Dritter Prozesstag beendet

Zu Tode misshandeltes Kind: Mutter schweigt im Prozess vor dem Landgericht Ellwangen

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Vor dem Landgericht Ellwangen war am Mittwoch die Mutter des getöteten Zweijährigen aus Bopfingen als Zeugin geladen. Gegen sie wird derzeit ebenfalls ermittelt.

Gleich zu Beginn des dritten Prozesstages verweigerte die Mutter des toten Jungen daher die Aussage. Sie hat das Recht dazu, weil auch gegen sie ermittelt wird. Zuvor hatte der Angeklagte über seine Anwältinnen erklären lassen, dass er sich ebenfalls nicht zu den Vorwürfen gegen ihn äußern wird.

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Einziger Tagesordnungspunkt am dritten Verhandlungstag war die Verlesung von Teilen eines psychiatrischen Gutachtens. Der Gutachter berichtet darin von den Lebensumständen, von denen ihm der Angeklagte berichtet hatte. So hatte der 33-Jährige nach eigener Aussage jahrelang viel Alkohol getrunken, teilweise auch synthetische Drogen (Speed) genommen.

Ursprünglich hätte am Mittwoch auch einer der Halbbrüder des getöteten Jungen aussagen sollen, er war aber vom Gericht vor dem Verhandlungstag ausgeladen worden, für die Richter stand fest, dass auch er nicht aussagen würde, um seine Mutter nicht zu belasten. Tags zuvor hatten bereits zwei weitere Geschwister von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Lediglich zwei Polizeibeamte, die die Geschwister vernommen hatten, waren als Zeugen aufgetreten.

Angeklagter soll Kind so misshandelt haben, dass es an den Verletzungen starb

Dem heute 33-Jährigen wird vorgeworfen, den zweijährigen Sohn seiner Lebensgefährtin im Oktober vergangenen Jahres unter anderem mit Bissen in alle Körperteile und Tritten in den Bauch schwer verletzt zu haben. Der Zweijährige kam in ein Krankenhaus, dort konnten ihm die Ärzte aber nicht mehr helfen. Das Kind starb.

Landgericht Ellwangen mildert den Tatvorwurf des Mordes ab

Die Staatsanwaltschaft Ellwangen hatte Anklage wegen Mordes erhoben. Der Mann habe grausam und aus niederen Beweggründen gehandelt. Doch das Gericht milderte den Tatvorwurf ab. Die Kammer habe die Mordmerkmale nicht mit hinreichender Sicherheit feststellen können. Diese sollen nun im Prozess geprüft werden.

"Wenn es sich im Laufe des Verfahrens anders darstellen sollte, kann es auch wieder Mord werden. Ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass es einer war."

Tod eines Kleinkindes: Motiv soll Hass auf den Vater des Jungen sein

Der Vorwurf gegen den Angeklagten lautet nun auf Totschlag und Misshandlung von Schutzbefohlenen. Als Motiv wird angenommen, dass der Mann das Kleinkind misshandelte, weil es ihn an dessen verhassten leiblichen Vater erinnerte. Der Beschuldigte lebte laut Anklage in einer Beziehung mit der Mutter des Kindes und habe den Jungen regelmäßig betreut.

Der Angeklagte sitzt seit seiner Festnahme im Oktober in Untersuchungshaft. Für den Prozess vor dem Landgericht Ellwangen sind insgesamt elf Verhandlungstage vorgesehen. Am Freitag, dem nächsten Verhandlungstag, werden weitere Zeugen aussagen, unter anderem zwei Kinderärzte, ein Notarzt und ein oder mehrere Sanitäter.

Ellwangen/Bopfingen

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SWR