Schilder mit Hinweisen Landgericht und Staatsanwaltschaft am Gerichtsgebäude in Ellwangen: Mord an Kleinkind in Bopfingen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Stefan Puchner/dpa)

Gutachten im Prozess um Kindstötung in Ellwangen

Zweijähriger aus Bopfingen starb an inneren Verletzungen

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Im Prozess wegen des gewaltsamen Todes eines zweijährigen Jungen hat am Freitag ein Chirurg vor dem Ellwanger Landgericht als Sachverständiger ausgesagt. Er bestätigte tödliche inneren Verletzungen.

Der Tod des zweijährigen Jungen aus Bopfingen im Ostalbkreis im vergangenen Oktober ist vermutlich durch massive Bauchverletzungen verursacht worden. Diese Ansicht äußerte am Freitag ein Gutachter vor dem Ellwanger Landgericht. Der Mediziner der Universitätsklinik Würzburg erklärte in seinem Gutachten, dass der Junge einen Abriss des Dünndarms erlitten hatte. Und zwar durch stumpfe Gewalt, vermutlich durch Schläge oder Tritte. Dass der Junge danach noch zum Abendessen am Tisch sitzen konnte, sei möglich, denn die Schmerzen einer solchen Verletzung seien erst mit Verspätung spürbar. Erst drei Stunden später war der Notarzt informiert worden; der Junge konnte nicht mehr gerettet werden.

Weitere Zeugen geladen

Zur Verhandlung am Freitag hat die Verteidigung noch mehrere Zeugen aus dem Umfeld des Angeklagten geladen. Der Angeklagte ist 33 Jahre alt. Ihm wird vorgeworfen, für den Tod des kleinen Jungen verantwortlich zu sein, den er laut einer früheren Selbstaussage "manchmal gehasst habe", ebenso wie dessen leiblichen Vater, dem der Junge ähnlich sah.

Schwere Misshandlungen

Er soll den zweijährigen Sohn seiner Lebensgefährtin im Oktober vergangenen Jahres unter anderem mit Bissen in alle Körperteile und Tritten in den Bauch schwer verletzt haben. Der Zweijährige kam in ein Krankenhaus. Dort konnten ihm die Ärzte aber nicht mehr helfen. Das Kind starb.

Dieser Beitrag lief am 25. April 2022 in SWR Aktuell Baden-Württemberg:

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Familie wurde von Jugendamt betreut

Auch Mitarbeiter des Jugendamts werden als Zeugen aussagen. Die Familie wurde über längere Zeit von ihnen betreut, weil es immer wieder Schwierigkeiten der Familie im Umgang miteinander gegeben hatte.

Mutter schweigt bisher

Gleich zu Beginn des dritten Prozesstages hatte die Mutter des toten Jungen die Aussage verweigert. Ein Urteil gegen den 33-jährigen Angeklagten könnte schon nächste Woche fallen. Die Staatsanwaltschaft hatte die Anklage anfangs wegen Mordes erhoben. Dem Gerichtssprecher zufolge hatte die Schwurgerichtskammer das Verfahren jedoch zunächst wegen Totschlags und Misshandlung von Schutzbefohlenen eröffnet.

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