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Der gebürtige Ulmer Kai Janik ist Transmann. Transmenschen haben das Gefühl im falschen Körper zu leben und fühlen sich einem anderen Geschlecht zugehörig. Janik schildert seinen Weg in eine vielfältige Gesellschaft.

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An den Wänden der Wohnung von Kai Janik in Nürtingen ist kaum noch Platz. Überall hängen Bilder. Überwiegend sind es Portraits oder Körper - in der Farbe blau. Janik ist Kunsttherapeut. Und Transmann - also ein Mann, dem bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde. Sein Weg spiegelt sich in seinen Bildern wider: die Auseinandersetzung mit Identität und Männlichkeit.

"Egal wie mein Körper aussieht, ich bin einfach ein Mann. Und das war ein wichtiger Schritt das zu erkennen für mich und das so anzunehmen. Egal was ich mach, es wird nie so sein, dass es 100-prozentig perfekt für mich ist. "

Als Kai 2018 angefangen hat, Testosteron zu nehmen, begann er Selbstporträts zu zeichnen. Alte Fotos von vor der Transition - also bevor er begann sein Äußeres anzugleichen - sind rar. Viele hat der 30-Jährige aussortiert.  

Kai Janik aus Ulm ist Kunsttherapeut und malt Selbstporträts. (Foto: SWR)

"Ich kann die grade nicht anschauen. Also ich finde das total schwer irgendwie", sagt Janik. Das sei dasselbe mit seinem alten Namen. Die Frage danach verstehe er nicht. "Wichtig ist es doch, wie es jetzt ist, weil das Jetzt ist doch wichtig. Und das Davor hat sich falsch angefühlt."

Während seines Auslandssemesters in Wales 2017 hatte er seinen Neustart. Dort konnte er sich direkt als Kai vorstellen. Bei seiner Rückkehr in die schwäbische Heimat als Mann habe der Großteil seiner Familie und seines Freundeskreises sehr gut reagiert. So viel Glück haben jedoch nicht alle. In Ulm leitet Janik ehrenamtlich eine Jugendgruppe für Transsexuelle, Transgender und Intersexuelle.     

"Was ich fast wichtiger finde, als diesen Austausch zum Thema, ist, dass es ein Ort sein kann, wo die Jugendlichen wissen: ich kann hier einfach ich selber sein."  

Und das ist wichtig, denn bislang gibt es für Transmenschen noch immer viele Hürden. Änderung des Personenstands, Hormone, Operationen - für alles braucht es Gutachten und eine therapeutische Begleitung. So ist es noch im Transsexuellengesetz von 1980 festgeschrieben.  

"Es ist schwierig, weil halt von vornherein an dieses Transsein so rangegangen wird, als ob es was krankhaftes wäre", erläutert Janik. Viele queere Gruppen fordern schon seit langem eine Änderung, gar Abschaffung dieses Gesetzes und mehr Selbstbestimmung für Transmenschen. Denn Transsexualität ist keine Krankheit. Und Kai Janik ist einfach nur ein Mann, der mithilfe der Kunst seinen eigenen langen Weg gegangen ist.   

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