Eine Frau wird gegen Corona-geimpft - In Deutschland gibt es eine Debatte um eine Corona-Impfpflicht (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Kay Nietfeld)

Bundesregierung setzt auf Freiwilligkeit

Das denken Pflegekräfte aus Heidenheim über eine Corona-Impfpflicht

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Die Corona-Impfung soll laut Bundesregierung freiwillig bleiben - auch für bestimmte Berufsgruppen. Pflegekräfte aus Heidenheim erläutern, wie sie zu einer Impfpflicht stehen.

Angelika Chaudhari ist Wohnbereichsleiterin im DRK-Heim Heidenheim. Sie trägt für 138 Bewohnerinnen und Bewohner sowie Kolleginnen und Kollegen viel Verantwortung. Ihre Antwort, ob sie eine Impfpflicht für Pflegepersonal befürwortet, kommt ohne Zögern:

" Ich würde das für alle wollen, nicht nur für die Pflege, weil ich glaube, dass wir anders nicht aus der Pandemie rauskommen."

Chaudhari würde auch eine Impfpflicht nur für Pflegekräfte akzeptieren, denn diese arbeiten in einem sensiblen Bereich und haben die Verpflichtung, die Heimbewohnerinnen und -bewohner zu schützen.

Angelika Chaudhari und Ulrich Herkommer vom DRK Pflegeheim in Heidenheim (Foto: SWR, Frank Polifke)
Sind unterschiedlicher Meinung beim Thema Impfpflicht: Wohnbereichsleiterin Angelika Chaudhari und der Heidenheimer DRK-Geschäftsführer Ulrich Herkommer. Frank Polifke

Ihr Chef sieht das hingegen anders. Geschäftsführer der DRK Heidenheim Pflegedienste GmBH, Ulrich Herkommer, setzt beim Impfen auf Freiwilligkeit und Überzeugung.

"Ich weiß nicht, ob man mit Zwang mehr erreicht als mit einer guten Aufklärung und mit einer fortwährenden Motivation."

Im DRK-Heim in Heidenheim sind 83 Prozent der Beschäftigten mittlerweile geimpft. Das war laut Chaudhari aber ein schwieriger Prozess. "Am Anfang waren viele unsicher, haben sich viele Gedanken gemacht und meinten, dass wir wie Versuchskaninchen wären", erinnert sich die Wohnbereichsleiterin. Vor allem jüngere Kolleginnen seien zögerlich gewesen. Das habe sich aber geändert, als das Impfteam anrückte. Die Beratung habe überzeugt.

DRK-Heim in Heidenheim (Foto: SWR, Frank Polifke)
83 Prozent der Angestellten im DRK-Pflegeheim sind geimpft. Frank Polifke

Auch die Wohnbereichsleiterin hat viele Gespräche geführt, meistens Zweiergespräche. Auch Herkommer hatte viele solche Gespräche. Zur Überzeugung zweifelnder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben laut ihm zwei Argumente beigetragen. Erstens: Ein Corona-Ausbruch wie im Mai soll tunlichst vermieden werden. Damals hatten sich im DRK-Heim 28 Bewohner und Mitarbeiter angesteckt. Laut Herkommer hat aber auch ein zweites Argument gezogen: "Viele wollen in Urlaub. Durch Impfung haben sie Vergünstigungen in manchen Ländern."

Eine verpflichtende Impfung sieht der DRK-Leiter noch aus einem anderen Grund kritisch."Wenn man jetzt eine Impfpflicht macht und jemand lässt sich nicht impfen, dann müsste man den theoretisch rausschmeißen. Ich weiß nicht, wie das arbeitsrechtlich nachher bewertet wird", sagt er.

Tatsächlich hat sich knapp ein Fünftel der Beschäftigten im DRK-Heim Heidenheim der Impfung bisher verweigert. Die werden natürlich ganz normal eingesetzt, allerdings mit kleinen Unterschieden. "Die Nichtgeimpften werden öfter getestet, die müssen mit FFP2-Maske arbeiten", erläutert Herkommer. Geimpfte hingegen müssten nur eine OP-Maske tragen.

Mehr zum Thema

Baden-Württemberg

Pläne des Gesundheitsministeriums Keine Einschränkungen mehr für Corona-Geimpfte und Genesene in BW ab September?

Das Gesundheitsministerium plant weitere Freiheiten für vollständige Geimpfte und Genesene in Baden-Württemberg. Für alle anderen soll je nach Inzidenz eine Testpflicht gelten.  mehr...

Ulm, Schwäbisch Gmünd, Heidenheim, Aalen, Neu-Ulm

Das Coronavirus und die Folgen für die Region Ulm und Ostwürttemberg Live-Blog zum Coronavirus: Unterschiedliche Corona-Regeln kosten Umsatz

Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf den Alltag rund um Ulm, Neu-Ulm, Heidenheim, Aalen und Schwäbisch Gmünd? In unserem Live-Blog fassen wir die neuesten Entwicklungen zusammen.    mehr...

Ulm

Impfen in der Region jetzt auch ohne Anmeldung an vielen Orten Zahlreiche zusätzliche Impfaktionen in Ulm, Ummendorf, Wertingen und Ehingen

Wegen des nachlassenden Interesses für Corona-Impfungen gibt es in der Region in den kommenden Tagen zahlreiche zusätzliche Impfaktionen. Eine Anmeldung ist dafür nicht nötig.  mehr...

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG