Bundeswehr unterstützt Patiententransporte

Ulmer Chefarzt am BWK versorgt Corona-Kranke im Airbus der Luftwaffe

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Schwerkranke Covid-19-Patienten werden für ihre Verlegung in manchen Fällen mit einem speziell ausgerüsteten Transportflugzeug der Bundeswehr transportiert. Betreut werden sie unter anderem von Professor Martin Kulla vom Ulmer Bundeswehrkrankenhaus.

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Seit rund zehn Jahren ist Professor Martin Kulla, Klinischer Direktor der Anästhesie am Ulmer BWK, regelmäßig bei Einsätzen im MedEvac-Airbus der Luftwaffe dabei. Er begleitet Krankentransporte durch den Luftraum über Deutschland und auch im Ausland, wenn es sein muss. Zuletzt, beim Flug nach Münster vor rund einer Woche, hat er sechs schwerstkranke Corona-Patienten mit versorgt.

SWR: Herr Professor Kulla, wie war dieser letzte Flug vor einer Woche?

Professor Martin Kulla: Er war insgesamt gut organisiert. Wir haben sechs Patienten aus dem süddeutschen Raum nach Münster geflogen. Alle waren in diesem Fall ausschließlich schwersterkranke Covid-Patienten, die nicht nur die entsprechenden Lungensymptome hatten, die künstlich beatmet werden mussten und im künstlichen Koma waren. Sondern sie hatten auch durch die Bank kardiale Symptome, das heißt, wo sich das schon aufs Herz und aufs Kreislaufsystem niedergeschlagen hat.

Covid-Intensivpatienten werden auf dem Allgäu-Airport in einen Airbus der Luftwaffe transportiert.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand)
Covid-Intensivpatienten werden auf dem Allgäu-Airport in einen Airbus der Luftwaffe transportiert. (Archivbild) picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand

Und warum mussten Sie sie verlegen?

Hier unterstützt die Bundeswehr. Da sage ich ganz bewusst "unterstützt", wir sind da ein kleiner Player. Die Verlegungen im Rahmen des Kleeblattkonzeptes - wenn also in einer Region von Deutschland zu viele Patienten sind, diese Region überzulaufen droht und die Krankenhäuser keine Kapazitäten mehr haben.

Spielt es für Sie als Arzt in Uniform eine Rolle, wenn die Corona-Kranken, die Sie transportieren, ungeimpft sind? Ärgert es Sie, wenn da potenzielle Impfgegner dabei sind?

Nein, das ärgert mich persönlich als Arzt nicht. Dann ist da ein Patient, um den Patienten muss man sich jetzt kümmern, und das machen wir auch. Das machen alle Kollegen auch in den anderen Krankenhäusern oder im Rettungsdienst.

„Aber es ist schon auffällig, dass die Mehrzahl der Patienten, die wir transportieren, eben nicht geimpft war und die Betroffenen damit schwerere Verläufe haben als diejenigen, die geimpft sind“

Die fliegende Intensivstation, der MedEvac-Airbus, geht immer wieder in die Luft. Ist das eine hohe Belastung für diese schwerstkranken Menschen?

Ja, nicht nur wegen des Fluges. Sondern: Diese Patienten werden in einem Krankenhaus an einem Intensivtransportwagen an ein Behandlungsteam übergeben, dann ein paar Kilometer zum Flughafen gefahren. Dann dauert es mehrere Stunden, bis alle Patienten eingeladen sind. Dann ein kurzer Flug - 30 oder 40 Minuten -, die nächste Übergabe. Und dann wiederum die Übergabe an einen anderen Kollegen oder andere Kolleginnen, die vor Ort den Transport weiter machen, um dann am Schluss, nach acht bis zehn Stunden, im Zielkrankenhaus zu sein.

Nach welchen Kriterien werden diese Patientinnen und Patienten ausgewählt?

Die transportierenden Ärzte und Ärztinnen sind involviert. Aber die Vorentscheidung erfolgt durch eine zentrale Koordinierungsstelle in Deutschland. Es gibt einen Fragenkatalog, was die Patienten nicht haben dürfen. Da gehören zum Beispiel Beatmungsparameter dazu, aber auch ganz praktische Dinge wie das Patientengewicht, oder ob weitere multiresistente Keime mit im Spiel sind. Viele Patienten haben ja nicht nur eine Gruppe Infektion, sondern noch weitere Infektionen. Und wenn alles abgehakt ist, inklusive der Zustimmung der nächsten Angehörigen des Patienten, dann kommen sie auf eine Liste und werden von einem der vielen Transportdienste verlegt.

Wie ist dieser spezielle Airbus der Luftwaffe ausgerüstet, damit er tatsächlich wie eine Intensivstation funktioniert?

Vom medizinischen Equipment her sind wir ausgerüstet wie eine moderne Intensivstation mit Beatmungsgeräten, Absaugpumpen, Bronchoskopen, um wirklich einen Blick in die Lunge zu werfen, oder Spritzenpumpen, um kontinuierlich Medikamente zu geben. Aber das ist der eine Teil, das ist die technische Seite.

Viel wichtiger ist, dass wir gut ausgebildetes Pflegepersonal mit dabei haben aus den verschiedenen Bundeswehrkrankenhäusern, die das in der täglichen Routine auf Intensivstationen auch machen. Und dass wir gut ausgebildete Ärzte haben, die auch die Besonderheiten des Lufttransportes kennen.

Wie häufig kommt so ein Einsatz vor? Ist es seit Corona häufiger, dass sie Menschen verlegen müssen?

Ja, das ist im Moment schon eine ungewöhnliche Häufung. Die militärischen Aufträge sind deutlich geringer. Wir hatten eine  Häufung im Rahmen der ersten Welle, als wir Patienten beispielsweise aus Süditalien nach Deutschland geflogen haben. Jetzt verlegen wir mehr innerhalb von Deutschland. Und vielleicht werden wir im Januar, Februar  wieder andere Verlegungen vom Norden in den Süden oder ins Ausland bekommen. Wir werden sehen.

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