Eine Flasche wird an einem Automaten mit Rohmilch befüllt. Darüber ein Hinweisschild, die Milch solle vor dem Verzehr erhitzt werden.

Influencer bewerben "Superfood"

Landratsamt Ostalbkreis warnt vor Hype um Rohmilch

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Autor/in
Dennis Bechtold
SWR-Aktuell Redakteur Dennis Bechtold

In den sozialen Medien kursieren Videos von Influencern, die das Trinken von Rohmilch bewerben. Das Landratsamt Ostalbkreis hat jetzt vor dem Hype um das angebliche Superfood gewarnt.

Rohmilch enthalte viele gesunde Inhaltsstoffe, sei ein Superfood und gut für das Immunsystem. Mit solchen Worten bewerben Influencer in den sozialen Medien den Konsum von Rohmilch, also unbehandelte Milch, die nicht erhitzt wurde. Grundsätzlich ist daran auch nichts falsch. Allerdings wird bei einigen der Videos nicht erwähnt, dass der Verzehr durchaus Gefahren birgt. Das Landratsamt Ostalbkreis warnt deshalb vor dem Hype und hat bei Kontrollen an den Höfen Verstöße festgestellt.

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Strenge Regularien beim Verkauf von Rohmilch

Zwar enthält Rohmilch tatsächlich gesunde Inhaltsstoffe wie beispielsweise einige Vitamine. Dazu können sich aber auch sehr gefährliche Keime und Bakterien gesellen, warnt Petra Sedlmeier von der Lebensmittelüberwachung im Ostalbkreis. Darunter Campylobacter und Salmonellen, die "direkt über den Euter oder über die Milchdrüse des Tiers ausgeschieden werden" und beispielsweise zu starken Durchfallerkrankungen führen können. Aber auch Listerien wurden schon in Rohmilch entdeckt, die bei Schwangeren im schlimmsten Fall zu Fehlgeburten führen können.

Besonders Kinder, Senioren und eben Schwangere sollten also den Verzehr von Rohmilch meiden. Sie darf deshalb nur ab Hof, direkt vom Produzenten und mit einem Erhitzungshinweis abgegeben werden. Rohmilch zu trinken ist natürlich nicht verboten, der Verbraucher sollte aber selbst entscheiden, "ob er dieses Risiko eingehen kann und will, wie zum Beispiel beim Verzehr von Mettbrötchen", so Sedlmeier.

Petra Sedlmeier von der Lebensmittelüberwachung Ostalbkreis mit einem Handy in der Hand. Sie warnt vor dem Hype um Rohmlich der Influencer in den sozialen Medien.
Petra Sedlmeier von der Lebensmittelüberwachung Ostalbkreis warnt vor dem Hype um Rohmilch der Influencer in den sozialen Medien.

Kakaopulver verleitet zum direkten Trinken

Im Ostalbkreis gibt es rund 350 Milcherzeuger, so das Landratsamt, darunter elf mit Milchautomaten. Bei Kontrollen hat die Lebensmittelüberwachung kürzlich festgestellt, dass neben Rohmilch-Automaten zum Teil Trinkgefäße und Kakaopulver mit angeboten werden. Und zwar ohne die Möglichkeit, vor Ort die Milch zu erhitzen. Das verleite dazu, die Milch direkt roh zu trinken, so Sedlmeier und sei zu untersagen.

Sie rät: Rohmilch sollte vor dem Trinken rund 30 Sekunden auf 75 Grad erhitzt - also pasteurisiert - werden. Das tötet die meisten gefährlichen Bakterien und Keime ab, während fast alle gesunden Inhaltsstoffe erhalten bleiben.

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