Das Mädchen Marie im weißen Kleid im Duett mit dem Nussknacker (Foto: Martin Kaufhold, Theater Ulm)

Theater feiert Ballettpremiere im Großen Haus

Standing Ovations für Ulmer "Nussknacker und Mausekönig"

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Anita Schlesak
Anita Schlesak (Foto: SWR)

Das Theater wagt sich an das weltberühmte Tschaikowsky-Ballett und gewinnt! Zum ersten Mal seit Corona spielt das Philharmonische Orchester zum Ballett wieder live im Graben.

Das weltberühmte Nussknacker-Ballett wird auf allen großen Bühnen getanzt. Am liebsten zur Weihnachtszeit. Der Ulmer Ballettchef Reiner Feistel choreographiert mit seiner nur zehnköpfigen Compagnie aus sechs Ländern und drei Kontinenten eine originelle, erfrischende Fassung des Märchens als Tanztheater. So gilt die Premiere vom Donnerstag als Uraufführung. Getanzt wird ohne Abstand auf der Bühne und erstmals seit der Pandemie spielt das Philharmonische Orchester auch wieder live. Dafür spendet das Premierenpublikum im Großen Haus wie selten stürmischen Beifall im Stehen.

Publikumsliebling ist der "Mausekönig", der animalische Bösewicht

"Der Mausekönig hat natürlich hervor gestochen", lobte eine Zuschauerin. "Bei ihm hat jede Bewegung gesessen, so was von beweglich und grazil," schwärmt das Publikum von Gabriel Matheo Bellucci, brillant in dieser Rolle mit meterlangem Mäuseschwanz. Seine animalische Figur, der böse Gegenspieler des Nussknackers, wird in der Ulmer Version psychologisch fein ausgeleuchtet, erläutert der Choreograph sein Konzept. "Es war unser Anliegen, alle Figuren sehr ernst zu nehmen. Zum Beispiel hat mich sehr lange beschäftigt: Was ist denn mit der Maus los? Dass die einfach auch mal nur Liebe möchte, Anerkennung und dazu zu gehören. Und sie wird immer ausgeschlossen, weil sie eben eine Maus ist. Dann wird man auch böse."

Zehn Tänzerinnen und Tänzer in Fantasiekostümen  (Foto: Martin Kaufhold, Theater Ulm)
Die Ulmer Compagnie tanzt farbenfroh im "Zuckerland" von Bühnenbildner Klaus Hellenstein Martin Kaufhold, Theater Ulm

Die Compagnie tanzt so virtuos wie das Philharmonische Orchester spielt

Das berühmte Ballett ist freilich ein Wagnis. Zumal bis vor zwei Wochen noch unklar war, ob das Orchester wegen Corona überhaupt live spielen darf. Das hat die Compagnie in Atem gehalten, so Feistel: "Dieses Stück ist so komplex, weil die Dinge so ineinander greifen: die Bühne, das Licht, die Musik, der Tanz, die Geschichte. Und dass sich das so erfüllt, auch mit dem Orchester, das ist ein ganz wichtiges Zeichen für alle."

Die verspielte Marie verlässt ihr traumhaftes "Zuckerland"

So hat die Ulmer Inszenierung ein neues, zeitgemäßes Happy End: die verspielte Marie, anrührend bis witzig verkörpert von Maya Mayzel, entscheidet sich, ihr erträumtes Prinzessinnenkrönchen im Zuckerland abzugeben und erwachsen zu werden. Das sei sehr anspruchsvoll. "Das Schöne ist, dass es so spielerisch rüberkommt", freut sich Feistel.

So reagiert das Ulmer Premierenpublikum

"Die Musik war traumhaft schön", sagte eine Besucherin nach der Aufführung dem SWR. Es sei ein Erlebnis gewesen. "Tolle Musik, tolle Tänzer", schwärmte ein Premierengast und eine junge Frau fügte hinzu: "Alles in allem eine tolle Vorstellung."

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