Oksana Koschowa lernt mit anderen Frauen in Ulm Deutsch.  (Foto: SWR, Christian Hammer )

Gute Erinnerungen an die Donaustadt

Wieder in Ulm: Oksana Kaschowa ist in die Stadt geflohen, wo sie als Studentin schon war

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Ulm hatte sie schon vor zehn Jahren gemocht. Nun ist die 36-Jährige Ukrainerin wieder hier. Unter diesen Umständen zurückzukommen, hätte sie sich nicht vorstellen können.

Oksana Kaschowa sitzt mit vier weiteren Frauen aus der Ukraine beim Deutschkurs im ersten Stock im Haus der Organisation "danube-connects" am Ulmer Weinhof. Gerade übersetzen sie das Rezept für das traditionelle ukrainische Nationalgericht Borschtsch: "Es ist wichtig, dass wir die Sprache möglichst schnell lernen und auch praktisch im Alltag anwenden", sagt die zierliche schwarzhaarige Frau aus Dnipro, im Herzen der Ukraine.

Kontakt nach Ulm hatte über die Jahre gehalten

Vor zehn Jahren war die 36-Jährige bei einem internationalen Austauschprogramm schon mal in Ulm. Nach ihrer langen und anstrengenden Flucht aus ihrer Heimat, ist sie wieder hier. "Ich bin durch die Stadt gegangen, habe das Ulmer Münster gesehen und gedacht: Ist das gerade wirklich real?", erzählt Kaschowa auf Englisch.

Alltag mit viel Formularen und Begegnungen

Daheim hat sie als Englischlehrerin gearbeitet. Über Polen sei sie nach Berlin gekommen. Von dort habe sie dann nach Ulm reisen wollen, da sie dort schon jemanden in Deutschland kannte, nämlich eine andere Englischlehrerin vom damaligen Austausch. Bei ihrer Freundin kam sie dann die erste Zeit unter. Inzwischen lebt sie aber mit fünf anderen Ukrainerinnen in einer WG im Ulmer Stadtteil Gögglingen. Doch Alltag gebe es für sie noch immer nicht. "Jeden Tag schaue ich, dass ich die Dokumente für die verschiedenen Behörden richtig ausfülle und möglichst schnell auch anderen helfen kann", sagt Kaschowa. Außerdem sei es ihr wichtig, neue Freunde in Ulm zu finden.

Ukrainerinnen lernen in der Gruppe Deutsch.  (Foto: SWR, Christian Hammer )
Deutschlernen für die Praxis. Ukrainische Frauen wollen sich mit einem Sprachkurs schnell in Ulm zurecht finden. Christian Hammer

Frieden ist Voraussetzung für Rückkehr in die Ukraine

Oksana Kaschowa betont, sie wolle sich integrieren, Deutsch lernen und zurechtkommen. Viel lieber ginge sie aber zurück in die Heimat. Dafür müsse es aber Frieden geben. "Dann gehe ich heim und setze mein eigentliches Leben fort". Wie realistisch das gerade sei, könne sie auch nicht sagen. Momentan sei sie einfach froh, hier zu sein, um auch die schwierigen Momente ihrer Flucht mit den anderen Frauen vom Sprachkurs zu verarbeiten.

Ukrainerinnen sprechen miteinander beim Sprachkurs.  (Foto: SWR, Christian Hammer )
In der Gruppe sprechen die Frauen um Oksana Kaschowa auch über schlimme Erlebnisse auf der Flucht aus der Ukraine. Christian Hammer

Weg nach Deutschland voller Ungewissheit

"Auf unserer Flucht mit dem Zug waren zwei Luftalarme, die ich den Rest meines Lebens nicht vergessen werde", erzählt sie mit überraschend sachlichem Ton. Ihr Nachsatz: "Wir wussten dabei nicht, ob wir leben oder sterben werden", klingt dann so, als würde sie sich, wegen der aufwühlenden Erinnerungen, in Ironie flüchten. Während sie erzählt, spannt sich ihr ganzer Körper immer wieder an. Im Stuhl richtet sie sich auf, als wäre sie bereit, sofort loszurennen. Schon während der Flucht hatte sie an Ulm gedacht, wo sie sich einst als Studentin wohlgefühlt hatte. Den Deutschunterricht in Ulm genießt die sprachbegeisterte Frau sichtlich. "Ich will auch gleich beim Einkaufen im Supermarkt anwenden, was ich gelernt habe."

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