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Das Landgericht Memmingen hat den Angeklagten im Prozess um den Raubüberfall auf ein Vöhringer Uhrenhändler-Ehepaar am Freitag zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 37-Jährige die Tat im Jahr 2013 begangen hat. Unter anderem führten DNA-Spuren zu dem Mann . Es gebe keine Anzeichen dafür, dass der Raub mit den Geschädigten mit dem Ziel eines Versicherungsbetrugs abgesprochen gewesen sei, hieß es weiter. Der Angeklagte war demnach zusammen mit einem Komplizen in das Haus eingebrochen, hatte das Ehepaar gefesselt und rund 80 Uhren im Wert von mehr als 500.000 Euro sowie Bargeld gestohlen.

Eine Armbanduhr mit schwarzem Ziffernblatt (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Oliver Berg/dpa)
Im "Uhrenhändler-Prozess" ist das Urteil am Freitag gefallen picture alliance / Oliver Berg/dpa

Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer eine Haftstrafe von sechseinhalb Jahren gefordert. Er sah es aufgrund verschiedener Zeugenaussagen als erwiesen an, dass der Angeklagte die Tat im Jahr 2013 tatsächlich begangen hat. Außerdem, so der Staatsanwalt, gebe es "keine objektiven Anzeichen" dafür, dass der Raub mit den Geschädigten abgesprochen gewesen sei, um Geld von der Versicherung zu kassieren. Darauf hatte die Verteidigung gepocht. Der Staatsanwalt jedoch entgegnete, Versicherungsbetrug sei bei dem überfallenen Ehepaar kein plausibles Motiv. Denn das Paar hätte damit keinen Gewinn machen können, sondern hätte lediglich den Wert der Uhren ersetzt bekommen.

Mysteriöser Brief

Vor zwei Wochen war ein mysteriöser Brief aufgetaucht, der den Angeklagten entlasten sollte. Er war der Verteidigerin des Angeklagten anonym zugespielt worden. Es soll sich möglicherweise um ein vorformuliertes Geständnis handeln, das von einer dritten Person verfasst wurde - möglicherweise von einem der einst Mitangeklagten, die im Oktober freigesprochen worden waren. In dem Brief wird die Tatnacht geschildert und es ist auch wieder davon die Rede, die Tat sei mit den Opfern abgesprochen gewesen. Der Angeklagte sei auch angewiesen worden, die Uhrenhändler "nicht zu fest" zu fesseln, damit sie sich selbst befreien können, wenn die Räuber wieder weg sind. Dafür sollte er dann 5.000 Euro bekommen.

Abgehörtes Telefonat

Zu Beginn der Verhandlung am Freitag hatte die Verteidigung noch beantragt, dass das Protokoll eines abgehörten Telefonats verlesen wird. Darin ging es um den Weiterverkauf der Uhren über mutmaßliche Komplizen. Auch in diesem Telefonat redeten die Gesprächspartner ausdrücklich von einem Versicherungsbetrug. Außerdem ist die Rede davon, dass viele der gestohlenen Uhren - so wörtlich - "beschissene Thailand-Fälschungen" seien. Deshalb sei der Wert der Uhren zu hoch angesetzt, so die Anwältin.

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