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Es ist bundesweit der erste Fall, dass ein Landwirt zu drei Jahren Haft wegen Tierquälerei verurteilt wurde. Nicht nur die Verteidigung, auch die Staatsanwaltschaft hatten gegen das Urteil Berufung eingelegt.

"Gefängnis für den Tierquäler" forderten rund 50 Tierschützer am Mittwochmorgen vor dem Ulmer Landgericht. Dort wird der Prozess gegen einen Landwirt aus Merklingen (Alb-Donau-Kreis) wegen Tierquälerei neu aufgerollt. Das Amtsgericht hatte den Landwirt im März 2019 zu drei Jahren Haft verurteilt. Der Richter sprach damals in seiner Urteilsbegründung von einer "Massentierhölle". Der Landwirt sollte demnach für den Tod von 1.600 Schweinen verantwortlich gewesen sein - wegen katastrophaler Zustände in verdreckten Ställen.

Tierschützer sind enttäuscht über Berufungsverfahren

Tierschützer begrüßten damals das Urteil und sind deshalb enttäuscht, dass der Fall jetzt neu verhandelt wird. Sowohl Verteidigung wie auch die Staatsanwaltschaft hatten zugunsten des Angeklagten Berufung eingelegt. Sie sind sich einig in der Begründung, das Amtsgericht habe im Urteil nicht genügend strafmildernde Umstände wie das Geständnis, die eingeschränkte Schuldfähigkeit sowie gesundheitliche Probleme berücksichtigt.

Demonstration: Menschen stehen mit Plakaten vor dem Landgericht Ulm (Foto: SWR, Frank Wiesner)
Tierschützer forderten vor dem Ulmer Landgericht eine Haftstrafe für Tierquälerei. Frank Wiesner

Verteidigung fordert eine Bewährungsstrafe

Die Verteidigung will erreichen, dass der Landwirt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wird. Staatsanwalt Werner Dorster forderte ein "gerechtes Urteil". _Die Haftstrafe von drei Jahren ist nach seiner Auffassung unverhältnismäßig hoch. Am ersten Tag der Berufungsverhandlung wurden noch einmal die Zustände in den Ställen des Landwirts geschildert. Erlaubt war ihm die Haltung von 1.500 Tieren, mehr als 2.200 hatte er in zwei Ställen untergebracht. Die Schweine konnten sich nicht bewegen, neben gesunden lagen kranke und tote Tiere in den Ställen. Tierschützer hatten per Video die Missstände dokumentiert. Filme und Bilder werden im Laufe der Verhandlung noch einmal gezeigt.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
16:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Landwirt räumt ein, überfordert gewesen zu sein

Der 56-jährige Landwirt ließ von seiner Anwältin eine Erklärung verlesen. Darin räumte er ein, Fehler gemacht zu haben. Er sei von der Situtation total überfordert gewesen und es sei für ihn heute unglaublich, was er getan habe. Als Begründung für sein damaliges Verhalten führte er Schicksalsschläge an: Selbstmorde von Bruder und Vater, der elterliche Hof sei abgebrannt. Diese Traumata habe er nicht verarbeitet.

Angeklagter und Anwältin sitzen nebeneinander in einem Gerichtssaal (Foto: SWR, Maja Nötzel)
Der angeklagte Landwirt im Tierquäler-Prozess im Gerichtssaal, neben ihm seine Anwältin (Archivbild). Maja Nötzel

Dank an Tierschützer

Am Ende seiner Erklärung bedankte er sich bei der Soko Tierschutz, die alles aufgedeckt hatte. Er sagte, er sei froh, dass die Sache ein Ende habe. Gleichzeitig bat er darum, seine Familie in Ruhe zu lassen, die mit all dem nichts zu tun hätte. Er allein trage die Schuld und sei mit jeder gerechten Strafe einverstanden.

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