STAND

Was öffnen darf und was geschlossen bleiben muss, regelt der Inzidenzwert. Ein Wert, den die Gesundheitsämter der Kreise errechnen. Wichtig ist dabei eine Software namens Sormas, die allerdings noch nicht überall genutzt wird.

Mit der Software Sormas werden alle infizierten Menschen erfasst und deren Kontaktpersonen nachverfolgt. Die Software sollte längst überall im Einsatz sein – doch sie ist es nicht. Verwendet wird sie bisher nur in etwa einem Drittel der Gesundheitsämter in Baden-Württemberg. Da die Software noch nicht einwandfrei funktioniert, haben die Gesundheitsämter insbesondere Bedenken wegen möglicher Fehlerquellen.

Video herunterladen (6,1 MB | MP4)

Ostalbkreis nutzt Sormas seit November

Das Gesundheitsamt im Ostalbkreis führte das System, angegliedert an das Kreisimpfzentrum, im November vergangenen Jahres ein – auf dem Höhepunkt der zweiten Welle. Nicht ohne Probleme. Die Umstellung hat allein zwei Wochen gedauert. Eine technische Infrastruktur musste geschaffen und Mitarbeiter, auch der Bundeswehr, geschult werden.

Schulungen im laufenden Betrieb

Wie Julia Urtel, Sozialdezernentin des Ostalbkreises, schildert, ist das im laufenden Betrieb geschehen. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes seien ohnehin schon alle an der Belastungsgrenze gewesen. Und dann in der zweiten Welle umzusteigen, war mit einem großen Aufwand verbunden. "Wir haben im Prinzip wirklich von morgens bis abends geschult", so Urtel.

Bundeswehrsoldaten helfen bei der Kontaktverfolgung mit Hilfe der Software Sormas. (Foto: SWR)
Bundeswehrsoldaten helfen bei der Kontaktverfolgung mit Hilfe der Software Sormas.

Wie Sormas funktioniert

Sormas funktioniert so: Wer sich mit Corona infiziert hat, dessen Name wird in das Programm eingegeben. Dann wird dieser Name einem Fallbearbeiter zugewiesen, der telefoniert mit dem Infizierten und erfasst - wieder in Sormas – dessen Kontaktpersonen. Der große Vorteil dieser Software: Man kann sehr schnell Infektionsketten sichtbar machen.

"Wir sind sehr froh, dass wir das System eingeführt haben. Wir merken einfach: Wir sind wirklich tagesaktuell in der Fallbearbeitung, haben keinerlei zeitlichen Verzug in der Bearbeitung. Also für uns hat es sich auf jeden Fall gelohnt."

Kritik vom Landesärzteverband

Trotzdem kritisiert der Landesärzteverband die Einführung im Gesundheitsdienst zum jetzigen Zeitpunkt. Am Anfang der dritten Welle müsse man mögliche Fehlerquellen vermeiden – vor allem beim Inzidenzwert, heißt es. Die Angst vor Fehlern beim Umstieg auf Sormas ist nicht unbegründet. Im Ostalbkreis kam es zeitweise zu falschen Inzidenzwerten. Diese Phase scheint überwunden. Allerdings läuft die Software immer noch nicht 100-prozentig.

Datenübertragung zum Robert-Koch-Institut klappt nicht

Die Datenübertragung zum Landesgesundheitsamt und damit zum RKI klappt nicht – kritisiert der Landkreistag. Zunächst müsse der Bund seine Hausaufgaben machen, so Alexis von Komorowski, die Geschäftsführerin des Landkreistages. Die Gesundheitsämter müssten ihre vorhandenen Daten auch weiter nutzen können. Ansonsten würde Sormas dazu führen, dass man einen doppelten Erfassungsaufwand in den Gesundheitsämtern habe. Das könne in der aktuellen Krise keiner wollen.

Noch verschiedene Erfassungssysteme

Doppelter Aufwand ist derzeit noch nötig, weil die Ämter noch verschiedene Software einsetzen. Das bedeutet: Doppelte Erfassung solange, bis wirklich alle das neue Programm komplett nutzen können. Außerdem hakt es noch an einer anderen Stelle. Bereits bestehenden Datenbanken müssen in Sormas integriert werden. Das wird wohl noch Monate dauern.

STAND
AUTOR/IN