Gemeinderat in Erbach verurteilt die Taten

Antisemitische Farbschmierereien in Dellmensingen?

STAND

An einem Hochwasserdurchlass in Erbach-Dellmensingen (Alb-Donau-Kreis) sind Farbschmierereien mit offenbar rechtsgerichtetem Hintergrund aufgetaucht. Die Suche nach den Tätern läuft.

Die Farbschmiereien mit Zahlencodes tauchten am Sonntag in Erbach-Dellmensingen auf, an dem Tag, an dem am Dellmensinger Schloss an die Gräueltaten im Nationalsozialismus erinnert wurde. In dem Schloss waren 1942 ältere jüdische Mitbürger zwangsuntergebracht, bevor sie in Konzentrationslager gebracht und viele von ihnen ermordet worden.

Brücke unter der eine sogenannte Flutmulde eingebaut ist (Foto: Franz Glogger)
Am Sonntag waren die Schmierereien in Erbach-Dellmensingen aufgetaucht. Franz Glogger

Die Zahlencodes und das an den Hochwasserdurchlass gesprühte Wort "Jude" legen nahe, dass es sich um antisemitische und rassistische Inhalte handelt, teilte die Stadt Erbach mit. Die Schmierereien waren am Montag schon Thema im Erbacher Gemeinderat.

"Wir werden dieses Verhalten nicht tolerieren und setzen auf die Mithilfe aus der Bevölkerung, um die Täter zur Verantwortung zu ziehen.“

Die Tat verunglimpfe alle Dellmensinger Bürger und sei ein Angriff auf die Grundwerte der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Mit diesen Worten verurteilte das Gremium die Tat.

Juristische Einschätzung der Graffiti schwer

Die Suche nach den Tätern läuft. Eine eindeutige juristische Einschätzung der Graffiti sei schwer, zitiert die "Südwest Presse" den Sprecher der Ulmer Staatsanwaltschaft, Michael Bischofberger. Es handele sich um Sachbeschädigung, womöglich auch um Beleidigung. Ob der Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllt sei, könne noch nicht klar beantwortet werden.

Erbach

Erinnerung an jüdische Mitbürger Gedenkstein an Zwangsaltenheim in Dellmensingen enthüllt

In Erbach-Dellmensingen (Alb-Donau-Kreis) ist am Sonntag ein Gedenkstein enthüllt worden. Er soll an ein Zwangsaltenheim erinnern, in dem jüdische Mitbürger leben mussten, bevor sie ins KZ kamen.

STAND
AUTOR/IN
SWR