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War es doch kein Doppeleinschlag? Impaktforscher und Geologen aus Neu-Ulm und Sigmaringen sind der Überzeugung: Das Steinheimer Becken ist jünger als das Nördlinger Ries.

Lange galten das Nördlinger Ries und das Steinheimer Becken als Zwillingskrater. Zwei Teile eines Asteoriden sollen zeitgleich eingeschlagen sein, so die Annahme. Doch diese Theorie wackelt immer mehr. Der Impaktforscher Dr. Elmar Buchner und sein Kollege Dr. Martin Schmieder von der Hochschule Neu-Ulm und der Geologe und Paläontologe Dr. Volker Sach aus Sigmaringen haben Beweise gefunden, dass die Krater durch zwei zeitlich weit auseinanderliegende Asteorideneinschläge entstanden sind.

Das Steinheimer Becken am Albuch. Das Becken soll durch einen Meteoriteneinschlag entstanden sein.  (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance dpa Stefan Puchner)
Das Steinheimer Becken am Albuch: Hier soll ein Meteorit rund eine halbe Million Jahre später eingeschlagen sein als im Ries. picture-alliance dpa Stefan Puchner

Einschläge im Abstand von 500.000 Jahren

Vor rund 15 Millionen Jahren soll ein etwa einen Kilometer großer Asteorid den Rieskrater in die heutige Schwäbisch-Fränkische Alb gesprengt haben - mit einem Durchmesser von 24 Kilometern. Der Einschlag bei Steinheim (Kreis Heidenheim) geschah nach Auffassung der Forscher rund eine halbe Million Jahre später. Dieser Asteorid war etwa 150 Meter groß und schlug einen Krater mit einem Durchmesser von vier Kilometern.

Beide Einschläge lösten verheerende Erdbeben aus

Die beiden Einschläge verursachten starke Erdbeben in weiten Bereichen Süddeutschlands bis in die Schweiz hinein, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Nature -Scientific Reports". Die seismischen Wellen der Impakt-Erdbeben führten zu Deformationen in der Erdoberfläche, deren Spuren heute noch sichtbar sind. So habe die Untersuchung der deformierten Gesteinsschichten bei Biberach gezeigt, dass es nach dem Ries-Beben ein zweites starkes Beben gegeben haben muss, das ebenfalls durch einen Asteorideneinschlag ausgelöst wurde.

Ein Mann steht vor einem Fluss, im Hintergrund sind Berge (Foto: Dr. Elmar Buchner)
Impakt-Forscher Dr. Elmar Buchner von der Hochschule Neu-Ulm hat zusammen mit Kollegen Beweise gesammelt, dass die Meteoriteneinschläge im Ries und im Steinheimer Becken getrennte Ereignisse waren. Dr. Elmar Buchner

Druckwelle und Feuerwalze durch das Ries-Beben

Das Ries-Beben hatte vermutlich eine Stärke von 8,5. Auswirkungen sind bis zu einer Entfernung von rund 200 Kilometern vom Rieskrater zu beobachten. Die Wissenschaftler konnten die Abläufe am Tag des Einschlags rekonstruieren. Demnach folgen den seismischen Wellen, eine gewaltige Druckwelle und eine Feuerwalze. Hügelketten wurden regelrecht abrasiert und ganze Wälder in Brand gesetzt. Dies lasse sich heute noch an Resten von verkohlten Baumstämmen im Erdreich erkennen. Danach fielen aufgeschleuderte Gesteinsbrocken vom Himmel. Ähnlich wie bei Vulkanausbrüchen folgten Starkregen und Überflutungen, wahrscheinlich über Tage hinweg.

Landschaftsbild vom Geoparkries mit Blick von Wemding über den Krater (Foto: Pressestelle, Geopark Ries)
Geopark Ries: Blick von Wemding über den Krater, den ein Asteriod vor rund 14 Millionen Jahren in die Landschaft schlug. Pressestelle Geopark Ries

Steinheimer Beben war nicht ganz so verheerend

Das Steinheimer Beben war vermutlich nicht ganz so verheerend, durchschlug aber nachweislich deformierte Schichten des Ries-Bebens. Außerdem wird diese Theorie durch paläontologische Funde aus den Kratersenken gestützt. Die Ablagerungen im Rieskrater sind demnach deutlich älter als im Steinheimer Becken.

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