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Kaum ist der Weißenhorner CSU-Politiker Alexander Engelhard als Nachfolger für Georg Nüßlein nominiert, kommt Kritik - Parteikollege Franz Josef Pschierer spricht von "vertaner Chance".

Das Jahr der Bundestagswahl begann für die CSU mit einem Debakel - der Maskenaffäre. Im Fokus stehen zwei namhafte Politiker der Region: Georg Nüßlein und Alfred Sauter. Nach deren Absturz versucht die CSU nun einen Neuanfang. Der Nachfolger von Nüßlein als Bundestagskandidat heißt Alexander Engelhard, ist 48 Jahre und aus Weißenhorn im Kreis Neu-Ulm. Aber kaum war Engelhard nominiert, gab es Bedenken, Einwände und Kritik. Als "vertane Chance" bezeichnet CSU-Parteikollege Franz Josef Pschierer die Nominierung Engelhards.

CSU Politiker Pschierer und Engelhard (Foto: SWR, 1000)
Betrachtet die Nominierung des Weißenhorners Alexander Engelhards (links) als CSU-Bundestagskandidat als "vertane Chance": Franz Josef Pschierer von der CSU Unterallgäu 1000

SWR: Herr Pschierer, was genau kritisieren Sie denn?

Franz Josef Pschierer: Mich hat einfach gestört an diesem Verfahren, dass insbesondere aus dem großen CSU-Kreisverband Neu-Ulm mit der Stadt Neu-Ulm es nicht möglich war, zumindest bei fünf Bewerbern eine Frau mit aufzustellen. Das passt nicht mehr in die heutige Zeit. Und es passt insbesondere auch nicht zu den Vorgaben und Wünschen des Parteivorsitzenden Markus Söder nach der neuen CSU, nach einer Aufbruchstimmung. Da hätte ich mir hier ein ganz anderes Signal erwartet.

Warum ist denn nach ihrer Ansicht Aufbruch und Neuanfang mit ihrem Parteikollegen Engelhard aus Weißenhorn nicht möglich?

Nochmal: Das ist keine Pauschalkritik an Herrn Engelhard, das steht mir nicht zu. Der hat sicherlich seine Qualitäten. Aber es ist für mich in der heutigen Zeit und vor dem Hintergrund, vor dem die CSU derzeit steht, das falsche Signal.

Mit 48 Jahren ist Herr Engelhard aber schon deutlich jünger als frühere Direktkandidaten.

Aber er ist nur unwesentlich jünger als der Abgeordnete Nüßlein, der jetzt unter Umständen ausscheidet, die wir uns nicht gewünscht hätten.

Sie hatten als Kandidatin auch Julia Dümmler aus Krumbach ins Gespräch gebracht, die ja ebenfalls angetreten war, um nominiert zu werden. Eine Newcomerin, erst seit kurzem politisch engagiert. Wäre sie denn aus Ihrer Sicht die bessere Wahl gewesen?

Vor diesen konkreten Hintergrund ja und zwar aus zwei Gründen: Diese kurze Parteimitgliedschaft, die viele Delegierte ihr wohl zum Nachteil ausgelegt haben, wäre für mich ein Vorteil gewesen. Weil sie sehr frei und ganz unbelastet nach vorne blicken kann und sich nicht mit Altlasten rumschlagen muss. Und das Zweite ist, es hätte der CSU meiner Meinung nach gut angestanden, vielleicht mal einen Lebensentwurf zu präsentieren, der in der heutigen Zeit ja nicht mehr außergewöhnlich ist, nämlich eine alleinerziehende Frau mit zwei Kindern, die ihren Mann im Beruf steht und alles unter einen Hut bringt. Ein Modell das in unserer Gesellschaft - ob wir uns das wünschen oder nicht - ja keine Ausnahmeerscheinung ist.

Julia Dümmer hat 65 Stimmen bekommen. Herr Engelhard hat 93 Stimmen bekommen. Sie selbst, Herr Pschierer, setzen auf Kompetenz, Qualität und Vertrauen. Was davon können Sie denn jetzt ihrem CSU-Kandidaten Engelhard entgegenbringen?

Ich habe darüber nicht zu befinden. Am Schluss entscheiden darüber die Wählerinnen und Wähler am 26. September. Ich sehe nur, dass es ein sehr spannender Wahlkampf wird. Weil Herr Engelhard vor der Herausforderung steht, gegen zwei amtierende Bundestagsabgeordnete, nämlich Ekin Deligöz von den Grünen und Karl-Heinz Brunner von der SPD, anzutreten. Auch die FDP hat mit Anke Hillmann-Richter eine qualifizierte Bewerberin ins Rennen geschickt. Und angesichts der Umfragewerte, die die CSU derzeit hat, ist es wirklich ein spannendes Rennen. Selbstverständlich wird auch die CSU Unterallgäu Herrn Engelhard unterstützen. Das ist gar keine Frage. Aber insgesamt wäre es vielleicht mit einer anderen Konstellation etwas leichter gewesen.

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