STAND

Globale Energielösungen als mögliche Wege zu einer Klimaneutralität für die ganze Welt - das will ein Verein in Ulm, der am Donnerstag gegründet wurde. Professor Franz Josef Radermacher über die Ideen.

Prof. Franz-Josef Radermacher ist Präsident des Gobal Economic Network und hier zu Gast im SWR Studio Ulm (Foto: SWR)
Franz Josef Radermacher ist Professor für Informatik an der Universität Ulm und Präsident des Global Economic Network

Professor Franz Josef Radermacher aus Ulm ist Gründungsmitglied des Vereins "Global Energy Solutions". Der neue Verein in Ulm will sich um weltweite Energie-, Klima- und Entwicklungsfragen kümmern.

SWR: Wie will der Verein die Welt besser machen?

Professor Franz Josef Radermacher: Der Verein versucht, einen Weg aufzuzeigen, wie Klimaneutralität für die ganze Welt über die nächsten 50 Jahre erreicht werden kann, ohne den Wohlstand einzuschränken: Wohlstand für zehn Milliarden Menschen in Übereinstimmung mit Umwelt und Klima. Das ist ein sehr hoch gestecktes Ziel. Da steckt auch die Beobachtung drin, dass das, was auf der Welt passiert und das, wozu wir in Europa beitragen, nicht die Lösung des Klimaproblems ist. Im Gegenteil: Wir bewegen uns voll in Richtung einer Klimakatastrophe.

Was läuft aus Ihrer Sicht derzeit falsch?

Wir haben uns in Deutschland auf Lösungen fixiert, bei denen viele Zweifel bestehen, ob sie überhaupt je erfolgreich umgesetzt werden können. Sie haben aber vor allem das Problem, dass es Lösungen für eine reiche Welt sind. Dazu ein paar Beispiele: Nehmen Sie das Elektroauto. Wir haben schon Probleme, an sauberen Strom zu kommen. Eine Alternative wären klimaneutrale synthetische Kraftstoffe wie zum Beispiel Methanol. Wenn man diese Kraftstoffe fährt, sind die Autos, die wir haben, alle klimaneutral. Das gilt für die gesamte Bestandsflotte auf der ganzen Welt. Man kann weiter mit Verbrennern fahren auf der ganzen Welt und die Infrastruktur nutzen, die wir haben.

Das heißt, Sie denken von einer anderen Seite und suchen alternative Lösungsansätze?

Wir denken immer von relativ armen Leuten her. Das sind die Leute, die unsere Gebrauchtautos kaufen, die gar keine anderen Autos bezahlen könnten, die gar nicht in der Lage wären, die Mengen grünen Strom zu produzieren. Dazu sind auch wir nicht in der Lage. Ein anderes Beispiel sind Gebäude: Wir haben eine Philosophie, dass wir unseren gesamten Gebäudebestand energetisch sanieren. Das ist unglaublich teuer, gibt sehr viel Streit mit Mietern. Viele Leute verlieren ihre Wohnungen. Angenommen, wir hätten ein klimaneutrales Heizöl. Dann sind alle Wärmeprozesse in all unseren Gebäuden sofort klimaneutral, und zwar mit der Infrastruktur, die wir haben.

Wie will der Verein künftig arbeiten?

Da handeln Personen, die in der Thematik schon lange aktiv sind und die zudem extrem gut vernetzt sind. Wir sind in engster Wechselwirkung mit dem Ministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) in Bonn, das sich mit der internationalen Thematik von Armut, Bevölkerung, aber auch Wohlstand und Klima beschäftigt. Der entscheidende Impuls, der von uns ausgehen soll, ist, dass wir internationale Investoren ermutigen, Milliardenbeträge für die Produktion von grünem Strom, grünem Wasserstoff und grünem Methanol in den Sonnenwüsten der Welt zu investieren. Die müssen aber ein solides Gefühl dafür haben, dass sich das ökonomisch trägt und welche Regulierungsbedingungen dafür erforderlich sind. Genau das arbeiten wir für zehn Branchen durch.

STAND
AUTOR/IN