Interview mit dem scheidenden Rathauschef von Aalen

Deswegen hört Rentschler als Oberbürgermeister auf

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Jetzt ist es amtlich: Die IHK Ostwürttemberg hat den Aalener Oberbürgermeister Rentschler (SPD) zum neuen Hauptgeschäftsführer gewählt. Aber warum verlässt er eigentlich den Chefsessel im Rathaus?

Im Oktober wird Thilo Rentschler die Nachfolge der bisherigen Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle antreten. Sie hatte ihren Dienstvertrag vorzeitig beendet und die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ende Januar verlassen.

SWR: Herr Rentschler, warum wollen Sie denn nicht mehr Oberbürgermeister von Aalen sein?

Thilo Rentschler: Ich habe mit dem Gemeinderat zusammen arbeitsintensive acht Jahre im Rathaus in Aalen gestaltet und fühle mich jetzt in einer Situation, in der ich noch mal etwas Neues anfangen möchte. Die Nahtstelle Wirtschaft-Politik ist für mich hochspannend. Ich selbst war in jungen Jahren Unternehmensgründer, habe immer die Wirtschaftsthemen bei mir in der beruflichen Entwicklung gehabt. Jetzt war und bin ich noch Chef der Verwaltung hier in Aalen. Aber ich glaube, es tut nochmal gut, mit den Erfahrungen im Rucksack für die Region mehr Verantwortung zu übernehmen.

"In der Tat gibt es aber auch Streitthemen, bei denen sich möglicherweise die Situation verhärtet und das finde ich schade."

Inwiefern spielt für ihren Wechsel die Stimmung im Aalener Gemeinderat eine Rolle?

Gut, dass der Aalener Gemeinderat seine Sitzungen durchaus sehr diskussionsintensiv vollzieht, sechs, sieben, teilweise acht Stunden für Ausschusssitzungen und auch für Gemeinderatssitzungen sind keine Seltenheit. Die Stimmung, würde ich sagen, ist insgesamt positiv - wenn man sich anschaut, was in den letzten siebeneinhalb Jahren für die Stadtentwicklung erreicht werden konnte. In der Tat gibt es aber auch Streitthemen, bei denen sich möglicherweise die Situation verhärtet und das finde ich schade, weil es muss in der Kommunalpolitik gar nicht sein, ganz im Gegenteil. Das kann ja dann mit einer neuen Verwaltungs- und Stadtspitze besser werden.

Gratulanten zu 50 Jahre Studio Ulm: Thilo Rentschler (Foto: SWR)

Raus aus der Kommunalpolitik, rein in die Wirtschaftspolitik. Was ist da der besondere Reiz für Sie?

Wir haben jetzt besondere Situationen. Die Pandemie wirkt wie ein Brennglas auf unser Wirtschaftssystem. Und mich hat eine Zahl erschreckt, nämlich: 80.000 Menschen in Ostwürttemberg, die durch den Lockdown mit Kurzarbeit in Berührung gekommen sind. Da tut es gut, wenn wir aus Sicht der Unternehmerschaft, aber auch der Gesellschaft und der Politik, schnell Antworten finden, wie man diesen Strukturwandel aktiv begleiten kann. Dazu gehört der Hochschulausbau, Forschung, Innovation, die Gründerkultur zu stärken, auch bezahlbarer Wohnraum. Da kann ich mich mit meinem bisherigen Erfahrungsschatz einbringen und bin da gerne bereit, auch ein wichtiger Motor für die Region zu sein.

Sie sind gewählt worden, ohne dass es einen Gegenkandidaten gab. Warum eigentlich nicht?

Es ist durchaus üblich, dass ein kleineres Gremium, in dem Fall das Präsidium, für die Vollversammlung die entsprechende Vorauswahl trifft und ein Wahlverfahren auch in aller Fairness und Transparenz durchführt.

"Ich habe keinerlei Bedingungen gemacht - und das weiß auch derjenige, der diese Behauptung aufgestellt hat."

Es ist Ihnen vorgeworfen worden, Sie hätten zur Bedingung gemacht, dass Ihnen kein Gegenkandidat gegenübersteht. Wie war das?

Das ist allerdings falsch. Ich habe keinerlei Bedingungen gemacht - und das weiß auch derjenige, der diese Behauptung aufgestellt hat. Auch den Beweis dafür blieb er bislang schuldig. Ich habe keine Bedingungen gestellt, dazu bin ich viel zu lange nicht nur im politischen Geschäft, sondern auch Demokrat genug, dass ich die "handelsüblichen" Wahlformen auch akzeptiere.

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