Eine öffentliche Toilette in Ulm (Foto: SWR)

Teurer als sonstwo im Land

Ein Euro fürs Pinkeln: Ulm erhöht Toilettengebühren um 100 Prozent

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Pinkeln in Ulm ist ab jetzt doppelt so teuer: Wer öffentliche Klos nutzen möchte, muss statt 50 Cent künftig einen Euro bezahlen. Die Stadt will damit ihren Haushalt aufpäppeln.

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Die Rechnung ist einfach: 70.000 Menschen verrichten in Ulm jedes Jahr ihre Notdurft auf öffentlichen Toiletten. Die Stadt würde demnach 70.000 Euro einnehmen, statt bislang 35.000 Euro. Mit den Mehreinnahmen will sie den Haushalt entlasten.

Trotzdem blieben die öffentlichen Toiletten ein deutliches Minusgeschäft. Die Kosten dafür lägen bei knapp 250.000 Euro. Doch jedes bisschen helfe, sagt die Stadt.

Eine öffentliche Toilette in Ulm (Foto: SWR)
Eine öffentliche Toilette in Ulm

Die Kostendeckung wird durch die Erhöhung deutlich angehoben. Es ist ein Teil des Konsolidierungspakets - es sind nicht immer die großen Summen, die zum Endergebnis führen; viele kleinere Beträge sind es oft, die uns ermöglichen, die notwendige Ersparung zu erreichen.

Stuttgart macht öffentliche Toiletten kostenlos - wegen "Wildpinklern"

Die Nutzung der Klos ist damit teurer als in jeder anderen Stadt in Baden-Württemberg. 50 Cent kostet es Heidelberg, in Heilbronn 30 Cent, in Freiburg und Karlsruhe ist es sogar kostenlos, sich auf öffentlichen Toiletten zu erleichtern. Auch die Stadt Stuttgart geht diesen Weg: Sie hat für mehr als die Hälfte der öffentlichen Toiletten die Nutzungsgebühren abgeschafft. Einer der Gründe: "Wildpinkler" sollen statt Hinterhöfe die städtischen Örtchen nutzen.

Nicht alle waren bei der Abstimmung zur Preiserhöhung im Ulmer Bauausschuss einverstanden. Neben sieben Ja-Stimmen gab es auch vier Enthaltungen. Unter anderem von Martin Ansbacher von der SPD. Mit solchen Gebühren spiele man nun in der "Bundesliga der Klo-Kassierer".

"Ich finde das unverhältnismäßig. Das ist völlig daneben. Da jetzt Mehreinnahmen zu erwarten und den Haushalt in Schuss zu bringen - das halte ich für einen Fehler."

Weitere Enthaltungen gab es von den Grünen und den Freien Wählern. Männer hätten im Notfall immer noch die Möglichkeit des sogenannten "Wildpinkelns". Das sei zwar nicht legal, passiere aber immer wieder. Dass die Gebührenerhöhung zu vermehrtem "Wildpinkeln" führen wird, befürchtet die Stadt nicht. Man habe lange überlegt, hoffe aber, dass sich der Toiletten-Euro weder positiv noch negativ auf die Zahl der Wildpinkler auswirke.

Kostenlos pinkeln - das geht in Ulm im Parkhaus

Wer nun dringend auf die Schüssel muss und keinen Euro zur Hand hat, für den gibt es in Ulm nur noch eine Möglichkeit: die Klos in den städtischen Parkhäusern. Dort werden keine Gebühren erhoben. Ein neues kommt bald dazu: In der Tiefgarage am Hauptbahnhof, die gerade gebaut wird.

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