STAND

Petra Leigers ist Pfarrhaushälterin in Westernheim (Alb-Donau-Kreis). Ein Beruf, der selten geworden ist. Im SWR-Interview räumt sie mit Vorurteilen auf und erzählt, wie ihr Alltag aussieht.

Petra Leigers steht an einem Rednerpult und spricht in ein Mikrofon (Foto: Petra Leigers)
Petra Leigers: Seit 27 Jahren Pfarrhaushälterin, seit zehn Jahren Bundesvorsitzende. Petra Leigers

SWR: Bei Ihrem Beruf denken ja nach wie vor viele: Haushälterin, das is das Gspusi des Pfarrers, vor allem wenn die so lange unter einem Dach leben.

Petra Leigers: Ja, leider. Ich wehre mich von Anfang an dagegen, weil es sehr ermüdend und anstrengend ist, immer seinen Beruf verteidigen zu müssen. Es gibt Haushälterinnen in allen anderen Bereichen - bei Familien und Unternehmen. Und da wird es auch nicht vorausgesetzt.

Sie sind schon 27 Jahre für Pfarrer Karl Enderle tätig, zunächst in Friedrichshafen, dann in Schwäbisch Hall und jetzt schon seit einigen Jahren in Westerheim. Wie würden Sie denn ihr Verhältnis zueinander beschreiben?

Also ich bezeichne uns immer gerne als Wohngemeinschaft mit Arbeitgeber und Arbeitnehmerin. Wir führen ein freundschaftliches Verhältnis, also sprich: Er geht seine Wege, ich gehe meine.

Was sind denn Ihre Aufgaben? Tatsächlich Essen kochen, Staub wischen, Unterhosen waschen?

All das, was zu einem klassischen Haushalt gehört. Auch Staub wischen, Essen kochen und Wäsche waschen. Wir erfüllen sogenannte Präsenzdienste. Das heißt, man geht ans Telefon, man geht an die Haustür. Man kümmert sich um dieses und jenes Problemchen. Man freut sich mit den Leuten, man trauert mit den Leuten. Wenn die Sekretärin und der Pfarrer nicht da sind, bin ich in der Regel die erste Ansprechpartnerin.

Welche Ausbildung oder Voraussetzungen muss man denn mitbringen, um Pfarrhaushälterin zu werden?

Es gibt keine konkrete Ausbildung, was wir ein bisschen bedauern. Man sollte zumindest Interesse an der Liturgie der katholischen Kirche haben, allerdings auch an anderen Konfessionen, weil die katholische Kirche ökumenisch arbeitet. Keine schlechte Voraussetzung wäre zum Beispiel, dass man kochen kann. Ein hohes Gut ist bei uns die Gastfreundschaft. Wir führen ein offenes Pfarrhaus. Das sind schon mal Grundvoraussetzungen.

Sie sind jetzt 58 Jahre alt. Ist das denn ein Job auf Lebenszeit?

Für viele ja. Heute vielleicht nicht mehr ganz so sehr, weil der Job sich wandelt von der Vollzeit zu Teilzeit, weil die Pfarrer häufig niemanden im Haus mehr wohnen haben möchten. Dann suchen sie sich jemanden vor Ort, anders wie bei uns, die in Vollzeit arbeiten.

Sie sind auch Bundesvorsitzende der Pfarrhaushälterinnen. Sind die Haushaltskräfte, die sie im Bundesverband vertreten, alles Frauen?

Nein. Es gibt mittlerweile auch schon einige Männer, die trauen sich aber noch nicht aus ihrer Deckung.

Warum gibt es so wenig Männer? Weil dann doch der Verdacht aufkommt, sie leben mit dem Pfarrer in homosexueller Wohngemeinschaft?

Jawohl, also das ist sozusagen der Hauptgrund.

Ist es ein langsam aussterbender Beruf?

Dagegen wehre ich mich. Es stimmt, die Zahlen der Vollzeit-Haushälterinnen nimmt kontinuierlich ab - im süddeutschen Raum etwas weniger als im Westen und Norden. Aber die Menschen, die in Teilzeit arbeiten, die nehmen zu. Daher würde ich nicht unbedingt von einem aussterbenden Beruf sprechen. Es ist aber Fakt: je weniger Priester, desto weniger Haushälterinnen.

Sie setzen sich als Bundesvorsitzende für die Rechte der Beschäftigten ein - also Gehalt, Urlaubszeit, Urlaubsansprüche. Ist das inzwischen einheitlich geregelt oder muss das jede Haushälterin mit dem Pfarrer persönlich aushandeln?

Das ist bis dato nicht einheitlich geregelt. Es gibt zwei Ausnahmen. Die bayerischen Diözesen haben einen eigenen Tarifvertrag, den sie immer mit dem Klerus-Verband aushandeln. Und in Rottenburg-Stuttgart gibt es das System, dass wir zu 50 Prozent beim Pfarrer und zu 50 Prozent an der Diözese angestellt sind, mit zwei Dienstverträgen und zwei Lohnsteuerkarten. Alle anderen 19 Diözesen haben ein privatrechtliches Angestelltenverhältnis zwischen Priester und Haushälterin. Und die regeln, das tatsächlich selbstständig miteinander, mithilfe der Diözese, die auch eine Vorgabe macht: es darf natürlich nicht unter Mindestlohn bezahlt werden.

Was verdient man als Pfarrhaushälterin?

Der Schnitt liegt bei tausend Euro netto. Es gibt aber auch Gehälter, die deutlich darunter liegen.

Frauen in kirchlichen Funktionen ist für die Amtskirche immer noch ein heikles Thema. Wenn man, wie Sie einen Pfarrer solange begleitet, könnte man auch sagen: Den Job könnte ich genauso gut machen. Wären Sie gerne Pfarrerin geworden?

Nein, auch wenn ich Theologie im Fernkurs gemacht habe und für Erstkommunion zuständig war. Ich möchte den Job nicht machen, weil ich dann noch mehr gebunden wäre. So kann ich mir immer noch ein Stück Freiheit nehmen und sagen: Heute mache ich mal das Büro zu und Schluss. Das kann ein Pfarrer nicht. Mein Pfarrer sagt oft, er ist sozusagen ein Wohnhäftling.

Ulm

Nachfolge von Michael Hilbert steht fest Heidi Vormann ist neue Münsterbaumeisterin in Ulm

Die neue Münsterbaumeisterin in Ulm heißt Heidi Vormann. Der Evangelische Gesamtkirchengemeinderat hat die 55-jährige Architektin am Dienstagabend mit großer Mehrheit gewählt.  mehr...

Aalen

Kirchenglocken ziehen um Ökumene in Aalen: Evangelische Gemeinde verschenkt ihre Kirchenglocken

Ein Kran hat am Freitag die Glocken der evangelischen Markuskirche in Aalen abgeholt. Die Glocken sollen künftig in der katholischen Heilig-Kreuz-Kirche in Aalen läuten.  mehr...

STAND
AUTOR/IN