell. Die Ehrenamtlichen eilen zu der Stelle und packen das Tier behutsam mit Handschuhen in eine Kiste. Dann tragen sie die Kiste aus der Wiese und klappen den Deckel auf: Heraus schaut, etwas schüchtern, ein kleines Etwas, mit gesprenkeltem Fell und dunklen, großen braunen Rehaugen. Das Geschwisterchen saß gleich nebenan. Jetzt sind die beiden Rehkitze gleich wieder zusammen und dürfen später wieder zu ihrer Mutter.

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