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Der Prozess wegen Entführung und Vergewaltigung von zwei Jungen in Ulm und Heidenheim hat mit einem Geständnis begonnen. Die Taten des Angeklagten aus Ebersbach liegen viele Jahre zurück.

Zum Prozessbeginn erklärte der Verteidiger des 37-Jährigen, dass sein Mandant die Vorwürfe vollumfänglich einräume. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, 2006 in Ulm und 2007 in Heidenheim Jungen entführt und sexuell missbraucht zu haben.

Täter zerrte Jungen ins Auto und missbrauchte sie

Im ersten Fall soll er während seiner Wehrdienstzeit in der Rommelkaserne bei Dornstadt (Alb-Donau-Kreis) einen damals 13-Jährigen im nahegelegenen Ulmer Stadtteil Lehr in sein Auto gezerrt haben. Er fuhr laut Anklage auf einen Feldweg und missbrauchte den Jungen. Dabei zwang er ihn unter anderem, eine Windel zu tragen und schlug ihm aufs Gesäß. Ähnlich verlief der Fall 2007 in Heidenheim, wo er einen 12-Jährigen unter anderem zum Oralsex gezwungen haben soll. In beiden Fällen setzte der Täter die Jungen anschließend auf Parkplätzen aus.

Eines der Opfer tritt als Nebenkläger auf

Eines der Opfer tritt als Nebenkläger auf. Der inzwischen 26-jährige Mann war am ersten Verhandlungstag nicht im Gerichtssaal. Sein Anwalt, Rainer Lehrnbecher, sagte dem SWR, sein Mandant habe das Geschehen immer noch nicht verkraftet und sei weiter in medizinischer und psychologischer Behandlung.

"Es kommt natürlich jetzt alles wieder hoch, was extrem belastend für ihn ist."

Opferanwalt Rainer Lehrnbecher

Positiv sei aber, dass das Geschehen jetzt juristisch aufgearbeitet werde. Dadurch könnten andere Kinder geschützt werden. Eine echte Wiedergutmachung könne es aber nicht geben.

Kinderpornografie bringt Ermittler auf die Spur

Eine erste Zeugin, eine Beamtin der Ulmer Kriminalpolizei, schilderte am ersten Prozesstag, wie der 37-Jährige aus Ebersbach an der Fils (Kreis Göppingen) in den Fokus der Ermittler geriet. Bei Internet-Recherchen in der Kinderporno-Szene fiel die IP-Adresse des Mannes auf. 2018 gab es eine erste Durchsuchung in seiner Einliegerwohnung in Ebersbach, wo er im Haus seiner Mutter und Großmutter lebt. Damals schon wurden tausende Dateien mit kinderpornografischen Bildern und Videos entdeckt. Bei der Auswertung fiel der Beamtin auf, dass in den Aufnahmen die Opfer häufig Windeln trugen, gefesselt waren und geschlagen wurden - ähnlich wie bei den Fällen in Ulm und Heidenheim.

Gericht innen vor der Verhandlung (Foto: SWR, Torsten Blümke)
Torsten Blümke

Ermittler verfolgten Chatverläufe des Tatverdächtigen

Die Ermittler kontrollierten schließlich auch Chatverläufe des Mannes. Dabei tauschte er sich mit Gleichgesinnten über seine Phantasien aus. Außerdem suchte er im Internet Informationen zu einem Bericht in der Sendung "Aktenzeichen XY". So konnten die Beamten den Tatverdacht gegen ihn erhärten. Nach einer zweiten Durchsuchung im Oktober vergangenen Jahres in seiner Wohnung und in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz in Westerheim, wo die Beamten auch Windeln und Kinderunterhosen fanden, legte der 37-Jährige ein erstes Geständnis ab.

Untersuchungshaft seit Oktober 2020

Am 29.Oktober 2020 erging Haftbefehl gegen den Mann. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Wie die Kripo-Beamtin vor Gericht sagte, prüfen die Ermittler noch, ob der 37-Jährige für ähnliche Verbrechen im Ausland, z.B. in Österreich und Tschechien, verantwortlich ist. Der Angeklagte ist von Beruf Testfahrer und war häufig mit dem Auto unterwegs.

Für den Prozess sind ingesamt zwölf Verhandlungstage angesetzt. 30 Zeugen und Gutachter werden vernommen. Der nächste Prozesstag ist am kommenden Dienstag (11.5.). Das Urteil könnte im Juli fallen.

Ulm

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