STAND

Irina Hauber aus Weißenhorn im Kreis Neu-Ulm verdient mit ihrer Stimme Geld: Sie ist Rednerin, spricht etwa bei Hochzeiten oder Trauerfeiern. Im Interview erzählt sie, wie sie dazu kam.

SWR: Sie sind so gut gelaunt. Hat die Corona-Krise bei Ihnen keinen Einbruch, keine Delle verursacht?

Irina Hauber: Die Corona-Krise ging natürlich an keinem spurlos vorbei. Bei mir bei den Hochzeiten vor allem: Normalerweise wäre ich jetzt total im Stress, also in einem schönen Stress. Aber bei meinen 24 Hochzeiten, die dieses Jahr geplant waren, ist ein Teil noch in der Schwebe, die anderen wagen es tatsächlich und ein Teil ist leider verschoben worden.

Frau (Rednerin Irina Hauber) an einem Plakat mit SWR-Logo (Foto: SWR)
Irina Hauber ist Rednerin und übt ihren Beruf bei vielfältigen Gelegenheiten aus, von Hochzeiten bis zu Trauerfeiern.

Wie sind Sie Rednerin geworden?

Meine ehemalige Chefin ist mit der Idee auf mich zugekommen. Ich bin gelernte Hotelfachfrau. Sie meinte damals: Wir haben hier doch eine wunderschöne Hochzeitslocation und es kommen immer Redner von außerhalb - kannst du dir das vorstellen? Und ich sagte, ja natürlich, klar.

Sie haben auch eine Ausbildung, oder?

Also ich habe ein Zertifikat, was jetzt nicht von Nachteil ist. Ich konnte eben von Anfang an auch etwas vorweisen. Die Brautpaare fragen natürlich, wie viele Hochzeiten man schon gemacht hat. Oder die Bestatter eben auch. Und dabei fällt so ein IHK-Zertifikat auf, nach dem Motto: Ach, so etwas gibt es?

Was lernt man bei dieser Ausbildung?

Man lernt vieles: Wie man eine Rede verfasst und vor allem, wie man auftritt. Ich erinnere mich noch an meine allererste Rede - ich habe gezittert. Aber mittlerweile bekomme ich vermittelt: "Hey, du bist gut so, wie du bist, du machst das großartig." Auch Stimmtraining ist dabei.


Gibt es denn eine Grundregel, wie eine Rede zu einer guten Rede wird?

Ich glaube, diese Grundregel gibt es nicht. Also meine Redenswerke, die sind eben mit ganz viel Leben gefüllt, mit ganz viel Herz, mit Herzlichkeit. Es ist einfach alles sehr persönlich und sehr individuell.


Was fällt Ihnen persönlich leichter? Eine Hochzeitsrede oder eine Rede für eine Trauerfeier?

Leicht fällt mir eigentlich beides nicht. Alles hat seine Herausforderungen und alles ist wirklich ganz spezifisch. Also auch mein Redenswerk über den Verstorbenen. Für die Angehörigen ist das eben auch sehr persönlich, sehr individuell. Und es wird auch mal gelacht, ja, es ist wirklich voller Leben.

Profitieren Sie eigentlich davon, dass immer mehr Leute aus der Kirche austreten und dann eben eine freie Trauung machen oder auch eine freie Rednerin für eine Beerdigung buchen?

Das werde ich oft gefragt, ob alle Beerdigung, die ich so mache, von Menschen sind, die aus der Kirche ausgetreten sind. Klar, gibt es welche, die aus der Kirche raus sind. Aber viele sind immer noch gläubig. Ich selber bin auch katholisch erzogen worden. Ich habe viele, die waren lange nicht mehr in der Kirche, oder der Verstorbene hat einfach gar keinen Bezug mehr dazu. Und da kann man sich eben dieses freie Begräbnis viel besser vorstellen.

Dürfen die Angehörigen die Rede eigentlich "abnehmen", also vorher lesen?

Nein, auf keinen Fall. Ich finde ein Redenswerk oder eine Rede, die lebt nicht nur von dem gelesenen Wort. Die Brautpaare und auch die Angehörigen, die bekommen von mir die Redenswerke ausgehändigt. Aber im nachhinein, weil die Rede, die lebt ja auch durch mich. Also wirklich durch das gesprochene Wort und durch die ganzen Emotionen, die während der Rede entstehen - das lebt eben auch von dem Moment.

STAND
AUTOR/IN